DIE ZEIT

CSU-Parteitag: Reden wollten nur die Großkopfeten

Die über tausend Delegierten eines CSU-Parteitages schweigen zu sehen, ist jedesmal wieder ein Erlebnis. Diesmal, auf ihrem Wahlparteitag, den die CSU als letzte der vier im Bundestag vertretenen Parteien am vergangenen Wochenende in der riesigen Bayernhalle in München absolvierte, schwieg die CSU-Basis nur noch etwas abgründiger als sonst.

Zeitspiegel

Einen originellen Kommentar zur jüngsten Entwicklung in Afghanistan leistete sich Franz Josef Strauß am Montag in beiden Kanälen des Fernsehens.

Kein Einspruch gegen Kontakte

Präsident Carter und seine Berater waren nach dem Treffen von Venedig in Hochstimmung. Allein die Tatsache, daß sich die sieben Teilnehmerstaaten während eines Nachmittags auf eine so eindeutige Erklärung zur sowjetischen Besetzung Afghanistans einigen konnten, ließ die Amerikaner staunen.

Wolfgang Ebert: Test zum Fest

"Welche Reise? Ach, die Reise. Also, es handelt sich um eine ganz persönliche Einladung von Herrn und Frau Schmidt – Bundeskanzler Schmidt –, die schon länger vorlag und nichts mit der Afghanistan-Krise zu tun hat, wie manche glauben.

Indien: Die Kaiserin sucht einen König

Zum ersten Aufstieg hatte er schnell und steil angesetzt – und sich dabei die Flügel verbrannt. Das zweitemal war er vorsichtiger; eine Panne sollte es nicht mehr geben.

Südafrika: Der Aufstand der Farbigen

Die Welle des Aufruhrs rollte diesmal freilich ganz woanders – nicht im "South-Western-Township" von Johannesburg, dem schwarzen Schlafsaal des weißen Babylon, sondern 1200 Kilometer von Soweto entfernt, in Kapstadt, in den Wohnbezirken der Farbigen.

Japan: Wahlsieg ohne eigenen Verdienst

Im Unterhaus gewann die eher konservative LDP überraschend 284 der 511 Mandate. Durch Aufnahme von zwei Unabhängigen erhöhte sie ihre Fraktionsstärke auf 286 Abgeordnete.

Spanien: Die Guerilla bombt

Der politisch-militärische Flügel der baskischen Untergrundorganisation ETA kündigte rechtzeitig zum spanischen Ferienbeginn an, daß "in allen spanischen Touristengebieten" vorher gelegte Bomben zur Explosion gebracht würden.

Lärmschutz: Kein Ohr für Flöten

Straßentheater und -musik sind ab sofort in Hamburg wegen Gesundheitsschädlichkeit verboten. Dieser Satz steht auf einem Zettel, den ein Unbekannter an einen Brunnen in der Innenstadt geklebt hat.

Zu viele Feiertage: Gekränkte Bosse

Achtzehn Jahre dauerte der Streit, zwei Ministerpräsidenten mühten sich ab, ihn zu schlichten. Und als jetzt Bayerns CSU schließlich mit einem Kraftakt das Problem vom Tisch wischte, auch noch dieses Malheur: Ein leibhaftig und monetär Betroffener, ein Wirtschaftsboß, ja, der "Boß der Bosse" scheint die Konsequenz zu ziehen und aus einem in 2000 Jahren bewährten Verband auszutreten.

Köder für die Grünen

Weil die Materie so kompliziert und wenig anschaulich ist, greift Günter Hartkopf gerne zum Vergleich. Doch auch da tut er sich nicht leicht.

Wenn der Lahme über den Tauben klagt

Schwerhörigkeit ist nicht nur eine Krankheit, sondern kann auch eine Tugend sein. Das gilt jedenfalls für die Bonner Politiker, bei denen die Bitten des Fachverbandes Unterhaltungselektronik um "staatlichen Flankenschutz" bisher auf taube Ohren gestoßen sind.

Sozialwahlen: Schwindel?

Die ersten Ergebnisse der Sozialwahlen liegen nun vor. Und wie schon beim letzten Mal sind auch diesmal wieder die sogenannten"sonstigen Arbeitnehmervereinigungen" die Gewinner.

BONNER KULISSE

Bundesfinanzminister Hans Matthöfer gibt die Hoffnung nicht auf. In der Bundestagsdebatte über Nachtragshaushalt und Subventionsbericht tat er – zum wieviel Hundertsten Male? – kund, daß im kommenden Jahr nun wirklich ernstgemacht werden solle mit dem Einsparen ungerechtfertigter Zuschüsse.

Mitbestimmung: Kein Sondergesetz

Eigentlich sollten wir von Sondergesetzen die Nase voll haben. Aber die SPD schickte sich an, noch vor den Bundestagswahlen ein neues Sondergesetz durchzupauken: eine "Lex Mannesmann", mit der verhindert werden sollte, daß Unternehmen, die bisher der Montan-Mitbestimmung unterliegen, aus dieser herausfallen.

Wird der Abend zum Morgen?

Hossein Sabet sagt: "Ich wollte helfen." Deshalb hat er, der Perser in Berlin; in letzter Minute die Berliner Mittagszeitung Der Abend gekauft.

Krankheitskosten: Gesundheit um jeden Preis?

In der satirischen Zeitschrift Pardon war vor einigen Jahren die folgende, Lebensstil und Umwelt künftiger Generationen überspitzt vorwegnehmende Karikatur zu sehen: Inmitten und gleichsam erdrückt von prächtigen Apotheken, Kliniken und Krankenhäusern sinniert ein Clochard wehmütig vor seiner Wellblechhütte: "Das waren noch Zeiten, als man sich außer der Krankenkasse noch etwas anderes leisten konnte.

Ostblock: Rote Zahlen bei den Roten

In der Planwirtschaft wie in der Marktwirtschaft bereitet die wirtschaftliche Entwicklung den Politikern mehr Sorge als Freude.

Börsen-Report: Aktien wieder "in"

Nach den ersten Entspannungssignalen nach dem Gipfel von Venedig waren deutsche Aktien international plötzlich wieder "in". Kleine und große Anleger, In- und Ausländer kauften deutsche Papiere.

Verbot möglich

Ehlers: Um ganz korrekt zu sein: Wir haben die Frage geprüft, ob ein landesgesetzliches Aussperrungsverbot möglich ist. Und wir sind zu dem Ergebnis gekommen, dieses ist möglich.

MANAGER UND MÄRKTE

Die Sanierung der Wibau Maschinenfabrik lief ab wie bei vielen Firmen, die von der IBH Holding übernommen worden sind: Erst wurde ein Vorstand gefeuert, dann – vor wenigen Tagen– zwei Abteilungen, die nicht ins Konzept paßten, für gutes Geld (Insider sprechen von rund fünf Millionen Mark) verkauft und 150 Leute entlassen.

DEVISENSELLER

Dramatische Veränderungen gab es in den letzten Wochen an den Devisenmärkten nicht. Der Dollar wurde jüngst etwas rückläufig notiert, eine neue Zinsrunde wird im Handel indes daraus nicht abgeleitet.

ZEITRAFFER

Es klingt wie Zukunftsmusik in den Ohren der deutschen Verbraucher: Eine Inflationsrate von 3,5 Prozent für 1981 sagt die OECD, die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, in ihrem Deutschland-Bericht voraus.

Israel: Lohnverzicht für Amtsverzicht

Erst trat der Verteidigungsminister zurück, weil an seinem Etat gestrichen werden sollte; dann drohte der Finanzminister mit seinem Rücktritt, weil die Kürzungen nach seiner Ansicht nicht ausreichen.

Gorleben-Hearing: Grimmels Märchen

Nachdem der Hamburger Universitätsprofessor Eckhard Grimmel den Abgeordneten des Innenausschusses im Bonner Bundestag noch einmal dargelegt hatte, was er schon seit rund zwei Jahren behauptet, nämlich daß die Salzstöcke im niedersächsischen Gorleben ungeeignet seien, dort atomaren Müll zu lagern, stellte sein Kollege, Professor Helmut Venzlaff, Geologe und Abteilungsleiter bei der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in Hannover, mit ironischem Unterton in der Stimme fest: "Ich wünschte, wir wären nach unseren Untersuchungen schon so weit wie die, die keine Untersuchungen gemacht haben.

Afrika - verraten und verkauft

So ist es einem seit langem nicht mehr ergangen beim Lesen eines Buches: daß einem die Wut hochkriecht über das, was einem da wieder in die Erinnerung zurückgerufen wird und ins Gewissen, mitten in den geordneten mitteleuropäischen Berufsalltag hinein, dessen Normalität einem nun in vielerlei Hinsicht obszön erscheinen muß – erscheinen soll? Dies ist ein gefährliches Buch, ein demagogisches, und es ist gewollt so.

Ausflüge in den russischen Alltag

In der zweiten Hälfte der siebziger Jahre lieferte der Moskauer Korrespondent Reinhard Meier anschauliche Beispiele für die besondere Tradition der Auslands-Reportagen in der Neuen Zürcher Zeitung.

Bürgers Bug - das Stadthaus

Neuerdings treibt der teure Boden unserer Städte stellenweise höchst seltsame Blüten, für die man den Namen Stadthäuser gefunden hat.

Liberal oder nur labil?

Das ist merkwürdig: der Paragraph 88 a wird abgeschafft, und kein Hahn kräht danach. Erinnert sich noch jemand? Daran zum Beispiel, daß dieses Gesetz gegen die Befürwortung von Gewalt ganz andere Folgen hatte: die Beschlagnahme von Büchern, die Durchsuchung von Buchhandlungen, die Inkriminierung von Verlegern.

Zeitmosaik

In den fast durchgehend negativen Kritiken, die der deutsche Pavillon der Biennale Venedig in diesem Jahr bekam (ZEIT Nr. 24), wurde neben Klaus Gallwitz, dem verantwortlichen Kommissar, auch Rudolf H.

Wohnen in Traumworten: Schreiben gegen Sterben

Gegenüber der Realität der Jahre 1941/44 – Nazis hielten ihre Heimatstadt Czernowitz besetzt – gab es für die Jüdin Rose Ausländer zwei Verhaltensweisen: "Entweder man gab sich der Verzweiflung preis, oder man übersiedelte in eine andere Wirklichkeit, die geistige.

Wir wollen keine Zombies sein

Dieses Extrablatt ist geschrieben aus der Züricher Universitätsklinik. Da ich ziemlich ramponiert bin, fällt es mir schwer, den Kopf zum Fenster hinzudrehen, und so den glänzenden Nabel von Mitteleuropa zu betrachten.

Kunstkalender

Wie eine Argumentationshilfe im leidigen Streit um die Serra-Skulptur für Bochum kommt diese Ausstellung daher, die schon in Bielefeld zu sehen war und jetzt (vor Hamburg und Ludwigshafen) in Berlin Station macht.

Die neue Schallplatte

The Beatles: "Abbey Road". Der elf Jahre alte Beatles-Klassiker, die letzte gemeinsame Arbeit der "fab four", liegt jetzt erstmals in einer technisch zufriedenstellenden Überspielung vor: Transferiert wurde das originale Zweispur-Master auf Lackfolie mit halber Schneidgeschwindigkeit, und die Pressung – in Japan hergestellt – geschah in allen Fertigungsstufen mit rigoroser Qualitätskontrolle.

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