Kein Kanonier Carstens

Karl Carstens Wunsch, hochgestellte Staatsgäste künftig, statt auf dem Bonner Flughafen im Park seines Präsidentenpalais mit den üblichen Salutschüssen, begrüßen zu können, bleibt unerfüllt. Nicht "satt und dunkel", wie erhofft, sondern zu scharf und laut für die Nachbarschaft wie für die Staatsgäste fiel der Knall der Probeschüsse aus, die eine Feldhaubitze vor dem Besuch des saudiarabischen Königs Chalid auf dem Rasen vor dem Präsidialamt abfeuerte. Von dem Vorschlag, die Pulverladung zu halbieren, hielt die Bundeswehr nichts: Dann knalle es nicht mehr, sondern zische nur noch. Es bleibt beim Ehrendonner auf dem Flugplatz.

Bürger und Behörde

Zu dem Thema "Der (ohnmächtige) Bürger und die (allmächtigen) Behörden" hat die Wasser- und Schiffahrtsdirektion Mitte in Hannover eine klassische Definition geliefert – mitgeteilt in Heft 2/80 der Zeitschrift Umweltforum Gegen die wirtschaftlich unsinnige und ökologisch verhängnisvolle Kanalisation der Fulda haben Naturschützer mit gutem Grund und unschlagbaren Argumenten protestiert. Die Behörde kann das nicht erschüttern; aus ihrem Schreiben: "Die Einwender befürchten so erhebliche Beeinträchtigungen für Natur und Landschaft, daß das Ausbauvorhaben nicht durchgeführt werden sollte. Sie machen damit nicht Beeinträchtigungen ihnen zustehender Rechte, sondern öffentliche Belange geltend, deren Wahrnehmung nach gesetzlicher Regelung Behörden anvertraut ist." Punktum, die Behörde kann nicht irren.

Der abgeblasene Marsch

Die Behörden der DDR haben ihre eigenen Vorstellungen davon, was in den bundesdeutschen Fernseh-Programmen Unterhaltung und was Politik ist. Eine Kostprobe lieferten sie jüngst am Beispiel der Bremer Fernsehsendung "III nach neun". Dort sollte am letzten Freitag Friedrich Zimmermann von der CSU auftreten – und das Gastspiel des Bayern an der Weser dünkte den Genossen jenseits der Elbe als Politikum. Es durfte deshalb auch nicht durch den Auftritt eines renommierten DDR-Künstlers aufgewertet werden. Also reisten unmittelbar vor der Sendung zwei Funktionäre der Ost-Berliner Künstleragentur an und legten ihrem Star-Trompeter Ludwig Güttler aus Dresden (Marlies Menge porträtiert ihn auf Seite 53) ans Herz, sein Instrument nicht auszupacken. Dabei hätte er, wem auch immer, so gerne einen Marsch geblasen.

Repressalien gegen Ukrainer

Nach dreitägiger, nichtöffentlicher Verhandlung ist der ukrainische Bürgerrechtler Wjatscheslaw Tschornowil in Jakutsk in Sibirien zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Tschornowil, der 1969 der ukrainischen Bürgerrechtsgruppe zur Überwachung der KSZE-Beschlüsse von Helsinki beigetreten war, wurde vor zwei Monaten in der ostsibirischen Stadt Mirnyj unter falschen Anschuldigungen verhaftet. Er war bereits 1966 zu zweieinhalb Jahren Straflager verurteilt worden, weil er Protokolle über Geheimverhandlungen gegen ukrainische Oppositionelle verfaßt hatte. Für die Veröffentlichung dieser Papiere im Westen hatte der Bürgerrechtler 1966 den englischen Tomalin-Preis erhalten. Zu diesem Zeitpunkt war er bereits wieder eingekerkert: im Zuge der Repressionswelle gegen ukrainische Intellektuelle 1972 erhielt er sechs Jahre Straflager und drei Jahre Verbannung. Im August dieses Jahres sollte er entlassen werden – mit der neuen Verurteilung wurde offensichtlich seiner Rückkehr in die Ukraine vorgebeugt.