Das Aussteigen fiel den Männern schwer. Erst wuchteten sie Koffer aufs Pflaster, dann kletterten sie selbst aus den Limousinen und blickten suchend über saudiarabische Wüste. Die Rendezvous-Partner ließen auf sich warten.

Doch plötzlich kam Leben in die Gruppe. Die Männer packten hastig ihre Koffer, rannten kopflos über den Parkplatz und versteckten sich hinter parkenden Autos – vergeblich. Die plötzlich aufgetauchte Polizei fand sie alle, auch das sorgsam gehütete Gepäck.

Einer der sieben Festgenommenen war prominent: F. Y. Park, für Saudi-Arabien verantwortlicher Manager des größten südkoreanischen Industriekonzerns Hyundai. Zum dicken Fisch wurde der Koreaner Park erst, als den saudischen Polizisten acht Millionen Dollar aus den Koffern entgegenfielen.

Mit dieser stolzen Summe wollte Park Beamte des saudischen Verteidigungs- und Luftfahrtministeriums schmieren, um ein Stück aus dem Multi-Milliarden-Dollar-Kuchen zu ergattern, den die Saudis ausländischen Unternehmen in Form von Aufträgen für den Militärflughafen von Tabuk anbieten. Und weil Parks Firma Hyundai nicht zum erstenmal beim orientalischen Bakschisch-Geben das rechte Augenmaß vermissen ließ, und auch nicht zum erstenmal dabei ertappt wurde, mußte der Manager hinter Gitter – für dreißig Monate.

Daß die Behörden es ernst meinen mit ihrem bislang ungewohnt eifrigen Kampf gegen die Korruption, demonstrierten sie mit zwei weiteren Strafen, die die Koreaner viel Geld, vielleicht sogar die Existenz kosten werden: Der Konzern aus dem Land der Morgenstille muß mit 90,9 Millionen Dollar die höchste Geldbuße zahlen, die je in Saudi-Arabien verhängt worden ist, und für zwei Jahre bleibt das Unternehmen von allen Staatsaufträgen ausgeschlossen. Der Zeitpunkt hätte nicht ungünstiger sein können, denn Saudi-Arabien hat gerade seinen neuen Fünfjahresplan verabschiedet, der mit 250 Milliarden Dollar dotiert ist und ausländischen Firmen volle Auftragsbücher und gute Gewinne verspricht.

Für Hyundai könnte der Verlust des saudischen Marktes den Ruin bedeuten. In den vergangenen Jahren holte sich die Firma etwa 75 Prozent ihrer Aufträge beim größten Erdölexporteur der Welt. Aber selbst der einflußreiche Prinz Muhammed Ibn Fahd Abdulaziz, Sohn des mächtigen Kronprinzen Fahd und den Koreanern geschäftlich eng verbunden, konnte nichts für seine Klientel tun.

Diesen jüngsten Bestechungsversuch des Konzerns, dessen Aktivitäten vom Schiffs- und Automobilbau über Bauwirtschaft bis zum Handel mit Tennisschlägern rund vier Milliarden Mark Umsatz im Jahr einbringen, bezeichnete ein Saudi orientalischblumig als "Strohhalm, der dem Kamel den Rücken brach".