DIE ZEIT

Spanischer Schachzug

Der spanische Außenminister Marcelino Oreja legte seine Karten offen auf den Tisch. Madrid werde sich schon 1981 um die Mitgliedschaft in der Nato bewerben, so erklärte er am Wochenende, wenn es vorher sicher sei, daß zwei Bedingungen erfüllt würden: Integration Spaniens in die Europäische Gemeinschaft und Lösung des Dauerzwistes mit London um Gibraltar.

Übers Ziel hinaus

Es geht ums Geld, und da hört, wie man weiß, die Gemütlichkeit auf. Aber seit der vergangenen Woche hat das fast zum Ritual gewordene Ziehen und Zerren um Steueranteile zwischen Bund und Ländern, das immer dann einsetzt, wenn kostspielige Gesetze zur Debatte stehen oder ein Wahltermin naht, mit betrachtlichen Aplomb eine neue Stufe erreicht.

Ein nützlicher Königsbesuch

Der prächtige Rahmen genügte der Würde des Herrschers aus dem Morgenlande, die Breite der Gespräche entsprach der Bedeutung seines Landes.

Worte der Woche

"Jeder freie Europäer guten Willens muß begreifen, daß er zum zweitenmal in unserer Generation eine Münchner Kapitulation vor diktatorischer Erpressung unterstützt, wenn er dieses Dokument verteidigt.

Zeitspiegel

Karl Carstens Wunsch, hochgestellte Staatsgäste künftig, statt auf dem Bonner Flughafen im Park seines Präsidentenpalais mit den üblichen Salutschüssen, begrüßen zu können, bleibt unerfüllt.

Wolfgang Ebert: Letzte Panne

General: Hoffentlich, sonst. Wimex! Jetzt nehmen Sie sich doch mal ein bißchen zusammen.....................................

Deutsche Stadtguerilla: Die Terroristen sammeln sich wieder

In der Nacht zum Freitag voriger Woche explodierte eine Bombe im achten Stock des Rathauses Kreuzberg in Berlin und verwüstete die Bauabteilung des Bezirksamtes.

Exodus aus Kuba: Das Ende eines Traumes

Die offizielle Statistik weicht nur geringfügig von der inoffiziellen Zählung ab: Das amerikanische State Department sprach in der vorigen Woche von "rund 110 000 Kuba-Flüchtlingen", die auf Booten die nordamerikanische Küste erreicht haben; ein Flugblatt der Exilkubaner in Miami wußte es besser: "Sechsmal eine Niederlage für Fidel Castro = 111 111 befreite Brüder und Schwestern.

BONNER BÜHNE: Oasen in der Wüste

Erst hatte es den Anschein, als solle in der Bundestagsdebatte am und zum 17. Juni ausgerechnet die deutsche Frage die geringste Rolle spielen.

"Bei Wahrung der Eigenständigkeit"

Mit großem propagandistischem Aufwand wurde in der DDR zur Vorbereitung des 500. Geburtstages von Martin Luther ein "Martin-Luther-Komitee" gegründet.

Asylverfahren beschlossen

Der Wettlauf mit der Union um die Verschärfung des geltenden Asylverfahrens, um der Flut vor allem sogenannter "Wirtschaftsflüchtlinge" zu wehren, war in der vergangenen Woche durch einen anderen Wettlauf gestoppt worden: dem, wer in der Koalition wohl der liberalere sei.

Ein Erfolg der Bundesanwaltschaft?

Raabe war bereits im Mai 1979 in Dublin festgenommen worden. Die irischen Behörden hatten ihn jedoch wieder freigelassen, da kein gültiger Haftbefehl vorlag.

Daddy ist an allem schuld

Der Börsensaal hallt wider von den Schreien der Händler, den Gesprächsfetzen aus Hunderten von Unterhaltungen: Gebote werden gerufen, Fernschreiber zirpen – all das vermischt sich zu einem Geräusch, das den Saal mit wechselnder Spannung auflädt: mal wispert’s, mal raunt es, mal schwillt es an zu einem Brausen.

Ein Kuckuck aus Texas

Ein Rohstoffspezialist eines New Yorker Brokerhauses vermutet, daß die Hunts bei ihrer Silberspekulation zwischen 350 und 450 Millionen Dollar verloren haben.

Öffentlichkeit: Entscheiden die Wähler oder das Meinungsklima?

Zwischen Frau Noelle-Neumann, Leiterin des Instituts für Demoskopie Allensbach, und den Rundfunkanstalten gibt es einen langandauernden Streit darüber, ob die politischen Sendungen des Fernsehens bei den Bundestagswahlen 1976 den Sieg der sozialliberalen Koalition bewirkt hätten.

Prozedur eines Weltrekords: Der Kampf der Riesen

Nichts Geringeres als einen Weltrekord hatten sie im Visier. Doch den konnte natürlich nur einer, der eine, bringen. Aber daß der es auch noch angekündigt hatte, das Risiko eingegangen war, hernach als Großmaul dazustehen, wo er doch stets als Schweiger galt, das hatte alle elektrisiert.

Vor 30 Jahren in der ZEIT: Recht auf Arbeit

Es ist eine merkwürdige Tatsache, daß mit der Vervollkommnung des staatlichen Fürsorgeapparates und dem sogenannten sozialen Fortschritt beim einzelnen das Gefühl, für das Ganze und die anderen mitverantwortlich zu sein, ständig abnimmt.

Gesucht: eine Art Intendant fürs Bauen

Der OD – wie er im Fachjargon heißt – ist als fachlicher Leiter der Baubehörde zuständig für die städtebauliche Planung von Verkehr, Wohnungsbau, Erholungs- und Gewerbegebieten, aber genauso verantwortlich für die Gestaltung, die Schönheit und "Liebenswürdigkeit" der Stadt.

Ordenssegen

Alljährlich streut die Bayerische Staatskanzlei über verdiente Bürger ihres Landes Orden aus. Heuer waren es rund 160 Frauen und Männer, die aus der Hand von Franz Josef Strau: den "Bayerischen Verdienstorden", am Hals zu tragen, bekamen.

Wahlkampf um hohe Werte

Zwischen Staats-und Industriegesellschaft – Die Diskussion um die Grundwerte ist zu einer Kriegswissenschaft geworden / Von Rolf Zundel

Weg ohne Umkehr

Grundig, Saba, Telefunken: Deutsche HiFi-Produzenten weichen dem japanischen Druck

Ende der Fahnenstange

Den Ärger mit Frau Thatcher hat sich Bundeskanzler Helmut Schmidt durch den Brüsseler Kompromiß vom Hals geschafft – aber dafür hat er sich nun einen deftigen Streit im eigenen Land eingehandelt.

BONNER KULISSE

Je näher der Termin der Bundestagswahl rückt, desto mehr haben Journalisten in Bonn damit zu tun, allmorgendlich ihre Schreibtische abzuräumen.

Lehr- und Wanderjahre in den USA

Während der Frankfurter Buchmesse des Jahres 196S, als die Protestbewegung der Apo-Generation auf ihrem Höhepunkt war, fand im Restaurant "Palmengarten" nahe dem Messegelände eine Diskussion mit prominenten Verlegern statt.

Außenhandel: Erfolgsbilanz mit Fehlern

Die Franzosen nennen so etwas kurioserweise eine "douche écossaise", eine schottische Dusche (zu deutsch: ein Wechselbad). Da preist das amerikanische Magazin Newsweek auf seiner Titelseite "Frankreichs Exportboom", gleichzeitig verkündet Wirtschaftsminister René Monory ein Rekorddefizit im Außenhandel – und beide haben recht.

Finck-Erben: Zwang zur Einigkeit

Wenn sie sich einig sind, dann können sie mit dem Erbe ihres Vaters im einzelnen doch recht freizügig umgehen – freizügiger jedenfalls, als es zunächst den Anschein hatte: Wilhelm, 52, und August ("Gustl"), 50, die beiden ältesten Söhne des im April verstorbenen Münchner Bankiers und Grundstücksmilliardärs August von Finck, müssen die Herrschaft über dieses Geldimperium zwar auf eine gewisse Zeit mit drei Testamentsvollstreckern teilen, die vor allem die Interessen ihrer beiden jüngeren Brüder Gerhard (24) und Helmut (20) wahrzunehmen haben, aber die Flexibilität der Geschäftspolitik soll darunter nicht leiden.

Motorroller: Wespen und Bienen

Nach dem letzten Krieg blieben nur noch 150 000 Quadratmeter zerbombte Werksanlagen und der Höhenrekord für Flugzeuge mit Kolbenmotor.

Schweizer Banken: Die "Gnomen" sollen zahlen

Der Präsident des schweizerischen Gewerkschaftsbundes spricht schlicht von einem "sehr unfreundlichen Ereignis". Nach Ansicht von Nationalrat Helmut Hubacher, Präsident der Sozialdemokratischen Partei der Schweiz (SPS), handelt es sich um einen "dicken Hund".

Wo die Bankiers schweigen

Als sicherer Hort vor dem Zugriff unliebsamer Kontrollen empfehlen sich etwa Nauru, Turks, Caicos oder Virgin Island, allesamt Paradiese des Bankgeheimnisses.

Warten auf den DGB

Kluncker: Ich möchte ganz entschieden bestreiten, daß dem so ist. Wir haben eine Satzung, die ihrem Vorsitzenden kein anderes Recht gibt als den anderen Vorstandsmitgliedern.

ZEITRAFFER

Verantwortlich für die Inflationsrate, die im Mai in der Bundesrepublik bei sechs Prozent lag, waren unter anderem wieder die Preise für Energie.

MANAGER UND MÄRKTE

Bei der Standortsuche für ein neues Werk sondierte BMW-Chef Eberhard von Kuenheim auch im niedersächsischen Wirtschaftsministerium in Hannover.

Wohnungen: Bei vielen hilft nur die Spitzhacke

Mehr als 24 Millionen Wohnungen, so hatte man angenommen, gibt es in der Bundesrepublik. Tatsächlich sind es aber, wie die Wohnungsstichprobe des Bundesbauministeriums ergab, eine Million weniger.

In der Obhut eines Jesuiten

Seminarraum in St. Virgil. Sechzehn junge Menschen auf unbequemen Stühlen am Jangen Tisch. Gemeinsames Kennzeichen: Alle wollen Journalist werden.

Zehn Kilo Bayern

In seiner Rede beim Staatsakt zur Eröffnung der Ausstellung Wittelsbach und Bayern erteilte der bayerische Ministerpräsident den geschichtslosen oder die Geschichte vergewaltigenden linken Gesellen wieder einmal eine Lektion über den richtigen Umgang mit derselben.

Zeitmosaik

Das Wichtigste für mich war die Idee des Scheiterns – in Hinsicht auf das, was man ein absolutes Ziel nennen könnte ... Einerseits bleibe ich bei dem Gedanken, daß das Leben eines Menschen sich als Scheitern manifestiert; was er versucht hat, gelingt ihm nicht.

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