Von Klaus Viedebantt[[[h6]]Öl wohin man schaut. Alle Nachbarn des Emirats am Persischen Golf sind mit dem teuren Rohstoff gesegnet, nur der Scheich von Scharjah sitzt auf dem trockenen; die paar öltropfen, die sein Land hergibt, zählen nicht in dieser orientalischen Bonanza. Unter den sieben Vereinigten Emiraten am Persischen Golf ist er der ölhabenichts. Auf der Suche nach anderen Quellen standesgemäßen Wohlstands stieß der Scheich nicht grundlos auf den Tourismus: Weltwirtschaftsexperten setzen diese Wachstumsbranche auf den zweiten Rang ihrer Expansionsskala, unmittelbar hinter das Ölgeschäft.

Der Scheich fackelte nicht lange. Inmitten der heißen Öde entstand im Jahre 1974 „Sharjah Airport“, ein luxuriöser Terminal, geplant von Frankfurter Experten. Hotels im internationalen Einheitslook wuchsen aus der Wüste, weitere entstanden auf dem Reißbrett. Der kleine Staat druckte Prospekte (auch in deutscher Sprache) und harrte der Touristen, die da kommen sollten. Sie kamen aber nicht; der Scheich hatte auf Sand gebaut. Denn die massiven Ölpreiserhöhungen – von den Nachbarn bewerkstelligt – ließen das Luxusgewerbe Flugtourismus in ein tiefes Luftloch sacken. Und so blieb Scharjahs Piste Provinz. Die Charterflieger der deutschen Condor gehen zwar im Winter dort nieder – aber nur um aufzutanken. Andere Hotelprojekte verschwanden in der Schublade, und Scharjahs Strand bleibt vorläufig leer.

Der Urlaubsmichel ist hart im Nehmen

Über diesen Flop am Golf würde heute niemand mehr reden, drohte nicht manchen weniger abgelegenen Stränden ein ähnliches Schicksal. Spaniens beliebte Ferienküsten zum Beispiel sind in diesem Sommer alles andere als überlaufen. Die iberische Tourismusindustrie erlebte im vermeintlich krisensicheren Geschäft mit Sand und Sonne einen bösen Einbruch. Das Ende dieser Saison dürfte für manche Hoteliers auch das Ende ihres Betriebes markieren.

Die Ferienflüge nach Spanien sind für alle größeren Reiseveranstalter die Grundlage des Geschäfts. Deshalb bedeutet die Urlauberabkehr von der iberischen Halbinsel (nach den drastischen Preiserhöhungen und Streiks) ein böses Minus in der Bilanz der Touristikfirmen. Die meist nur mit knappem Kapital ausgestatteten Tourismusunternehmen sehen einer unerfreulichen Saison entgegen, auch wenn die auf Optimismus und Lebensfreude programmierte Branche dies nur zaghaft eingesteht.

An stetigen Kundenzustrom und durchschnittlich zweistellige Zuwachsraten gewöhnt, steht die deutsche Ferienindustrie dem Fiasko dieses Sommers in Wirklichkeit fassungslos gegenüber: Dort, wo sonst die Buchungscomputer spätestens im Februar serienweise „belegt“ signalisierten, bietet sich selbst in dieser Woche, da überall im Lande die Schulen geschlossen sind und sich allein Bayerns Bürger noch für den Beginn der großen Ferien rüsten, ein üppiges Angebot an Ferienbetten und Flugzeugsitzen. Im letzten Jahr rechneten die Reiseorganisatoren um diese Zeit zufrieden die Profite hoch und strichen die Zinsgewinne satter Kundenvorauszahlungen vom Jahresbeginn ein; heute aber registrieren sie Umsatzverluste von mindestens fünf bis zehn Prozent.

Zaghafte Hoffnungen richten sich auf den deutschen Sommerregen, der manchen doch noch nach Süden treibt, und auf die Versuche, jetzt noch schnell die festgekauften Hotelkontingente und Flugzeugkapazitäten mit phantasievoll umschriebenen Discountpreisen an den Mann zu bringen. So kommt es zu Preisniveauunterschieden zwischen 841 und 691 Mark für ein und dieselbe Flugreise nach Ibiza bei „Neckermann + Reisen“ in Hamburg. Ähnliche Beispiele gibt es im ganzen Land. Die Gewinnerwartungen der Reiseunternehmen, die noch vor wenigen Wochen (durchaus berechtigte) Ölpreiszuschläge forderten, sind längst der Hoffnung gewichen, die Verluste zumindest erträglich zu halten. So billig wie in diesen Wochen wird man lange nicht mehr nach Spanien kommen.