Von einer anderen will er wissen, warum ihre Eltern geschieden sind.

Dritter Durchgang im knappen Bikini (was damals noch verpönt war): Bissige Kommentare meiner älteren Tischnachbarinnen, die sich beim Pommery allmählich in scharfe Schiedsrichterinnen verwandeln: „Langbeinig, aber den Rest kannste vergessen.“ – „Die ist nichts, die hat ja Zellulitis und geht wie ein Orang-Utan.“

Kurz nach Mitternacht steht fest: Siegerin ist die 18jährige Gabriella Brum, die aus Los Angeles zur Miss-Wahl nach Berlin geflogen kam. Sogleich ist von „Schiebung“ die Rede: Die Frau des Freundes vom Freund X – er ist ein 50jähriger Filmmanager – saß in der Jury! Meine Nachbarin schimpft: „Die lebt ja gar nicht mehr in Deutschland!“ Das Publikum ist verärgert. Für 60 Mark Eintritt wurde ihm nur eine Pelzmodenschau und eine kleine Tanznummer geboten. Die Band war mäßig. Gabriella Brum indes strebt in Hollywood nach Höherem: „Ich will zum Film.“ Die richtigen Freunde, für die sie eigens ihre Schulausbildung abbrach, habe sie schon.

Die Hontschik-Schwestern aber haben Tränen in den Augen: „Laßt doch, ick will weinen“, ruft Petra ihren Tröstern zu, Andrea steht starr: „Daß das Jahr so schnell vorbeigehen würde, hätte ick nie gedacht.“ Reindl beschwichtigt: „Laß mal, ich hoffe, du wirst noch viel Geld verdienen – für uns.“

Für dieses Spektakel, das, gemessen an 1969 eher einer miesen, ausschließlich kommerziellen Show glich, hatte ich mir ein sündhaft teures Abendkleid gekauft, um bei einer „Miss-Wahl“ wieder einmal „schön“ zu sein. Ich habe es nicht getragen. Beim Anblick der aufgedonnerten Mädchenparade verging mir die Lust, mich aufzuputzen. Der Spaß von einst war weg.

Das Kleid kam dann doch noch zu Ehren: Ich lieh es der jüngsten Teilnehmerin, der 17jährigen Hamburgerin Nicoletta Amato.