Das Wort des Bundesbankpräsidenten Karl Otto Pöhl vom Licht im Tunnel der Kreditpolitik hat den Optimismus in den deutschen Börsensälen ein wenig geschürt. Von Euphorie sind die Aktienmärkte jedoch noch weit entfernt. Einmal weiß man, daß die Hoffnung erst dann größer wird, wenn die Teuerungsrate in der Bundesrepublik wieder sinkt. Und wenn auch das Hamburger HWWA-Institut für Wirtschaftsforschung damit für dieses Jahr rechnet, so ist es doch noch nicht ganz soweit. Zum zweiten dürfte die Abflachung der Teuerung mit einer Konjunkturabschwächung einhergehen – ein Faktor, der den möglichen Kursauftrieb begrenzen könnte, selbst dann, wenn die Aussichten auf 1981 auszuzahlende, 1980 erwirtschaftete Dividenden gut sind. Insgesamt dürfte für den Aktienmarkt also die Devise eines gedämpften Optimismus gelten.

Von einer Lockerung der Kreditzügel dürften speziell die Bankaktien profitieren. Vorausschauende Aktionäre sollten sie jetzt im Auge behalten. Mit Verzögerung profitieren dürften auch die Hypothekenbankaktien, weil mit sinkenden Zinsen der Eigenheimbau wieder bezahlbarer wird. Aber das könnte wohl noch etwas dauert, denn zu weit voraus reagiert selbst die reine Spekulation nicht.

Ölwerte werden auch weiter immer wieder interessant sein. Meldungen über Gewinne und Ölpreissteigerungen werden hier wie in der letzten Woche Anregungen geben. Anleger sollten daran denken, daß Ölaktien mit besonders engen Märkten, wie Deutsche Texaco, dabei starken Kursschwankungen" ausgesetzt sein können, und daß die Börse stark Dirigismus fürchtet, wie das Beispiel der norwegischen Nordseeaktie Norsk Hydro in der Vergangenheit gezeigt hat.

Zu Unrecht, so meinen einige Börsianer, litten Autoaktien unter der Drohung steigender Öl- und Benzinpreise; denn kleine Wagen "liefen" ohnehin, und wer sich einen großen Wagen kaufe, könne in aller Regel auch das teurer werdende Benzin dafür bezahlen. Gefahren könnten nur von gedrückten Preisen für Gebrauchtwagen kommen. Am Automarke werden wahrscheinlich auch weiter Optimisten und Pessimisten miteinander ringen.

Am Rentenmarkt bricht mit steigenden Kursen der Zinssenkungsprozeß immer wieder durch; und da könnten die Farbennachfolger und andere "Dividendenwerte" mit hohen Renditen mitziehen. Im übrigen gilt für Aktien und Renten nach wie vor: Wenn die Ausländer kaufen, dann läuft’ das Geschäft, dann laufen die Mitläufer, dann laufen die Kurse. ITS