Von Klaus-Peter Schmid

Devisenschieber aller Länder, vereinigt euch! Verbündet euch mit Steuerhinterziehern, Spekulanten und Bankrotteuren! Vor allem aber: Sucht den richtigen Platz für eure Geschäfte aus – es lohnt sich!

Als sicherer Hort vor dem Zugriff unliebsamer Kontrollen empfehlen sich etwa Nauru, Turks, Caicos oder Virgin Island, allesamt Paradiese des Bankgeheimnisses. Wer nicht den passenden Atlas zur Hand hat, um diese Mini-Inseln ausfindig zu machen, der kann sich natürlich auch vertrauensvoll an die Schweiz wenden. Auch Hongkong, Bahrein und die Bahamas bieten sich an. Und – wer hätte das gedacht – sogar die Sowjetunion garantiert dem kapitalistischen Devisenbringer absolute Verschwiegenheit.

Natürlich traut sich nicht jeder, seine Bank nach den diskreten Adressen zu fragen. Kein Problem: Man kann sie jetzt beim Buchhändler erstehen. In Frankreich ist nämlich ein "Weltführer des Bankgeheimnisses" erschienen, der an Details nichts zu wünschen übrig läßt (Edouard Chambost: Guide mondial des secrets bancaires; Paris, Seuil 1980).

Der Autor, ein erfahrener Anwalt, nimmt seine Leser von vornherein gegen Gewissensbisse in Schutz: "Die Erfahrung von Insidern zeigt, daß die meisten an den Bankparadiesen interessierten Leute weder Betrüger noch internationale Abenteurer sind, sondern einfach gute Familienväter, die für ihre Familie eine Vermögensreserve vor den politischen Wechselfällen und häufig vor den praktischen Auswirkungen auf Besteuerung und örtliche Devisenkontrolle in Sicherheit bringen wollen."

Treusorgenden Familienvätern muß natürlich geholfen werden. Schließlich war man schon in den Tagen des Babyloniers Hammurabi dieser Meinung. Ähnlich die römischen Bankiers, die "Gnome von Rom". Für sie galt bekanntlich die Devise, daß Geld nicht stinkt, schon gar nicht, wenn man es geschickt versteckt. Kein Wunder, daß zu ihrer Zeit das Bankgeheimnis gesetzlich verankert war. Ein leuchtendes Beispiel für die Welt von heute, in der, so Chambost, das "Recht auf das Geheimnis" überall gefährdet ist.

Bei der Suche nach schottendichten Banken (was natürlich nichts mit den sparsamen Schotten zu tun hat) können sich Anleger an die Regel halten, daß Länder mit großer Bevölkerung das Bankgeheimnis generell ablehnen. Die qualvollsten Bankhöllen nach Chambost: USA, Kanada, Großbritannien, Südafrika, Italien, Frankreich, Belgien, Niederlande, Dänemark, Norwegen und Schweden. Da die Bundesrepublik auf dieser Liste ebenfalls nicht fehlt, ist sie wohl in bester Gesellschaft.