Unabhängig, zwanglos, natürlich – so wünschen sich Camper den Urlaub in Zelt, Caravan oder Wohnmobil. Doch viele Plätze sind phantasielos angelegt, überaltert und schlecht ausgestattet. In seiner Studie „Der Campingplatz“ gibt der ADAC Empfehlungen für die campergerechte Anlage und Modernisierung von Plätzen.

Sechs Millionen Deutsche sind Campingfans, und glaubt man den Caravan- und Zeltherstellern, so steigt diese Zahl sogar noch weiter. Bis zum Jahre 1990 werden, so schätzt der ADAC, 100 000 neue Standplätze benötigt. Neuanlagen allerdings sind nur noch von 350 Standplätzen aufwärts rentabel. So droht ein Wildwuchs von Großanlagen, die nicht mehr das erwünschte Kontrastprogramm zu den Städten bieten, denen die Camper ja eigentlich entfliehen wollen.

Deshalb, so fordert die Studie, müssen Campingplätze entsprechend ihrer natürlichen Umgebung gegliedert und gestaltet werden: lockere Gruppierung der Standplätze statt gleichförmiger Ausrichtung, abwechslungsreiche Bepflanzung statt monotoner statt ken, geschlängelte Wege statt schnurgerader Zufahrtspisten. Etwa acht bis höchstens zwanzig Stellplätze sollten jeweils zu einer Gruppe zusammengefaßt und mit einem Grüngürtel umgeben werden. Der ADAC empfiehlt, Lärm- und Ruhezonen zu trennen, das heißt: Einfahrt, Verwaltung, Laden, Restaurant, Spielplätze und Sportanlagen auf der einen, Standplätze auf der anderen Seite.

Reizvolle landschaftliche Lage und gute Bademöglichkeiten stehen auf der Wunschliste der Camper ganz obenan. Kein Wunder also, daß bei der Anlage neuer Plätze Seeufer, Fluß- und Bachtäler bevorzugt werden. Auch hier droht Wildwuchs. Im Interesse von Natur- und Landschaftsschutz empfiehlt die Studie, Landschaftsarchitekten an der Planung neuer Objekte zu beteiligen. Campingplätze müssen so harmonisch wie möglich in die Landschaft eingebettet werden. Das gilt für Platzeinteilung und Anpflanzungen, für die Gestaltung der Verwaltungs- und Versorgungsgebäude,

An Gewässern sollte grundsätzlich ein 50 Meter breiter Uferstreifen frei gelassen werden, fordert die Studie, damit der See oder Fluß für die Allgemeinheit zugänglich bleibt. Enge Fluß- und Bachtäler dürfen nicht geopfert werden. Hier und da gibt es zaghafte Ansätze, eine in Frankreich bereits verbreitete neue Form des Camping auch in der Bundesrepublik einzuführen: Camping auf dem Bauernhof. Die Vorteile sind offenkundig: unmittelbarer Zugang zur Natur, eine für Kinder ideale Umgebung und keine Massen.

Die Hälfte der 2160 deutschen Campingplätze ist mehr als fünfzehn Jahre alt. Viele von ihnen sind nach den Maßstäben der Studie unzureichend ausgestattet. Vor allen! Kinder kommen oft zu kurz. Nahezu jede zweite Anlage hat nicht einmal einen Spielplatz. Eine ideale Anlage sollte einen gut ausgestatteten Aufenthaltsraum für Kinder und Jugendliche besitzen, mehrere nach Altersgruppen getrennte Spielplätze mit Sandkasten, Rutschen, Klettergeräten, Schaukeln, Planschbecken, außerdem wetterfeste Tischtennisplatten und Ballspielflächen. Ein Indiz für einen kinderfreundlichen Campingplatz ist ein Waschraum mit einigen Waschbecken, die in Kinderhöhe montiert sind.

Noch schlechter dran sind Körperbehinderte: Nicht einmal ein Prozent der deutschen Campingplätze sind für sie eingerichtet. Es fehlt an Rollstuhlrampen, breiten Türen, ausreichend großen Duschkabinen und Toiletten. Wie man einen Campingplatz so ausstattet, daß auch Behinderte ihn ohne Mühe benutzen können – auch dafür gibt die Studie des ADAC nützliche Hinweise.