Sie mögen wohl als kinderfeindlich verschrien sein, die erwachsenen Deutschen. Aber wenn sie sich einmal vorgenommen haben, etwas für die Kleinen zu tun, dann tun sie dies gründlich. Die jetzt erschienene Broschüre des Schulbauinstituts der Länder mit dem Titel "Praktische Planungshilfen zur Gestaltung von Schulhöfen" beweist dies eindrucksvoll.

Da haben sich nämlich im vergangenen Jahr, dem des Kindes, vielerorts Eltern und Pädagogen zusammengefunden, um die asphaltierten, hoch eingezäunten Pausenhöfe deutscher Schulen kinderfreundlich zu gestalten.

Material wurde zusammengetragen und planerisch festgeschrieben. Nordrhein-Westfalens Kultusministerium gab ein Merkblatt heraus über "Empfehlungen für die kindgerechte Gestaltung von Schulhöfen", Berlin startete die Aktion "Kindgerechter Pausenhof", der Gemeindeunfallversicherungsverband Hannover schrieb einen Wettbewerb aus: "Sichere und attraktive Schulhöfe". Das Institut für Umweltgestaltung in Aachen gab dem Ganzen schließlich ein treffliches Leitmotiv: "Die Umgestaltung von Schulhöfen als kommunikativer Prozeß".

Eltern und Pädagogen ruhten nicht eher, bis alle ausgewählten Schulhöfe mit einem Spielzonennetz überzogen waren, bis haargenau festgelegt worden war, in welcher Ecke gehopst, geruht oder mit einem Ball gespielt werden durfte.

Welche Ausmaße der Denkungsprozeß annahm, zeigt beispielhaft die gedankliche Auseinandersetzung mit Hinkel und Murmel des Kultusministeriums von Niedersachsen:

"Die Markierung der Schulhofflächen für Hüpfspiele (auch Hinkefuß, Hinkel, Hopse genannt) bildet die billigste und am einfachsten durchführbare Möglichkeit zur Umgestaltung und Aktivierung trister, ungegliederter Asphaltpausenhöfe. Die Markierung der Spielgrundrisse kann a) von Fall zu Fall mit Kreide aufgetragen werden (die erforderliche Grundfläche ist jedoch mit wetterfester Farbe einzugrenzen!) oder b) mit Synthetikfarbe dauerhaft aufgetragen werden..."

Versteht sich, daß nur in den dafür eingegrenzten Spielfeldern jeweils gemurmelt oder gehinkelt werden darf. Am Ende waren die meisten Schulhöfe luxuriös gestaltet und geradezu kleingärtnerisch aufgeteilt in Spielzonenbereiche etwa für Zielwurfscheiben, Kleinfeldtore, Springbockreihen, Malwände, Sandgruben, Kletterturm und Sitzgruppen mit Getränkeautomaten.