Die beiden ältesten Söhne des Milliardärs können nur gemeinsam die Familienholding leiten

Wenn sie sich einig sind, dann können sie mit dem Erbe ihres Vaters im einzelnen doch recht freizügig umgehen – freizügiger jedenfalls, als es zunächst den Anschein hatte: Wilhelm, 52, und August ("Gustl"), 50, die beiden ältesten Söhne des im April verstorbenen Münchner Bankiers und Grundstücksmilliardärs August von Finck, müssen die Herrschaft über dieses Geldimperium zwar auf eine gewisse Zeit mit drei Testamentsvollstreckern teilen, die vor allem die Interessen ihrer beiden jüngeren Brüder Gerhard (24) und Helmut (20) wahrzunehmen haben, aber die Flexibilität der Geschäftspolitik soll darunter nicht leiden.

Bei der ersten Pressekonferenz des Bankhauses Merck, Finck & Co. nach dem Tod dese dominierenden "Seniors" versicherte "Gustl" von Finck als neuer Sprecher der drei geschäftsführenden Mitinhaber (neben August und Wilhelm von Finck ihr Vetter Wilhelm Winterstein, 49) zwar, daß "keine Veränderungen im Beteiligungsbereich und im Grundstücksbesitz" geplant seien. "Den Stil des Vaters wollen wir auf jeden Fall fortsetzen. Grundbesitz war für uns nie Objekt für spekulative Überlegungen, und daran wird sich nichts ändern." Die über ein Jahrhundert bewährten Grundsätze sollen auch künftig gelten.

Andererseits weiß aber August junior: "Man muß auch flexibel sein." Dem steht das Testament des 81jährigen Finck nicht entgegen – soweit nicht die Gesellschaftsstruktur angetastet werden soll. Diese ist fürs erste tabu.

In dem Testament werden drei Vollstrecker eingesetzt, deren Namen man erst dann nennen will, wenn sie alle ihr Amt angenommen haben. Es handelt sich um drei Männer aus München im Alter von 40 bis 55 Jahren, die mit den Finck-Unternehmen direkt nichts zu tun haben: einen angesehenen Notar, einen ebenso geachteten Wirtschaftsprüfer und einen jüngeren Herrn aus der Verwandtschaft (weder ein Finck noch ein Winterstein).

Die drei bilden zusammen mit den beiden älteren Finck-Brüdern bei der Familienholding Agricola Verwaltungsgesellschaft KG (seit 1973 auch weitere haftende Gesellschafterin des Bankhauses) und bei der Grundstücksfirma von Fincksche Hauptverwaltung zwei identische "Beiräte". Doch diese Gremien sind "keine Organe im juristischen Sinne". Beim Bankhaus selbst (mit einer Konzernbilanzsumme von rund 2,4 Milliarden Mark) gibt es keinen solchen Beirat, es wird durch die Agricola abgedeckt.

Wichtig ist, daß die drei Testamentsvollstrecker, die das Vermögen der noch nicht geschäftsführenden jüngeren Finck-Brüder verwalten, nur beratende Funktionen haben. Wenn sich die beiden älteren Fincks einig sind, können sie – von Kernfragen der Firmenstruktur abgesehen – nicht überstimmt werden.