DIE ZEIT

Mord im Exil

Innerhalb von drei Tagen haben Mordkommandos aus dem Nahen Osten zweimal in Paris zugeschlagen: erst bei dem mißglückten Attentat auf Shapur Bachtiar, den letzten Regierungschef des Schah, dann bei der Ermordung des syrischen Regimegegners Salah Bitar.

Vor uns die grauen Jahre?

Wenn Millionen aus den Werks- und Schulferien demnächst wieder nach Hause zurückkehren, werden sie kein fröhliches Land vorfinden.

Karlsruher Rätsel

Das Bundesverfassungsgericht hört nicht auf, uns zu verwirren. An ein und demselben Tag hat es zwei Entscheidungen verkündet, von denen die eine die andere halbwegs wieder aufhebt.

Gewollter Skandal

Der Berliner Senator Wolfgang Lüder, seines Zeichens Bürgermeister und Landesvorsitzender der Freien Demokraten, ist in dieser Woche um eine Erfahrung reicher geworden: Er gedachte sich als Feuermelder hervorzutun und sieht sich nun von allen Seiten als Brandstifter bezichtigt.

Bremer Skandal: Ein Präsident und der Hundekot

Als hätten die Bremer, ihre Regenten zumal, von den Schlagzeilen trächtigen Mai-Krawallen um die Bundeswehr-Vereidigung endlich genüg, setzten sie alles daran, einen frischen Skandal auf Sparflamme zu halten: die inzwischen veröffentlichte Mißtrauenserklärung des sozialdemokratischen Polizeipräsidenten Ernst Diekmann gegenüber der sozialdemokratischen Führung der Hansestadt.

Worte der Woche

"Die Prinzipien, die wir als unabdingbare Voraussetzung einer friedlichen Lösung ansehen, gelten für alle betroffenen Parteien, so auch für das palästinensische Volk und für die PLO, die an der Verhandlung beteiligt werden muß.

Zeitspiegel

"Der: Frieden zwischen Israel und Ägypten gewinnt von Tag zu Tag an Stärke. Niemand hat das Recht, sich in das, was jetzt geschieht und in Zukunft geschehen wird, einzumischen.

Das Fest des Friedens - nur mit Sonderausweis

Der erste Jubelsturm im Lenin-Stadion, dem Colosseum der Claqueure und Polizisten, galt nicht dem voranschreitenden Griechen, sondern den nachfolgenden Gladiatoren: Die Afghanen grüßten Breschnjew.

IOC unter neuer Führung: Manns genug?

Lord Killanin hat es hinter sich gebracht. Der neue Mann an der Spitze des Internationalen Olympischen Komitees ist der spanische Diplomat Juan Antonio Samaranch, Industrieller aus Barcelona, ehemals Anhänger Francos, zur Zeit noch Botschafter seines Landes in Moskau.

"Stoppt Strauß" in Schulen und Betrieben: Der Krieg mit den Knöpfen

Seit dem 17. Juli darf die Regensburger Schülerin Christine Schanderl das Albertus-Magnus-Gymnasium nicht mehr betreten. Der neunköpfige Disziplinarausschuß der Schule hat einstimmig die Relegation der Achtzehnjährigen verfügt, weil sie sich "seit einem Vierteljahr weigert, der Aufforderung nachzukommen, im Schulbereich die Plakette ,Stoppt Strauß‘ nicht sichtbar zu tragen".

Italien: Wenn sich die Roten sperren

So wechselhaft und trügerisch wie Italiens diesjähriger Sommerhimmel hat sich auch der Schein stabilerer politischer Verhältnisse erwiesen, der manche Auguren bereits frohlocken ließ: Nun sei ganz klar, daß sich das Land auch ohne Kommunisten regieren lasse.

Frankreich: Die KP-Propheten schweigen

Georges Marchais, Generalsekretär der Kommunistischen Partei Frankreichs, griff selbst zur Feder. Unter der Überschrift "O Sport, du bist der Friede" jubelte er im Parteiblatt L’Humanite-Dimanche: "Am Vorabend der Eröffnung der Olympischen Spiele von Moskau möchte ich erneut die Befriedigung ausdrücken, die wir, die französischen Kommunisten, darüber empfinden, daß dieser große friedliche Wettstreit wie vorgesehen stattfindet.

Vom Wunder blieb wenig

Erst drei Monate sind vergangen, seit Rhodesien unabhängig geworden ist und den Namen Zimbabwe annahm. Nach einem blutigen Buschkrieg, der sieben Jahre gedauert und fast 30 000 Menschen das Leben gekostet hat, 225 000 Menschen zu Flüchtlingen und eine Million zu Heimatlosen machte – nach einem langen Krieg voller Haß, Erbitterung und Enttäuschung, schien sich im Süden des Schwarzen Kontinents ein Wunder anzubahnen.

Wolf gang Ebert: Japaner im Nacken

Montag: Lambsdorff gelesen. Der Graf hat ja so recht. Wir alle sind ein bißchen faul geworden, gell? Kein Wunder, daß wir jetzt von den Japanern überrollt werden.

Der Krieg Henry Kissingers

Schon ein Jahr zuvor hatte die amerikanische Luftwaffe begonnen, Gebiete in den kambodschanischen Ostprovinzen, an Vietnam und Laos grenzend, mit B-52-Staffeln zu bombardieren.

Hans Apel reizt die Jusos

Der Vorschlag Bundesverteidigungsminister Apels für einen längeren Zivildienst stößt auf erbitterten Widerstand der Jusos. Der Verdacht auf Manipulationen mit Kriegsdienstverweigerer-Statistiken hat sich verstärkt.

Das Jahrhundertgeschäft

Trotz Regen und roten Zahlen im Sommer 1980: "Die Touristikbranche wird in zwanzig Jahren die größte Industrie der Welt sein"

"Der Alltag reist immer mit"

"Blinde, unartikulierte Auflehnung gegen den Alltag" signalisiere dieser stete Zug der Millionen in die Ferne, hat Hans Magnus Enzensberger einmal geschrieben: "Die Flut des Tourismus ist eine einzige Fluchtbewegung aus der Wirklichkeit.

Staatsschutz: Lauscher auf Kanal 50

Bei der Polizei in Hamburg gibt es lange Gesichter. Zivilfahnder, die stets observierend zur Stelle sind, wenn sich in der Hansestadt Anarchoverdächtiges regt, sind zwei Jahre lang selbst von Anarchisten gründlich observiert worden.

Drogentherapie: Ein Kampf um "Lilly"

In Lindschied im Taunus sind die Bewohner sauer. Mitten hinein ins Dorf, wo Bauern leben und sich Großstadtmüde ihr Wochenendhäuschen bauten, sollen Fixer ziehen: auf ein großes Areal, auf dem alte, verfallende Villen stehen, wo die Lindschieder Jugend ihren Treff hat, die Gutsituierten Tennis spielen.

Fabrikbesetzung: Der kölsche Klüngel

Leidenschaftlich, stur, stiernackig und sentimental in einem; umfänglich und quadratisch in der Statur, dabei wieselflink, immer auf Hochtouren – das ist Günter Herterich, der Kölner Sozialdemokraten Partei- und Fraktionsvorsitzender.

Die falsch dosierte Freiheit

Wie, machen sie erneut verständlich, daß erstklassige wissenschaftliche Arbeit in Bereichen, die sozial irrelevant erscheinen, im Ergebnis selbst dann, wenn man das Kriterium der Sozialrelevan? anlegt, gewichtiger und produktiver ist als das durch Geld und gute Worte angetriebene, aber zweitklassige Bemühen in Bereichen von scheinbar offensichtlicher gesellschaftlicher Relevanz? Wie erreicht es die Bildungspolitik, auch in den Hochschulen selbst wieder die Vorstellung populär zu machen, daß Ausbildung und Bildung zusammengehören und daß insbesondere die Aufgabe der Universität eben nicht nur darin besteht, exquisite Fachidioten zu produzieren und promovieren? Peter Glotz sprach jüngst zu Recht von der Notwendigkeit der "Einübung jener aufs Praktische.

Das Milliarden-Ding

Zum Abschluß seines Staatsbesuchs beschwor Frankreichs Präsident Valéry Giscard d’Estaing noch einmal, die deutsch-französische Freundschaft.

Mit ihrem lauter werdenden Wehklagen über die Konkurrenz aus Fernost erleichtert die deutsche Autoindustrie den Japanern das Geschäft: Lamentieren nutzt den anderen

Die Furcht der deutschen Autoindustrie vor den Japanern droht in Hysterie umzuschlagen: Kaum sind in der Bundesrepublik zehn Prozent Marktanteil erreicht, da werden "Hunderttausende von Arbeitslosen" beschworen; da bemüht der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie das "moralische Recht zu sagen, jetzt brauchen wir Flankenschutz von Vater Staat"; da wird der deutsche Arbeiter aufgefordert, mehr zu arbeiten, um gegen die Japaner bestehen zu können.

Wetter: Harter Schlag

Sie haben wirklich durchgehalten bis zum Schluß. Auch als in der vierten Woche des großen Regens der rege Wechsel von ordinären Schauern und erfrischenden Wolkenbrüchen einem leichten, aber dafür dauernden und penetranten Nieseln wich, wurden sie nicht weich – die Zeitgenossen, die selbst dem miesesten Wetter noch gute Seiten abgewinnen.

Lufthansa: Teure Tradition

Obwohl China und die Bundesrepublik Deutschland durch zehntausend Gewässer und tausend Berge getrennt und weit voneinander entfernt liegen, besteht eine traditionelle Freundschaft zwischen unseren beiden Völkern", stellte Shen Tu, der Direktor der chinesischen Luftfahrtgesellschaft, in der blumenreichen Sprache seines Landes fest.

Banken-Reform: Streitpunkte

Auch wenn im Bundesfinanzministerium betont wird, daß das jetzt vorgelegte Papier zur Novellierung des Kreditwesengesetzes nicht einmal den Charakter eines Vorentwurfes habe, so wird doch klar, was den Kreditinstituten ins Haus steht: Mehr Kontrolle und weniger Freiheit.

Bonner Kulisse

Noch sind nicht einmal alle Kandidaten für die bevorstehende Bundestagswahl aufgestellt, geschweige denn gewählt, da wird in Bonn schon um Posten gerangelt, die erst nach dem 5.

Stahlindustrie: Rettung vor der Hölle

Karl Thoelke, der stets zu Scherzen aufgelegte große Bruder des ZDF-Showmasters "Big Wim", meinte es ausnahmsweise ernst. Europas Stahlwerke, so schlug der Mitgesellschafter des Handelshauses Klöckner & Co.

Europa: Der Schiedsrichter ist aufgewacht

Ein halbes Jahr, ehe sie abtritt, will die Kommission der Europäischen Gemeinschaft nachholen, was sie während der vergangenen vier Jahre versäumt hat: Sie zeigt den Mitgliedstaaten die Zähne.

Indien – ein Industriegigant?

Früher waren es Schlangenbeschwörer und Maharadschas, heute sind es Naturkatastrophen, Gewalttaten und große Unglücke, die uns in die Schlagzeilen bringen", klagt ein hoher indischer Regierungsbeamter.

Großbritannien: Todessehnsucht in der Fleet Street

In Fleet Street geht es wieder einmal auf Biegen und Brechen. Nachdem kürzlich ein Arbeitskonflikt der – altehrwürdigen Times beinahe das Lebenslicht ausgeblasen hätte, steht nun der Observer auf der Kippe.

Börsen-Report: Qualität gesucht

In den letzten Tagen hat sich auf dem deutschen Aktienmarkt der Anlageschwerpunkt verlagert. Im Vordergrund stehen nicht mehr unbedingt jene Aktien, die vornehmlich von Ausländern erworben werden.

ZEITRAFFER

Ob es nun die Sparappelle waren oder der harte vorletzte Winter: Die Rohöleinfuhren in die Bundesrepublik sind gegenüber 1979 in den ersten sechs Monaten dieses Jahres um sechs Prozent auf fünfzig Millionen Tonnen zurückgegangen.

Nicht am heimischen Herd hocken bleiben

Großmann: Die Japaner exportieren nicht, um die Welt zu ärgern, sondern um ihre eigenen Einfuhren bezahlen zu können. Der Anteil des Exports am Bruttosozialprodukt ist in Japan kleiner als in der Bundesrepublik.

Deutsche Haushalte: Gut gerüstet

Man sieht es an der Ausstattung: Der Wohlstand in deutschen Haushalten ist deutlich gewachsen. Seine Merkmale, die großen und kleinen Helfer bei der Hausarbeit, Telefon, Farbfernseher und natürlich nicht zu vergessen das Auto, Statussymbol Nummer eins, finden sich in immer mehr Haushalten.

BUCH DER WOCHE

Der "dicke Denker Kahn", als Optimist in der Zukunft der Zukunftsforscher etwas aus der Mode gekommen, tritt hier zum großen Gegenschlag gegen die griesgrämigen Propheten kommenden Mangels an.

MANAGER UND MÄRKTE

Die Nachricht schlug im Ruhrgebiet wie eine Bombe ein. Daß Krupp und der deutsch-holländische Stahlkonzern Estel eine langfristige Zusammenarbeit, vereinbaren würden, hatte niemand erwartet.

Nicht jede wird eine Primaballerina

Bühnentänzerin kann man auch ohne klassischen Mittelscheitel und Nackenknoten werden. Gisela Pflugradt jedenfalls, Solotänzerin am Bonner Stadttheater, trägt einen Kurzhaarschnitt und wirkt auf Anhieb eher jungenhaft-sportlich denn grazil-lyrisch.

Nix wie weg hier

Die Subkultur – eine Lumpenaristokratie? Aussteigen ist noch keine Alternative

Der Lessing-Lehrstuhl in Hamburg: Walter Jens hat abgesagt: Die Provinz ist im Kopf

Das allzukomische Stück hat, wie sich nun sehen läßt, fünf Akte, nach klassischem Muster. Der erste: Um der Hamburger Universität wieder zu öffentlichem Ansehen zu verhelfen, beschließt der akademische Senat auf Anregung seines Präsidenten Peter Fischer-Appelt, "Widmungslehrstühle" nach amerikanischem Vorbild zu gründen und Wissenschaftler von Rang und überfachlicher Kompetenz zu berufen.

Zeitmosaik

"Deutsch für Deutsche", unumwunden als Nachhilfestunde für Abiturienten gedacht, die Germanistik studieren wollen, wird im kommenden Semester in Bonn angeboten.

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