Noch sind nicht einmal alle Kandidaten für die bevorstehende Bundestagswahl aufgestellt, geschweige denn gewählt, da wird in Bonn schon um Posten gerangelt, die erst nach dem 5. Oktober zu vergeben sind. Die Rede ist von dem für die Wirtschaftspolitik zuständigen Obmann der SPD-Fraktion im Wirtschaftsausschuß. Der bisherige Obmann, Helmut Lenders, kandidiert nicht mehr, und um seinen Job geht es nun. Zwei ernsthafte Bewerber werden genannt. Der eine ist Uwe Jens, bisher schon Stellvertreter im SPD-Arbeitskreis Wirtschaft, der andere ist Wolfgang Roth, ehemaliger Jungsozialisten-Vorsitzender.

Jens empfiehlt sich gerade in diesen Tagen mit einem Buch „Alternativen zur Macht“, in dem er „Wege zu einer neuen Wirtschaftsordnung“ aufzeigt. Wolfgang Roth hat aber vermutlich die bessere Empfehlung in der Tasche. Der SPD-Parteivorstand mochte gern Roth, der in Berlin aus dem Parteivorstand abgewählt wurde, auf einen einflußreichen Posten in der Bundestagsfraktion boxen.

Würde dennoch Jens Obmann, könnte Roth Vorsitzender des Arbeitskreises Wirtschaft werden, sofern der amtierende Vorsitzende Hans-Jürgen Junghans das Handtuch wirft. Das freilich ist kaum zu erwarten, weil Junghans Rückhalt bei Kanalarbeitern der Fraktion hat, die Wolfgang Roth sicher nicht überzeugen kann.

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Forschungsminister Volker Hauff will offenbar ernst machen und die direkte, projektbezogene Forschungsförderung dort reduzieren, wo er es für möglich hält. Hauff teilte dem Vorsitzenden der Vereinigung Deutscher Elektrizitätswerke, Hartmut Boeck, jetzt mit, die gegenwärtige Finanzsituation zwinge zu Einsparungen, und deshalb sei es erforderlich, „die Förderung des F + E-Bereichs der elektrisches Energieerzeugung und -übertragung einzustellen“. Betroffen sind davon die Unternehmen AEG, BBC, Felten und Gulleaume, Kabelmetall, Messwindler-Bau und Siemens. Der von Hauff genannte Energieberekh wurde seit 1974 mit jährlich rund zehn Millionen Mark gefördert.

Der Minister regte in einem Brief an Boeck an, die Energieversorgungsunternehmen sollten künftig enger mit der Industrie zusammenarbeiten und nach amerikanischem Vorbild „geeignete Instrumente einer selbsttragend gestalteten Kooperation der zwei Wirtschaftskreise für Forschungs- und Entwicklungs-Arbeiten finden“, um somit „negative Auswirkungen auf die technologische Entwicklung in diesem wichtigen Sektor abzuwenden“. Ein Sprecher der VDEW in Frankfurt nannte die Einstellung der Hauff’schen Förderung „nicht einschneidend“, was ein Beweis dafür sein könnte, daß die staatliche Industrie-Förderung dieses Sektors überflüssig war.