Die Stollwerck-Affäre: Ein Hauch von Korruption

Köln

Leidenschaftlich, stur, stiernackig und sentimental in einem; umfänglich und quadratisch in der Statur, dabei wieselflink, immer auf Hochtouren – das ist Günter Herterich, der Kölner Sozialdemokraten Partei- und Fraktionsvorsitzender. Von Geburt schwäbisches Schlitzohr.

Daß im Zentrum der sozial-liberal regierten Domstadt seit geraumer Zeit das Oberste zuunterst gekehrt wird, Baustelle sich an Baustelle reiht, Autofahrer nur noch fluchend durch das Chaos kurven, Touristenströme im Dom-Jubiläumsjahr zwischen Bauzäunen und -gruben aufstauen, ist Hetterichs Verdienst. Das Bauen, so scheint es, ist seine Leidenschaft. Was beim Buddeln an Römischem zutage kommt, können die Bodendenkmalpfleger nie schnell genug zusammenraffen. Im Stadtparlament kursiert das geflügelte Wort: „Was römisch ist, bestimmen wir.“

„Mein schönstes Loch“ (Herterich) ist das Dom-Rhein-Projekt. „Eine gigantische Sache wie der Dombau selbst“, schwärmt der SPD-Chef etwas größenwahnsinnig. Immerhin, es werden für 120 Millionen Mark Verkehrstunnel gegraben, es entstehen ein Konzertsaal und obendrauf zwei Museen, davon eines für die zeitgenössische Kunst, „für Beuys und was es da sonst noch so an Kram gibt“. Das Ganze nach Maulwurfsart unterirdisch und unterm Rhein, „weil wir den Dom ja nicht zubauen dürfen“. Obendrauf Grünanlagen und die Rheingärten.

In drei Jahren soll alles fertig sein. Dann wird Günter Herterich längst nicht mehr im Kölner Rathaus sitzen. Er hat seit langem die Bundeskarriere im Visier. Am 5. Oktober wird er für den Bundestag kandidieren. „Mein Wahlkreis ist bombensicher.“ Dann wird er Köln den Kölnern überlassen? „Nein, nicht ganz. Ich bleibe ja hier Parteivorsitzender.“

Sein Optimismus ist ungebrochen, obgleich ihm erst kürzlich seine Kölner Sozis zum erstenmal die Stirn geboten hatten. Die Parteitagsmehrheit versagte ihm die Gefolgschaft. Darüber kam es zum offenen Krach zwischen Herterich. und dem SPD-Oberstadtdirektor Kurt Rossa. Als endlich die Kölner Sozialdemokraten untereinander bestens zerstritten waren, bat der linke Flügel per Post Willy Brandt, Helmut Schmidt und Hans-Jürgen Wischnewski, „vermittelnd in einen Konflikt einzugreifen, der nach unserer Auffassung insbesondere im Vorfeld der Bundestagswahl, aber auch darüber hinaus der SPD schweren Schäden“ zufügen könne. Denn durch Herterich, die Kölner SPD-Fraktion und Verwaltung werde „sozialdemokratische Politik unglaubwürdig, wenn nicht sogar lächerlich gemacht“. Die Bonner Spitze war alarmiert. In Gefahr schien die SPD-Hochburg mitten in der katholisch-nordrhein-westfälischen Tiefebene zu sein.