Hervorragend

John Williams: „Collection.“ Selbst wenn man von dem 39jährigen, in England lebenden Australier nur diese eine Schallplatte kennt, weiß man nach dem ersten Stück, daß er in die kleine Gruppe hervorragender Gitarristen gehört. Es ist weniger seine unerhörte Virtuosität, mit der er sich hervortut – im Gegenteil, nur ein bißchen mehr noch, und man empfände sie nicht mehr als rein, sondern störend als steril; es ist vielmehr seine sehr disziplinierte Musikalität, mit der er selbst aus so „leichten“ Stücken der Unterhaltungs-Klassik, solchen etwa von Isaac Alberniz oder Villa-Lobos, von Dowland, Rodrigo oder Paganini, musikdramatische Ereignisse macht. Williams bringt ein absolut ebenmäßiges Legato hervor, er nimmt jede Note in den rasend schnellen, hervorragend akzentuierten Akkordfiguren ernst, er hat den Mut zu dumpf dröhnenden Schlägen, und seine Rubati sind streng kalkuliert. Aber vor allem macht er staunen mit dem Facetten- und Nuancenreichtum seiner Klangfarbenwelt. (CBS 73784) Manfred Sack

Captain Beefheart and the Magic Band: „Shiny Beast“ („Bat Chain Puller“). Nach zwei jämmerlich kommerziellen Versuchen („Unconditionally Guaranteed“ und „Bluejeans and Moonbeams“), die ihn künstlerisch beinahe diskreditiert hätten, und einer mißglückten Live-Platte mit Frank Zappa („Bongo Fury“) arbeitete Rock-Dadaist Captain Beefheart jahrelang an einem Projekt mit dem Titel „Bat Chain Puller“. Die Bänder dieser Aufnahmen werden vermutlich nie veröffentlicht, weil sich Finanzier Zappa 1976 mit seinem Firmenpartner verkrachte. In der Folgezeit nahm der Captain alias Don Van Vliet mit einer neuen Magic Band einiges Material von „Bat Chain Puller“ sowie neue Songs für das Album „Shiny Beast“ auf. Diese Produktion, 1978 in den USA veröffentlicht durfte aber bei uns nicht erscheinen: Zappa, in Geldangelegenheiten profitbewußter als die Öl-Multis, reklamierte die europäischen Rechte für sich. Daß „Shiny Beast“ mit zwei Jahren Verspätung doch noch hierzulande erhältlich ist, grenzt an ein Wunder des Popgeschäfts. Wie in seinen besten Produktionen der frühen siebziger Jahre entwirft Captain Beefheart hier eine alptraumhafte Welt sexueller Vorstellungen, zitiert er Horror-Mythen freudianisch (Songtitel: „Wenn I See Mommy I Feel Like A Mummy“) und formt er eine unverwechselbare Synthese aus Delta Blues-Riffs und Free Jazz, irrsinnig synkopierten Dschungelrhythmen und meist lautmalerisch kontrapunktierender Dada-Poesie. Im Verzicht auf melodische Form ist „Shiny Beast“ nicht so radikal wie das Meisterwerk „Trout Mask Replica“, und mit einigen Instrumentals nähert er sich scheinbar Zappa-Land. Die surreale Lyrik des genialen Captain wirkt dennoch, wie schon bei seinem Studio-Debüt „Safe As Milk“, anarchischer als alle politisierende Punk Rock-Wut. (Virgin Records 201 425) Franz Schüler