Die Regelverstöße gegen die genormte Politik haben gelegentlich seine Staatssekretäre in Harnisch und ihn in Teufels Küche gebracht. Mit seinem Credo eckt er natürlich in der verwalteten Welt Bonns an: Es läuft nämlich darauf hinaus, in Beamtenapparaten „Gegen- und Alternativplanung zu institutionalisieren“. Das wäre eine unbürokratische Bürokratie.

Mit Alternativ-Entwürfen konfrontiert er selbstredend auch seine Partei. Einerseits bemüht er sich in der FDP um ein Mandat; oder er kandidiert in Heidelberg für den Posten des Oberbürgermeisters in einem wahren Sturmlauf gegen eine bornierte Stadtplanung, wobei er immerhin stolze 17,9 Prozent der Stimmen (1976) erobert. Andererseits hält er auch lapidar „Zukünfte ohne die jetzt eingeführten politischen Parteien“ für denkbar, also auch ohne die Liberalen.

Der Wunsch, die Alternative immer gleich mitzudenken, wenn nicht mitzuleben, hat sogar ein klein wenig in die Entstehungsgeschichte der Grünen Partei hineingespielt. Es war Menke-Glückert, der „Grüne“, der sich im Innenministerium jahrelang und nicht ohne Erfolg für sein Prinzip geschlagen hat, die Bürgerinitiativen zu fördern, zu informieren, zu stärken. Daß am Ende die Konsequenz stehen würde, eine grüne Partei zu gründen, hat er nicht erwartet, und das hat ihn fast fassungslos gemacht. Da fühlt er sich von denen düpiert, denen er helfen will.

Einen herben Schlag hat ihm die FDP versetzt, als sie ihm eine sichere Anwartschaft auf der Liste für den nächsten Bundestag versagte. Wollten die Liberalen Umweltpolitik nicht ganz großschreiben? Menke-Glückert empfindet die Tatsache, daß er sich fast im Alleingang um diese Kandidatur bemühen mußte, aber keinen Zuschlag erhielt, fast als „Berufsverbot“. Ihn erinnert das an seine Zeit in der DDR. Und er wäre nicht Menke-Glückert, wenn er das nicht auch laut gesagt hätte.

Ein bißchen ist Menke-Glückert gelegentlich auch das Opfer der Tatsache geworden, daß die Liberalen „für intellektuelle Modeströmungen besonders anfällig“ sind, wie er sagt. So haben sie sich der Bürokratiekritik angenommen, für eine „Beamten“-Partei ohnehin waghalsig. Er aber hat das Pech, Teil der Bürokratie zu sein, über die geklagt wird. Das ist ein Negativ-Symbol. Und ein „Grüner“ ist er obendrein, manche nennen ihn spöttisch den „Eppler der FDP“. Da wird dann plötzlich auch seine Leidenschaft, die Ökologie, gegen ihn verwertet.

Trotz allem: Er ist in Bonn auch zu Einfluß gekommen. Peter Menke-Glückert würde nicht so atem- und rastlos weitermachen wie bisher, wäre er nicht davon überzeugt, daß es um viel geht und daß er die besseren Argumente auf seiner Seite hat. „Ich bin ja der Verrückte selbst“, seufzt er dann und versöhnt sich spornstreichs mit der ganzen Welt wieder, mit der er sich gerade noch zu überwerfen schien.

Gunter Hofmann