Bemerkungen zu einer kontroversen Diskussion über Sozialismus und Kapitalismus

Von Rudolf Herlt

Franz Josef Strauß, der bayerische Ministerpräsident und Kanzlerkandidat, wollte eigentlich persönlich kommen. Doch dann entschied er sich für eine andere Veranstaltung und sandte nur ein Grußwort. Schade, denn so wurde das Streitgespräch über „Sozialismus – eine Illusion“, zu der der „Verlag moderne industrie“ eingeladen hatte, im wesentlichen von der „Reflexionselite“ im Sinne Schelskys ausgetragen.

Professor Friedrich August von Hayek, der 81jährige Nobelpreisträger und Altmeister liberaler Wirtschaftspolitik, geistiger Mittelpunkt des Münchner Gesprächs, hatte in einem eindrucksvollen Resümee die Bilanz aus sechzigjähriger wissenschaftlicher Arbeit gezogen: Nur die Marktwirtschaft ohne jedes schmückende Beiwerk sei. in der Lage, die heutige Weltbevölkerung am Leben zu erhalten. Diese Marktwirtschaft, wie er sie versteht, war in Deutschland nur zur Zeit der Reichsgründung verwirklicht. Die Schutzzölle haben ihr den Todesstoß versetzt.

Dafür mußte er sich von seinem Gegenspieler, dem Berliner Professor Elmar Altvater, als „Marktwirtschaftsapostel“ bezeichnen lassen, der dafür vom Moderator allerdings die „gelbe Karte“ bekam: „Das können, Sie im Fachbereich 15 machen, aber nicht hier.“

Die Marktwirtschaft war laut Hayek von Anfang an ein gefährdetes System, weil es auf der Unterdrückung natürlicher Instinkte beruhte. Es kann nur funktionieren, wenn die natürlichen Instinkte Altruismus, Solidarität und Wohltätigkeit ausgeschaltet und durch abstrakte Regeln ersetzt werden, nämlich durch das Eigentumsrecht, das Vertragsrecht, den Wettbewerb. Hayek macht keine Konzessionen. Die vier Milliarden Menschen von heute, sagte er, verdanken ihr Leben dieser neuen Moral. Wenn wir uns gestatten sollten, an Stelle dieser erlernten Moral den Gefühlen (an die der Sozialismus appelliert) zu folgen, dann würde die Zahl der Menschen auf einen Bruchteil reduziert werden. Denn die immerfort notwendigen Anpassungen an neue Situationen könnte kein Mensch, keine Behörde, kein Planungsamt anordnen.

Dazu sei nur der Markt in der Lage, der sich dafür der Preissignale bedient, mit denen Produzenten und Konsumenten gesagt wird, was sie tun sollen. Wenn es also unsere Aufgabe sei, so viele. Menschen wie möglich am Leben zu erhalten, dann ist der Markt das richtige Instrument. Die Menschen folgen eigennützigen. Zielen, mit dem Ergebnis, daß viel mehr Menschen am Leben bleiben, als möglich wäre, wenn sie sich, von emotionellen Zielen leiten ließen. So jedenfalls sieht es von Hayek.