Von Ulrich Völklein

Regensburg, im Juli

Seit dem 17. Juli darf die Regensburger Schülerin Christine Schanderl das Albertus-Magnus-Gymnasium nicht mehr betreten. Der neunköpfige Disziplinarausschuß der Schule hat einstimmig die Relegation der Achtzehnjährigen verfügt, weil sie sich „seit einem Vierteljahr weigert, der Aufforderung nachzukommen, im Schulbereich die Plakette ,Stoppt Strauß‘ nicht sichtbar zu tragen“.

Bei dieser in der Bundesrepublik bislang beispiellosen Maßregelung einer Schülerin stützten sich die Regensburger Pädagogen auf den Paragraphen vier der bayerischen Allgemeinen Schulordnung: „Politische Werbung durch Wort, Schrift, Bild oder Emblem, Tragen von Parteiabzeichen sowie parteipolitische Tätigkeit sind nur außerhalb des Unterrichts und außerhalb des Schulbereichs zulässig.“

Weil es die Schule nach Auffassung von Oberstudiendirektor Duschl „aus pädagogischen Gründen“ und zur „Aufrechterhaltung der Ordnung“ nicht hinnehmen konnte, daß „eine Schülerin zu einem von ihr gewählten Zeitpunkt, für eine von ihr bestimmte Dauer, von ihr ausgewählte Bestimmungen der Schulordnung eigenmächtig außer Kraft setzt“, erschien ihm die Entlassung „auch unter dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit notwendig und angemessen“. Ein Gewährenlassen, so der Kernsatz des amtlichen Rauswurfs, käme „dem Verzicht auf den Auftrag der Schule gleich“.

Diesen. Auftrag brachte Christine Schanderl schon vor Jahresfrist ins Wanken. Als der bayerische Ministerpräsident Franz Josef Strauß seinen Anspruch aufs Kanzleramt angemeldet hatte, trat sie in das bereits 1973 gegründete örtliche „Anti-Strauß-Komitee“ ein, das sich „streng überparteilich“ nennt und mehrere hundert Anhänger zählt – darunter so prominente Mitstreiter wie den früheren Rektor der Regensburger Universität, den Physiker Professor Gustav Obermair.

Als eine der angemessenen, vor allem aber augenfälligsten Formen des Protests gegen die Kanzlerkandidatur von Strauß erschien Christine Schanderl der einem Verkehrszeichen nachempfundene Ansteckknopf „Stoppt Strauß“. Diese Gesinnungsmarke trug die Schülerin der 11. Klasse unangefochten bis in den April dieses Jahres auf ihrer Bluse. Erst dann nahm ihr Ethik-Lehrer, außerdienstlich CSU-Vorsitzender in Lappersdorf, die Gelegenheit wahr, berufliche Pflicht und private Neigung über einen Leisten zu ziehen. Er zeigte Christine bei Schulleiter Duschl an.