Seit Wochen steht der Goldmarkt im Zeichen hektischer Preisbewegungen. Obwohl die Lobby der Goldminenbesitzer immer wieder eine neue Hausse voraussagt, zeigt der Goldpreis deutliche Schwächeerscheinungen. Langfristig – darüber sind sich alle Experten einig – wird Gold jedoch wieder teurer werden. Deshalb haben Goldprofis damit begonnen, ihre Bestände anzureichern.

Als zu Beginn dieses Jahres der Goldpreis innerhalb weniger Tage um mehr als 300 auf 850 Dollar je Feinunze (31,10 Gramm) stieg, erwies sich die um Afghanistan ausgebrochene politische Krise als Hauptantriebskraft. Hinzu kam, daß damals noch keiner wußte, wie die Amerikaner auf die Geiselnahme ihrer Botschaftsangehörigen in Teheran reagieren würden. Ein Krieg galt als nicht ausgeschlossen.

Es waren nicht nur die "Ölscheichs", die im Januar – koste es, was es wolle – alles auf dem Markt verfügbare Gold aufkauften. Europäer und vor allem Amerikaner machten kräftig mit. Die Hausse-Spekulation sah den Goldpreis schon auf 1000 Dollar. Als aber feststand, daß es weder wegen Afghanistan noch wegen der amerikanischen Geiseln zum militärischen Konflikt kommen würde, ging auch der Goldmarkt wieder zur Tagesordnung über. Es kam zu der von vielen Fachleuten vorausgesagten Reaktion. Bis zum 18. März stürzte der Goldpreis auf 480 Dollar. Jetzt schwankt er zwischen 600 und 680 Dollar. Damit scheint er, normale politische Verhältnisse in der Welt vorausgesetzt, eine tragfähige Basis erlangt zu haben. Jedenfalls ist es weder den Haussiers noch den Baissiers gelungen, einen Durchbruch zu erzielen.

Die Haussiers arbeiten mit dem Argument der sich angeblich abzeichnenden Goldknappheit. In ihrer Studie "Gold 1980" rechnen die Analysten der britischen Goldminengesellschaft Consolidated Gold Field vor, daß sich in diesem Jahr das Angebot am Goldmarkt um ein Drittel verringern wird und daß infolgedessen beim nächsten Gold-Boom der Goldpreis die Traumgrenze von 1000 Dollar je Unze erreichen kann.

In der Studie wird davon ausgegangen, daß die Versorgung des Goldmarktes von 1765 Tonnen im Jahre 1979 auf rund 1100 Tonnen im Jahre 1980 zurückgehen wird, weil

  • die Goldkäufe des Internationalen Währungsfonds zu Ende gegangen sind,
  • die Verkäufe des US-amerikanischen Schatzamtes künftig ausbleiben werden,
  • die Sowjets ihre Goldverkäufe weiter drosseln werden und weil
  • auch die Südafrikaner dem Goldmarkt weniger Material zuführen werden als 1979.

Diejenigen, die den Goldpreis unter Druck halten wollen, versuchen, Breschen in diese Argumentation zu schlagen. Die Ankündigung des amerikanischen Schatzamtes, wonach die Verkäufe von Regierungsgold wieder aufgenommen werden sollen, sobald sich angemessene Preise dafür erzielen lassen, wurde von den Baissiers dankbar entgegengenommen. Auch wenn anzunehmen ist, daß die Amerikaner erst Goldpreise von deutlich über 700 Dollar für angemessen halten.