Von Heinz Blüthmann

Wir sind zutiefst erschüttert", gestand in der vergangenen Woche Charlotte Beringer. Die Betriebsratsvorsitzende des bayerischen Grundig-Werkes Neuburg an der Donau wütend: "Das ist ein Schlag ins Gesicht."

Was die Gefühle der Gewerkschaftsdame so in Wallung brachte, war eine lapidare Pressemitteilung ihres Arbeitgebers Grundig, des deutschen Marktführers in der "Lust"-Elektronik: "Der scharfe Wettbewerb in der Unterhaltungselektronik, das hohe inländische Kostenniveau sowie mangelnde Schutzmaßnahmen seitens des Staates zwingen die Grundig AG, ihre Fertigung weiter zu konzentrieren. Im Zuge dieser Entwicklung soll unter anderem das Werk Neuburg/Donau geschlossen ... werden."

Vierhundert Arbeitsplätze werden Ende Oktober in Neuburg verschwinden, und auch Betriebsratschefin Beringer wird sich mit ihren Gewerkschaftskollegen nach einem neuen Job umsehen müssen. Denn die HiFi-Komponenten und Autoradioteile, die bisher in Neuburg zusammengelötet wurden, will Grundig-Manager Bruno Lippmann fortan in anderen nicht ausgelasteten Werken des Konzerns fertigen lassen, beispielsweise in Dachau.

Bitter erinnert sich nun der Neuburger Betriebsrat an ein Versprechen des Gründers und Konzernchefs Max Grundig, daß er nie ein bayerisches Werk schließen werde: "Mit dem Wechsel des Managements scheint aber auch der Autoritätsstern des Pioniers auf dem Sektor der Unterhaltungselektronik nur noch zu Renommierzwecken herhalten zu müssen."

Doch Sprüche von gestern zählen auch woanders nicht mehr, seit immer mehr deutsche Kunden heimische Produkte links liegen lassen und beim Kauf von Kassettenrecordern, Tunern und Verstärkern zu Konkurrenzmodellen aus Japan, Taiwan, Singapur und Hongkong greifen.

Denn längst sind es nicht mehr nur technikverliebte HiFi-Freaks, sondern breite Käuferschichten, vor allem Jugendliche, die glauben und danach kaufen, was Sonys Deutschland-Chef Jack Schmuckli in selbstbewußter Manier behauptet: "HiFi wird in Japan gemacht." Nach einer internen Grundig-Marktuntersuchung stammten im vergangenen Jahr immerhin schon 42 Prozent der abgesetzten HiFi-Geräte aus sogenannten "Fremdimporten" – vornehmlich aus Japan. Was die hiesigen Hersteller für ihre eigenen Marken selbst einführten, ist darin noch nicht einmal enthalten..