Von Wolf gang Hoffmann

Zum Abschluß seines Staatsbesuchs beschwor Frankreichs Präsident Valéry Giscard d’Estaing noch einmal, die deutsch-französische Freundschaft. Ausdrücklich unterstrich er den Erfolg der industriellen Kooperation beider Länder- und betonte namentlich „auch die Vorbereitung eines deutsch-französischen Kampfpanzers“.

Das kam einem Menetekel gleich. Giscard hatte Grund zu der Annahme, daß die Deutschen längst das erst im Februar dieses Jahres besiegelte Verlöbnis zwischen Bonn und Paris bereuen, den Kampfpanzer der Zukunft gemeinsam zu entwickeln und zu bauen.

Noch vor Antritt seiner Deutschlandreise war dem Präsidenten hinterbracht worden, was der Verteidigungsausschuß in Bonn gerade erst entschieden hatte: Verteidigungsminister Hans Apel solle vorläufig keine neuen Verpflichtungen eingehen, die über die bisherige Verabredung hinausgeht. Der Grund: Der Verteidigungsausschuß des im Herbst neu zu wählenden Bundestags wolle bei dem Panzervertrag ganz entschieden mitreden.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Carl Damm über die Entscheidung des Ausschusses: „Damit haben wir den deutsch-französischen Kampfpanzer auf einen interfraktionellen Prellbock geschoben.“

Unisono waren sich die Ausschußmitglieder einig, daß vor einer endgültigen Festlegung auf einen Gemeinschaftspanzer alle Ehehindernisse genau unter die Lupe genommen werden müßten. Damm betont, es wäre sinnvoller gewesen, wenn dies schon vor der überraschenden Vereinbarung vom Februar geklärt worden wäre, weil „dann beide Seiten gewußt hätten, worüber man redet und was man unterschreibt“.

Der technologische Vorsprung