Das Wichtigste für mich war die Idee des Scheiterns – in Hinsicht auf das, was man ein absolutes Ziel nennen könnte ... Einerseits bleibe ich bei dem Gedanken, daß das Leben eines Menschen sich als Scheitern manifestiert; was er versucht hat, gelingt ihm nicht. Es gelingt ihm nicht einmal, zu denken, was er denken will oder zu fühlen, was er fühlen will. Das führt im Grunde zu einem absoluten Pessimismus. In "Das Sein und das Nichts" habe ich das nicht behauptet, doch heute muß ich es notgedrungen feststellen. Andererseits aber habe ich seit 1945 immer stärker angenommen – und jetzt bin ich vollends davon überzeugt –, daß ein wesentliches Merkmal der unternommenen Handlung ... in der Hoffnung besteht. Und die Hoffnung bedeutet, daß ich eine Handlung nicht unternehmen kann, ohne damit zu rechnen, daß ich sie auch realisieren werde.

Jean-Paul Sartre, der am 21. Juni 75 Jahre alt geworden wäre, in einem Gespräch, dem letzten vor seinem Tod, mit Benny Lévy. Das Gespräch "Die Linke neu denken – Über Hoffnung und Moral" wird gedruckt werden in Heft 4 der im Wagenbach Verlag, Berlin, erscheinenden Zeitschrift "Freibeuter".

Für Stromlinienleser

Um 1900 "oblagen" höhere Töchter in Mußestunden der "Lektüre". Aber wieso nennt sich heute eine auf "schick" getrimmte Literaturzeitschrift Lektüre die viel besser Lit-Hit oder Readers Rocket hieße? Sie erscheint 1980 im fünften Jahrgang, worauf sich ihr Redakteur, der Satiriker Ulrich Greiwe einiges zugute tut – nachdem buch (Gruner + Jahr) sowie Buchmagazin (Deutscher Ärzte-Verlag) als Flops im Medien-Meer versanken. Lektüre, populär bis naßforsch (Lesen, lustbetont), unternimmt den atemlosen Versuch, Leser mit der Wegwerfware Buch anzumachen, ehe die Hits dieser Saison von denen der nächsten in die Ramsch-Ecke geschoben werden. Tempo ist Trumpf; da spielt es keine Rolle, wenn etwa aus dem Kabarett-Titel "Keine Frage mehr" (Hildebrandt/Schneyder) dank Lektüre "Keine Phrasen mehr" wird. Kritik und Lob zugleich: Lektüre ist ein absolut marktkonformes Produkt. Die Verläge honorieren das mit einem Platzregen von Anzeigen. (Lektüre-Verlag. 8000 München, Friedrichstraße 13; Einzelheit 5,– DM, Jahresabonnement für 6 Hefte 27,–DM.)

Chiracs Oper: Volkstümlich

Nun backt auch der Pariser Oberbürgermeister Jacques Chirac wieder kleine Brötchen. Er hatte endgültig seine Ambition begraben, der Pariser Oper Konkurrenz zu machen. Denn aus der zunächst mit Pomp angekündigten "Städtischen Oper" ist das bescheidene "Pariser Musiktheater" geworden. Dafür bleibt Chirac einem anderen Ziel treu: Er will französischen Sängern eine Bühne bieten, nachdem sie an der (vom Staat finanzierten) Pariser Oper schon geraume Zeit nicht mehr sehr gefragt sind und das Engagement eines französischen Künstlers jedesmal in der Presse wie eine kleine Sensation gefeiert wird. Auf das Niveau des bisherigen Operetten-Theaters Châtelet, das für 35 Millionen Franc umgebaut wurde, will man natürlich, nicht herabsteigen. Statt dessen gibt es zur Eröffnung im November Jacques Offenbach, dann Charpentier, Massenet und Bizet – also eine Art Volksoper in den Farben der Trikolore, das heißt Pariser Leben statt Land des Lächelns, Perlenfischer statt Zarewitsch. Für Pariser Verhältnisse eigentlich ein respektables Programm.

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