DIE ZEIT

Koreas Gandhi

Kim Dae Jung, der südkoreanische Oppositionsführer, wird vor ein Kriegsgericht gestellt. Dem Angeklagten droht wegen angeblichen Versuchs, die Regierung durch gewalttätige Massendemonstrationen zu stürzen, die Todesstrafe.

Schleusen dicht für Asylsuchende?

Zum erstenmal seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges sind in den letzten Tagen wieder Menschen in Eisenbahnzügen ohne Ziel durch Deutschland gefahren.

Warnzeichen für Bonn

Die Schwüre sind geleistet, die Koalitionen versprochen: SPD und FDP werden weiter zusammen regieren – wenn es der Wähler erlaubt.

Denkzwang

Erhard Eppler, Landesvorsitzender der badenwürttembergischen SPD, wird 1981 nicht mehr für dieses Amt kandidieren. Nach der Wahlniederlage vom 16.

Traum von Europa

Staatsbesuche kommen nicht ohne ein spektakuläres Beiwerk aus. An diese Regel hat sich auch Frankreichs Staatspräsident Valéry Giscard d’Estaing in dieser Woche gehalten.

Zeitspiegel

Die Bundesbürger sind realistisch. In einer demoskopischen Erhebung vor Helmut Schmidts Moskau-Reise hatten 56 Prozent der Befragten ihre Erwartung ausgedrückt, daß die Visite die Abrüstungschancen wieder vermehren könne.

Eine Chance für den Westen

Der Bundeskanzler hat die Weltlage seit Beginn dieses Jahres düster eingeschätzt. Ihm stand die Gefahr unkontrollierter Entwicklungen vor Augen; daher seine wiederholten Anspielungen auf das Jahr 1914.

Wolfgang Ebert: Bye, bye, Bayern

Nach dem 5. Oktober wird es ernst! Dann gilt es nämlich, Abschied zu nehmen von einem schönen Land und von 110 Jahren wechselhafter, gleichwohl gemeinsamer Geschichte.

Warnung vor Demoskopen

Der Kanzler und der Kanzlerkandidat sind gegenwärtig in einem Punkt einig: in ihrer Warnung vor der Demoskopie – wenn auch aus verschiedenen Gründen.

Südostasien: Bangkok sucht Hilfe gegen Hanoi

Bundeskanzler Schmidt und Außenminister Genscher haben bei ihrem Besuch in Moskau nicht nur eine Anfrage von Präsident Carter überbracht, sondern waren auch als Vermittler für die südostasiatische Staatengemeinschaft Asean tätig.

Gipfeltreffen in Tokio: Gleiche Welle

Zwei amerikanische Präsidenten mußten sich nach Peking bemühen, um dem großen Mao ihre Reverenz zu erweisen. Jimmy Carter brauchte nur bis Tokio zu fliegen, um sich mit dem chinesischen Partei- und Regierungschef Hua Guofeng zu treffen, der sich spontan zu den Beisetzungsfeierlichkeiten für den japanischen Premierminister Ohira angesagt hatte.

Neue Willkür

Wie recht er doch behalten hat, der im vergangenen November geschaßte iranische Premierminister Bazargan. Noch vor seinem Sturz hatte er resigniert festgestellt, es sei unmöglich, den Iran zu regieren, weil Chomeini es nicht zulasse, daß dort überhaupt jemand regiere.

Frankreich: Neue Waffen, neue Strategie

Wenn Frankreichs Staatspräsident Valéry Giscard d’Estaing. die, Presse ins Elysee lädt, geht es ihm nur am Rande darum, auf die Fragen, der Journalisten zu antworten.

NAMEN UND NACHRICHTEN: Aus dem Hut

Weil sich die einzelnen Riegen in der Partei, drei Wochen nach einer erfolgreichen Wahl, noch immer nicht einig waren, beauftragten sie den Parteivize Nishimura, den Nachfolger des verstorbenen Ohira zu benennen.

Brasilien: Papst fordert Reformen

Es war wohl keine Vergeßlichkeit der sonst so beflissenen Behörden, daß ausgerechnet für die Rede, die der Papst vor den "Alegados", den 130 000 Bewohnern von Pfahlhütten über dem Wasser der Bucht von Salvador Bahia halten wollte, plötzlich kein Mikrophon bereit stand.

USA: Kampf um Bürgerrechte

Drei Präsidentschaftsbewerber machten dem Jahreskonvent der 1909 gegründeten schwarzen Bürgerrechtsorganisation Vereinigung zur Förderung Farbiger (NAACP) in Miami ihre Aufwartung: die Demokraten Carter und Kennedy und der unabhängige John Anderson.

Sierra Leone: Streit beim Gipfel

Bei beiden Punkten handelt es sich um international hochbrisante Punkte. Über die Westsahara wäre es dabei fast zum Auseinanderfalten der ohnehin brüchigen Organisation für Afrikanische Einheit (OAU) gekommen.

Björn Borg – die Tennisfabrik

Wenn er so dahergeschlurft kommt in seinen verschlissenen Jeans, die Hände tief in den Taschen, die Haare strähnig über dem Kragen, sieht er aus wie ein Fall für die Bahnhofsmission.

Asyl-Sperre: Notbremse gezogen

Seit der Frankfurter Oberbürgermeister Walter Wallmann in der vergangenen Woche anordnete, keine Asylbewerber mehr in der Stadt aufzunehmen, kann er sich vor Anrufen dankbarer Bürger kaum noch retten.

Bedrohtes Wattenmeer: Mit Bagger und Ramme

Als Wassersportler vor zwei Jahren im NordseebadSt. Peter Ording, auf der Halbinsel Eiderstedt, einen Sportbootclub gründeten, hatten sie zwar das weite Meer vor sich, aber keinen Hafen.

Regelstudienzeit: Wer zuviel studiert...

Die bayerischen Studenten sind auf der Suche nach "Gründen". Der Landtag erließ eine Verordnung, die all jene in Bayern, die den "Abschluß ihres Studiums unangemessen hinauszögern", auf Trab bringen soll: Vom kommenden Wintersemester an müssen sie für ihre ,Bummelei" pro Semester 600 Mark zahlen.

Paragraph 218: Ungeliebte Pro Familia

Seit sechs Jahren berät die Koblenzer Pro-Familia-Stelle Erwachsene und Jugendliche über Empfängnisregelung, Schwangerschaftsabbruch und Familienplanung.

Minderheiten: Vor die Tür gesetzt

Das Jahr 1980 ist – schon zur Halbzeit – das Jahr eines traurigen Rekords: Noch nie zuvor waren behinderte Menschen in diesem Lande so vielen Diskriminierungen ausgesetzt.

Aus Sorge um Israel

Im Jahre 1913 — ich war damals achtzehn Jahre alt — fuhr ich zusammen mit einer Gruppe deutscher zionistischer Studenten nach Palästina.

"Imperatives Mandat"

Diese Darstellung ist kompliziert – und doch nur ein grobes Raster. Vieles kennen nur die Advokaten. Etwa: Den Vize-Präsidenten wählt (wenn das Electoral College zu keiner absoluten Mehrheit kommt) der Senat: Was nun, wenn das Repräsentantenhaus (mangels Mehrheit) keinen Präsidenten zustandebringt, wohl aber der Senat einen Vize-Präsidenten? Dann wird der Vize-Präsident zugleich "Acting President".

Mit eingebauter Vorfahrt

Einige deutsche Gewerkschaftsführer haben eine fatale Neigung entwickelt, den starken August zu spielen und sich dabei vor allem für Fragen zu engagieren, an denen die große Mehrzahl der Arbeitnehmer und selbst Gewerkschaftsmitglieder nur ein mäßiges Interesse haben.

Die Schirmherren von Brüssel

Die Hiobsbotschaft kam per Telex aus Tokio. In den ersten fünf Monaten dieses Jahres, so tickerte es aus dem Fernschreiber, schnellte der Überschuß Japans im Warenverkehr mit der Europäischen Gemeinschaft auf 2,9 Milliarden Dollar empor.

Bonner Kulisse

Wahlwerbung mit einer Nummer ließe sich über den Gesetzentwurf zur Sicherung der Montanmitbestimmung schreiben, den die SPD noch kurz vor Toresschluß in den Bundestag eingebracht hat, um die Umorganisation des Mannesmann-Konzerns (Wegfall der Montanmitbestimmung) zu verhindern.

Vereinigte Staaten: Boykott à la Carter

Robert Delano war mit dem Ergebnis seines Besuches im Weißen Haus zufrieden. In dem über einstündigen Gespräch mit dem US-Präsidenten hatte der Chef des "American Farm Bureau" Jimmy Carter die Augen dafür geöffnet, wie hart sein Getreideboykott gegen die Sowjets die amerikanischen Farmer treffe.

Zeitliches aus Europa: Brüsseler Spitzen

Bei der Lektüre seiner Wochenzeitung People überkam den britischen Europa-Parlamentarier John Welsh der Zorn. Zehntausend Stück Geflügel, so stand da, seien beim Transport auf zwei niederländischen Lastwagen nach Italien bei der Ankunft in Udine tot in ihren engen Käfigen aufgefunden worden.

Fiat: Angst vor der Roßkur

Wir werden von einem seltsamen Schicksal verfolgt", klagte Fiat-Vorstandschef Umberto Agnelli: "Man glaubt uns nicht." Wenn Fiat versichert, daß es dem Konzern schlechtgeht, halten Gewerkschaften und Regierung das für Schwarzmalerei.

Kursbarometer: Konjunktur kontra Zins

Seit Ende März 1980 sinken in der Bundesrepublik die Zinsen und steigen die Aktienkurse. Erstaunlich – sollte man meinen. Denn die Bundesbank tat bisher viel, um das Geld knapp und teuer zu halten.

Einzelhandel: Flaggschiffe in der Flaute

Seit fünf Jahren kämpfen die Warenhauskonzerne mit neuen Konzepten gegen schwindende Erträge

MANAGER UND MÄRKTE

Bei der Robert Bosch GmbH gilt ein ehernes Gesetz: Der Autozulief der, bei der Information der Öffentlichkeit über das Geschäftsergebnis auf.

Beruhigung an der Preisfront?

Auch 1980 sind die Importpreisekräftig gestiegen, und zwar – wie schon im Vorjahr – hauptsächlich bei Rohstoffen, insbesondere bei Mineralöl und Mineralölprodukten.

ZEITRAFFER

Tendenzwende auf dem Arbeitsmarkt? Im Juni hat die Arbeitslosigkeit in der Bundesrepublik wieder zugenommen. Die Zahl der Arbeitslosen erhöhte sich um 14 600 auf 3,4 Prozent gegenüber 3,3 Prozent im Mai.

Zuviel Staatshilfe

• Herr Köhler, der Stahlindustrie drohen offenbar wieder schlechte Zeiten. Die Aufträge gehen zurück, und es wagt auch niemand mehr daran zu glauben, daß die für notwendig gehaltene Preiserhöhung durchzusetzen sei.

Die Ohnmacht und die Literaturkritik: Solidarität – eine Utopie?

Das Ärgernis ist zur Institution geworden: Seit 1977 existiert der Wettbewerb um den Ingeborg-Bachmann-Preis der Stadt Klagenfurt, alljährlich angefeindet, immer wieder (und vergebens) boykottiert von der Grazer Autorenversammlung, begleitet von Angst, Schweiß und Tränen der teilnehmenden Schriftsteller.

Der Aufstand gegen die Theaterkritik: Natürliche Feinde, verbündet

In Stuttgart ohrfeigt der Schauspieler Jürg Löw den Journalisten Christoph Müller. Im Herrenmagazin lui nennt der Regisseur Ernst Wendt die Theaterkritiker "Legastheniker" oder auch (lustig) die "Schwarzen Sheriffs des kulturellen Lebens"; sie erinnern ihn (schon weniger lustig) an "KZ-Kommandanten, die abends Geige spielen".

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