Bonn

Peter Menke-Glückert ist ein ungewöhnlicher Beamter. In der Bonner Politikwelt, mit ihren Klischees und Ritualen, hat er etwas von einer Antifigur. Kombinationen wie bei ihm sind selten, nämlich die Rollen als Beamter und Politiker, die sich miteinander vermischen. Er ist der Umweltexperte Nummer eins seiner Partei, der FDP. Fünfmal hat er sich um ein Direktmandat für die Liberalen beworben, immer vergebens. Auch diesmal, beim Verteilen der Listenplätze für den Bundestag in Nordrhein-Westfalen, ging er leer aus.

Zur etablierten Politikwelt gehört Menke-Glückert, 1929 in Karlsruhe geboren, als Ministerialdirektor, Leiter der Abteilung Umweltangelegenheiten im Bundesinnenministerium und als Vorsitzender des Bundesfachausschusses für Umwelt seiner Partei. Die Umweltpolitik der letzten zehn Jahre ist nicht zuletzt sein Kind. Einerseits ist er Beamter, andererseits hat er zugleich immer auch „einen vollen FDP-Abgeordneten zu simulieren“. Er springt dort ein, wo es seiner Partei an kompetenten Fachleuten fehlt.

Menke-Glückert versteht viel von vielem. Er ist Kenner der Dritte-Welt-Probleme, Bürokratiekritiker, Friedensforscher. Studiert hat er Geschichte, Psychologie, Jura, Volkswirtschaft. Man kann fragen, was nicht und wo nicht? Seine Studienorte: Leipzig, Berlin, Göttingen, Berkley.

Wenn er in den Fachgremien als Friedensforscher auftritt, spricht er dann für die FDP? Als Ministerialbeamter? Oder als Autor, der über Friedensforschung ein Buch geschrieben hat? Ständig befindet er sich in Rollenkonflikten.

Den Zorn des Wirtschaftsministers Lambsdorff, den er oft auf sich zieht, hat Menke-Glückert kürzlich einmal im besonderen Maße erregt, als er die Regierungslinie in Frage stellte, nämlich einem Weiterbau der Reaktoren zuzustimmen, obwohl die Probleme der Endlagerung wissenschaftlich noch nicht hinreichend geklärt sind. Lambsdorff entrüstete sich, er bringe den Fall des Peter Menke-Glückert „vor das Kabinett“. Untersteht sich doch da ein Beamter, einem Minister Widerstand zu leisten! Nur, das ist bei Menke-Glückert Symptom. Was den Widerspruchsgeist betrifft, handelt es sich bei ihm um einen Rückfalltäter.

Zur Ökologie, für die sein Name heute steht, ist er auf einem großen Umweg gekommen. Mit Begeisterung widmete er sich zunächst den Segnungen moderner Technologie. Das war seine Art, über eine alternative Zukunft nachzudenken. Zukunft ist eigentlich immer sein Thema gewesen. Er ist nicht nur Vorsitzender, er vereinigt in sich eine ganze Gesellschaft für Zukunftsfragen. Gefesselt hatten ihn anfangs die großen wissenschaftlichen Visionen.