• Herr Kluncker, Ihnen ist zwar beim Gewerkschaftstag der ÖTV deutliche Kritik aus den eigenen Reihen entgegengeschlagen, dennoch bleibt der Eindruck, die ÖTV ist eine Kluncker-Gesellschaft. Sie sind nicht der Primus inter pares, sondern die beherrschende Figur. Geben Sie Ihren Kollegen aus dem geschäftsführenden Hauptvorstand keine Chancen, sich zu profilieren?

Kluncker: Ich möchte ganz entschieden bestreiten, daß dem so ist. Wir haben eine Satzung, die ihrem Vorsitzenden kein anderes Recht gibt als den anderen Vorstandsmitgliedern. Jeder hat einen Arbeitsbereich, in dem er sich darstellen kann. Und jeder hat sowohl Öffentlichkeitsarbeit führen können, als auch bei gewerkschaftspolitischen Positionen seine eigenen Vorstellungen einbringen können.

  • . Warum aber treten in der Öffentlichkeit außer Ihnen keine Hauptvorstandsmitglieder in Erscheinung?

Kluncker: Das ist so nicht richtig dargestellt. In der Vergangenheit haben auch ÖTV-Vorstandsmitglieder öffentlich Stellung bezogen. Allerdings gibt es gewisse Schwierigkeiten. Stellen Sie sich vor, zu einer Tarifrunde äußern sich sieben Vorstandsmitglieder differenziert über die Forderungen der Gewerkschaft. Wie soll das wohl laufen?

  • Beklagt wird auch innerhalb der Gewerkschaft, daß die ÖTV zu straff organisiert sei. Wird dadurch nicht vielfach Eigeninitiative erstickt und der Hang zur Obrigkeitshörigkeit, der möglicherweise in der ÖTV stärker ist als in anderen Organisationen, noch verstärkt?

Kluncker: Im Vergleich zu anderen Gewerkschaften im industriellen Bereich ist die ÖTV zentral aufgebaut. Das hängt damit zusammen, daß wir Tarifverhandlungen auf Bundesebene führen. Was das binnenorganisatorische Leben anbelangt, so glaube ich, gehen wir von einem kritischen Verständnis aus. Wir möchten so wenig wie möglich zentral regeln, aber wir können uns nicht als ÖTV in München anders darstellen als in Hamburg.

  • Da in der ÖTV alles derart auf Sie zugeschnitten ist, könnte auch die Frage eines Nachfolgers ein Problem werden. Steht die Organisation nicht allzu unvorbereitet da, wenn Sie einmal nicht mehr zur Verfügung stehen?