DIE ZEIT

Schöner Traum

Die Vereinigten Staaten haben eine Entschließung des Weltsicherheitsrats durchgehen lassen, die alle Schritte Israels zur Annexion von Ostjerusalem für null und nichtig erklärt.

Teufels Zeug

Fritz Teufel, der Clown unter den Extremisten und Angeklagter im Berliner Lorenz-Drenkmann-Prozeß, hat seine Ankläger richtig eingeschätzt.

Tödlicher Proporz

Zwei links, zwei rechts: nach diesem Muster kann man allenfalls einen hübschen Pullover stricken. Journalismus läßt sich nach diesem Muster nicht betreiben.

Großer Bruder

Fast unbemerkt hat der Liberalismus einen kleinen, aber wichtigen Sieg errungen: In der vorigen Woche verabschiedete der Bundestag einstimmig ein Melderechtsrahmengesetz, das dem Perfektionsdrang des ersten Entwurfs – der fast 200 Daten bewilligen wollte – ebenso abgeschworen hat wie der Terrorismus-Hysterie.

Zeitspiegel

Die Amerikaner wollen bei den Olympischen Spielen in doppelter Hinsicht keine Flagge zeigen: erstens nehmen keine US-Athleten an den Wettbewerben teil und zweitens sollen auch die Stars and Stripes nicht in Moskau wehen.

Worte der Woche

"Ich bin sicher, daß Sie wesentlich zur Entschärfung der gefährlichen Situation beitragen würden, wenn Sie erklären könnten, daß der angekündigte Rückzug einiger sowjetischer Truppen aus Afghanistan der Beginn einer kontinuierlichen Bewegung ist, die bis zum vollständigen Abzug fortgesetzt wird.

Amerikanische Außenpolitik: Muskie läßt sich nicht beirren

In den oberen Rängen des Bonner Auswärtigen Amtes wird er schon jetzt gepriesen und geschätzt; das State Department ist ihm dankbar für den reibungslosen Wechsel in der Chefetage; Präsident Carter bescheinigt ihm, stärker und dynamischer als sein Vorgänger zu sein; Sicherheitsberater Brzezinski sieht mit ihm als Partner Washingtons Außenpolitik in voller Fahrt, überzeugend und wirkungsvoll.

Schmidt entzog sich dem Zugriff Moskaus

Das sowjetische Politbüro stellt die Welt Helmut Schmidts noch allemal auf den Kopf: Hier sind die Ideologen die Macher, und die Pragmatiker befinden sich in der Defensive.

Drohung zum Geburtstag

Nach dem Jubiläum kam die Kündigungsdrohung. Kaum hatten Bundespräsident und Kanzler, preisend mit viel schönen Reden, den 30.

Bonner Trauerspiel

Noch unmittelbar vor der geplanten Bundestagsabstimmung über die Wehr- und Zivildienstnovelle an diesem Mittwoch ist unklar gewesen, wie das Votum ausgehen würde.

Neue Linke: "Großer Ratschlag"

Der Anspruch war nicht eben bescheiden: Zum "Großen Ratschlag" wollte sich die außerparlamentarische und parteilose Linke der Bundesrepublik in Frankfurt treffen, damit die "Realisierung von Möglichem im utopischen Anspruch" endlich auf den Weg gebracht wird.

DDR-Urteile: Angst vor Kindern?

Die evangelische Kirche in der DDR versucht im Dialog mit der Partei- und Staatsführung auch auf konkrete staatliche Maßnahmen einzuwirken.

BONNER BÜHNE: Kanzlerfest: Der Politik das Feiern beigebracht

Zu Bonner Festen, wenn sie sich nicht durch würdevolle Repräsentation mit Buchsbaum, Streichorchester und Reden von teutonischem Tiefgang oder staatstragender Langeweile ausweisen, gehört unweigerlich der Chor der Mißbilligen Sie argwöhnen zumindest Verschwendung von Steuergeldern, manchmal beklagen sie auch Schlimmeres: die offenbar selbst in Bonn noch nicht ganz ausgerottete Neigung, sich wenigstens hie und da leger zu geben.

DOKUMENTE ZUR ZEIT: "Eine grobe Einmischung"

Erstmalig seit vielen Jahren findet sich in einem Nato-Dokument wieder eine Aussage zur deutschen Wiedervereinigung. Auf den entsprechenden Abschnitt im Kommuniqué der Ratstagung in Ankara antwortete die DDR-Nachrichtenagentur ADN mit Drohungen für die innerdeutschen Beziehungen.

Somalia: Flüchtlingselend und Hungerkatastrophe ohne Ende

Somalia hungert und wird von Flüchtlingen überlaufen. Wegen der "besonderen Verpflichtung" gegenüber diesem Land seit der Geiselbefreiung in Mogadischu haben Bundesinnenminister haben und der stellvertretende SPD-Vorsitzende Wischnewski Hilfsgüter in Flüchtlingslagern übergeben.

Bolivien: Wer bremst die Offiziere?

Nun muß bis zum 6. August das ebenfalls neu gewählte Parlament entscheiden, welcher der drei vorn liegenden Kandidaten die Übergangs-Präsidentin Lydia Gueiler ablösen soll: Hernan Siles Suazo (Union der Demokratie und Volkseinheit – links), Hugo Banzer Suarez (Demokratische Nationalistische Aktion – rechts) oder Victor Paz Estenssoro (Allianz der Nationalen Revolutionären Bewegung – Mitte).

Iran: Innere Lage wird immer verworrener

Während eines Besuchs von Revolutionsinvaliden in seiner Residenz hat das iranische Staatsoberhaupt festgestellt, daß selbst eineinhalb Jahre nach der Revolution so gut wie nichts für jene "verwundeten Helden" getan werde, ohne deren Einsatz heute niemand "jenen Posten innehat, den er so schlecht ausfüllt".

Grüne ärgern das Parlament: Strampelhose und blauer Anton

Was ziehe ich an? Vor dieser Frage stehen neuerdings die 124 Abgeordneten des Stuttgarter Landtags. War es doch vordem noch so bequem, am Sitzungstag den Hochzeitsanzug samt silberner Krawatte aufzutragen, so haben die sechs "grünen" Volksvertreter die Parlamentariermode gründlich durcheinandergebracht.

Hafenerweiterung: Pastor an der Front

Er spricht plattdeutsch mit seinen Leuten. Und seine Kirche ist immer gut besucht. "Ich habe durchschnittlich neunzig Menschen im Gottesdienst", sagt er, "und das bei nur 1200 Einwohnern.

Lehsten-Prozeß: Eine teure Justizposse in Braun

1977 Plakate der "Deutschen Volksunion DVU" mit Zetteln überklebten, durch die sie aufforderten: "Stoppt die Faschisten!" Die von der Deutschen Städtereklame in einer Stückzahl von rund 1400 an Münchener Litfaßsäulen ausgehängten Plakate warben für eine – durch den Bayerischen Verwaltungsgerichtshof verbotene – Großveranstaltung unter dem Thema "Ewig büßen für Hitler?", dem Programm nach eindeutig eine Ersatzkundgebung für den zuvor verbotenen Nürnberger "Auschwitz-Kongreß".

Kommunalwahlen: Die Zehn-Prozent-Frauen

Im Schatten der romanischen Basilika ducken sich schmale, spitzgieblige Häuser, gerade so, als wollten sie sich der Dominanz des gewaltigen Kirchenbaues unterordnen.

Die Mark an die Kette?

Geht es uns bald so, wie viele Jahre lang den Briten, daß der Staat allen, die ins Ausland reisen wollen, das Urlaubsgeld zuteilt? Bei einem Fehlbetrag in der Zahlungsbilanz von vermutlich über zwanzig Milliarden Mark in diesem Jahr scheint dies ein naheliegender Gedanke zu sein.

Aus dem Tritt geraten

Um seine Aktionäre friedlich zu stimmen, verkündete Friedrich Roesch vom Vorstand der Kaufhof AG zunächst einmal die gute Nachricht: "Um es gleich vorweg zu sagen: Das Jahr 1980 hat für den Kaufhof gut begonnen, wesentlich besser als das vergangene".

Defekt im Getriebe

Auf solche oder ähnliche Unfallberichte müssen sich die Repräsentanten der Ford Motor-Company einstellen, wenn es Mitte Juli zu der Anhörung des US-Verkehrsministeriums kommt.

BONNER KULISSE

Wirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff ist mit den Bayern und besonders mit dem Münchener Wirtschaftsminister Anton Jaumann hart ins Gericht gegangen.

Bremsen für die Lohn-Rolltreppe

Ein "perverser Mechanismus, der Inflation produziert", schimpfte Italiens früherer Finanzminister Bruno Visentini über die automatische Lohnanpassung, die seit Kriegsende im südlichen EG-Staat den Wettlauf zwischen Gehältern und Inflation bestimmt.

Kernenergie: Sparzwang – nein danke!

Kernkraft oder nicht, ihre Risiken wie ihre Chancen – das waren im wesentlichen die Fragen, mit denen sich die fünfzehn Mitglieder der Enquetekommission "Zukünftige Kernenergiepolitik" – sieben Abgeordnete und acht Wissenschaftler – rund ein Jahr lang beschäftigt haben.

Schweiz: Kampf gegen Krebs und Fiskus

Im Herzen der Zürcher Altstadt, gleich neben dem Großmünster, umgeben von Antiquitätengeschäften und noblen Galerien, liegt das Haus Neustadtgasse Nr.

Feste Grundsätze

Lambsdorff: Ich will ihnen klarmachen, daß sie mit ihren gezielten Exportoffensiven in einzelnen Branchen Probleme und protektionistische Abwehrreaktionen hervorrufen können, an denen die Bundesrepublik und die Bundesregierung kein Interesse haben, weil sie dazu führen könnten, das offene Welthandelssystem zu beschädigen.

MANAGER UND MÄRKTE

"Der Hi-Fi-Markt ist ein Modemarkt geworden", klagte jetzt Jack Schmuckli, Deutschland-Chef des japanischen Sony-Konzerns. Der Schweizer Schmuckli (Spitzname: Samurai aus dem Emmental): "Es ist schlimm, die Winterkollektion muß im Gros bereits im Frühjahr verkauft sein, dann reduziert man im Sommer die Preise nochmal um 50 Prozent, um den Rest loszuschlagen.

ZEITRAFFER

Von Akademiker-Schwemme kann keine Rede sein, im Gegenteil, Hochschulabsolventen haben am Arbeitsmarkt immer noch Vorteile gegenüber allen anderen Gruppen.

Wenn die Inflation den Lohn auffrißt

Die Inflation ist derzeit eine weltweit bekannte, aber nicht immer auch bekämpfte Seuche. Bezieher von Löhnen und Gehältern, von Renten und Zinserträgen müssen erfahren, daß das Geld nicht das wert ist, was darauf steht.

In Südafrika wurde erstmals das VW-Werk bestreikt. Ist die deutsche Industrie über die schwelenden Rassenunruhen besorgt? Fürchtet sie um ihre Milliarden-Investitionen?: Zwischen Rasse und Kasse

Für die Wolfsburger schien die Welt auch am Wendekreis des Steinbocks noch immer in Ordnung. "VW of South Africa", so erklärte Karl-Heinz Briam, Arbeitsdirektor des Volkswagenwerks, "handelt nach dem Grundsatz ‚gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit‘ und will jedem, der bereit ist, eine Chance zur besseren Ausbildung geben.

Börsen-Report: Interessierte Ausländer

Der Aktienmarkt profitiert zur Zeit von der Aussicht auf eine spätere Zinssenkung, mehr aber noch von dem wieder lebhaft gewordenen Interesse der Ausländer, vor allem einiger Ölstaaten, die sichtliche Schwierigkeiten haben, die ihnen täglich zufließenden Mittel anzulegen.

Kirche contra Staat

Seit Montag reist Papst Johannes Paul II. durch Brasilien – ein Land, das noch fest in der Hand eines Militärregimes ist. Doch die Opposition der Arbeiter, von denen die meisten in den Elendsvierteln der Großstädte, den favelas, leben müssen, wächst, seit sie von der katholischen Kirche unterstützt wird.

Arbeitslose spielen Chef

Wie gewohnt verläßt der fünfzigjährige arbeitslose. Betriebswirt Karl-Heinz H. jeden Morgen sein Einfamilienhaus am Stadtrand.

Graham Greenes Fluchtwege

Er glaubte nicht, daß er danach noch einen Roman schreiben werde. Dies war wohl der letzte. Er hieß "Ein ausgebrannter Fall" ("A Burnt-Out Case", 1961), und ausgebrannt war eben nicht nur der Leprakranke im dereinst belgischen Kongo, sondern auch sein Autor fühlte sich so, am Ende.

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