ZDF, Donnerstag, 26. Juni: „Dalli-Dalli“, von und mit Hans Rosenthal

Nein, meinte die Redaktion dieser Zeitung, nein, so ginge es nicht: Achtzehn Jahre sei ich nun dabei, über siebenhundertmal habe Momos das Programm rezensiert und sich zwischen Mittag und Mitternacht oft genug die kuriosesten Sendungen herausgepickt, ganz nach Neigung und Geschmack – mit einer Ausnahme: unter den ohnehin kläglich unterrepräsentierten Unterhaltungs-Sendungen (Kulenkampff – und weiter? Der große Thoelke: eklatant vernachlässigt!) sei ausgerechnet eine, die beliebteste, noch niemals einer Rezension gewürdigt worden, nicht von Momos, nicht in der ZEIT.

Also setzte ich mich hin, abends um halb acht, und sah „Dalli – Dalli“. Phänomenal! Ich kam! aus dem Lachen und Staunen schier nicht heraus. „Mainz wie es singt und lacht“: ein grobschlächtiges Spektakulum, verglichen mit dieser von Charme und Esprit strotzenden Sendung! Jawohl, jetzt weiß ich, was das ist, eine Causerie, weiß endlich, wie man dergleichen Geplauder beginnt. So wie Hans Rosenthal nämlich, der dem jung verheirateten Neureuther (das ist der Skiläufer, der Mann unserer Rosi) die Rechnung aufmachte: „Christian, jetzt sind Sie seit sieben undzwanzigtausend Minuten verheiratet“, worauf der replizierte: „Für mich sind’s erst siebenundzwanzig Sekunden.“ Läßt sich das Glück des Honigmonds origineller umschreiben?

Aber dies war nur der Anfang: Paukenschlag auf Paukenschlag! Als die auftretenden Paare (Musik gegen Muppets, Muskeln gegen Mimik: Richard Wagner wäre auf seine Kosten gekommen an diesem Abend) sich zunächst der Meteorologie zuwandten und ein Musikschaffender das Wort „Sonne“ an die Tafel-heftete, da erhob Neureuther Einspruch: Sonne – ein meteorologischer Begriff? Aber die habe ja noch gar nicht geschienen! Und darauf lachte Rosenthal sich halb tot, und das Publkikum tat es gleich ganz... jedenfalls bis zur nächsten Pointe: Frau Erika Köth habe ganz recht, meinte die Jury, „Nabelschnur“ könne durchaus als Reiseutensil aufgefaßt werden, genausogut wie Koffer und Auto.

Und weiter ging’s in Wort und Ton. Kaum hatten die Causeure, für ein paar Atemzüge zumindest, die Bühne verlassen, da traten auch schon die Sänger hervor und intonierten, dem gesprochenen Text entsprechend, Kongeniales: „Das schönste Land auf dieser Welt ist ganz bestimmt. Tirol. Da brauchst du nämlich gar kein Geld und fühlst dich trotzdem wohl.“ Und da sage einer, es fehle der Schlagerbranche an Textern, da habe einer die Stirn zu behaupten, das Fernsehen erzöge zur Sprachlosigkeit. Wer so redet, hat mit Gewißheit noch nicht „Dalli-Dalli“ gesehen, hat sich nicht jener heilen Welt hingegeben, in der die Bundesrepublik noch Deutschland heißt, wo man grad und schlicht redet, weil man dem Volk, den lieben Millionen Bildzeitungslesern, so richtig aufs Maul geschaut hat.

Und zwar mit Erfolg, wie die „Dalli-Dalli“-Dialoge beweisen: Ein Beckmesser, ein intellektueller Kritikaster, wer nicht Spitze schreit, wenn Rosenthal zu einem Mann, der aus dem Volke kommt, sagt: „Na, wie heißen Sie denn mit Vornamen?“ Antwort: „Gerd.“ Darauf Rosenthal: „Wunderbar. Sie sehen fesch aus.“ Oder auch so. Quizmaster zum österreichischen Fußballspieler: „Wir haben Sie mit dem Lied ‚Du mein Österreich‘ begrüßt.“ Fußballspieler: „So soll es ja sein.“ Quizmaster: „Na, dann sind Sie denn ja zufrieden.“

In der Tat, das ist Spitze.

Momos