Augsburg/Würzburg

Der Bischof plante sein Vorgehen weise: Just am letzten Studientag des Sommersemesters, als die meisten Professoren und Studenten, sofern überhaupt noch anwesend, nur ans Kofferpacken dachten, fanden zwei Angehörige der Augsburger Universität blaue Briefe auf ihren Schreibtischen, "mit freundlichen Grüßen" unterzeichnet von ihrem geistlichen Oberhirten Josef Stimpfle. Den beiden, Assistenten an der katholisch-theologischen Fakultät, entzog Stimpfle, der der bayerischen Diözese seit 1963 vorsteht, die kirchliche Lehrbefugnis, die "Missio canonica". Macht der Fall Küng Schule?

Michael Lattke und Werner Hörmann liegen seit Jahren mit ihrem Bischof über Kreuz, haben aber auf unterschiedliche Weise seinen Zorn auf ihre Häupter geladen. Der 38jährige Lattke weigert sich seit Jahren gemeinsam mit seiner Frau Gisela, einer Theologin und Studienrätin für Religion und Deutsch, seine beiden Kinder taufen zu lassen. Sehr viel undeutlicher sind hingegen die Gründe dafür, daß zugleich mit ihm auch der 40 Jahre alte Priester Hörmann geschaßt wurde.

Während sich Bischof Stimpfle bei der Maßnahme gegen den im vorigen Jahr habilitierten Lattke auf verschiedene kirchliche Beschlüsse und Stellungnahmen zur Notwendigkeit der Säuglingstaufe berief, zog er bei Hörmann, der seit einem Jahr nur noch als wissenschaftlicher Assistent tätig, von seinen Pflichten als Priester hingegen suspendiert ist, schärfere Geschütze auf: Er habe sich genötigt gesehen, Hörmann wegen seines "sittlichen Verhaltens" auf Grund des Konkordats zwischen Bayern und dem Vatikan zu "beanstanden". Hörmann, so der Augsburger Bischof, habe, nämlich, im Juli letzten Jahres "erklärt, er werde sein Priesteramt nicht mehr ausüben, er lege sein Priesteramt nieder". Das aber stelle einen "schwerwiegenden Verstoß gegen die einem Priester obliegenden Verpflichtungen" dar, gegen den die Kirche mit dem "Missio"-Entzug habe vorgehen müssen.

Der betroffene Theologe sieht jedoch andere Zusammenhänge. Werner Hörmann ("ich bin ein heißblütiger und radikaler Mensch") räumt zwar ein, "in der Hitze des Gefechts" bei der letzten Unterredung mit seinem Bischof auch manch unbedachtes Wort gesagt zu haben – "aber der wußte genau, wie ich das meine: nämlich daß ich meine priesterlichen Pflichten gern ruhen lassen wollte."

Gespräche zwischen den beiden ungleichen Kirchenmännern hatte es zwar schon reichlich gegeben. Seit seiner Priesterweihe im Jahre 1967 nämlich sah sich Hörmann, der zur Theologie über den zweiten Bildungsweg kam, nachdem er seinen Gesellenbrief als Graveur schon in der Tasche hatte, "alle zwei Jahre zum Bischof zum Rapport bestellt". Und dabei dürften die beiden Geistlichen wohl mit schöner Regelmäßigkeit sehr ungeistlich aneinandergeraten sein. Der Priester stammt aus einem Elternhaus, "wo man einen königlich-bayerischen Sozialdemokratismus betreibt", der katholischen Soziallehre des renommierten Oswald von Nell-Breuning zuneigt und auch schon mal, "um einem Schulfreund einen Gefallen zu tun", vor Jungsozialisten ein Referat gehalten hat. Sein Bischof hingegen zog sich vor drei Jahren den Zorn vieler SPD-Politiker zu, als er zu einer Europakundgebung in die Allgäuer Benediktinerabtei Ottobeuren zwar alle möglichen konservativen und christlichen Politiker, demonstrativ aber keinen Sozialdemokraten einlud.

Der andauernde Zwist, offenbar genährt durch Anschuldigungen von Hörmann-Feinden im Augsburgischen, eskalierte schon einmal 1975, als Hörmann erst promoviert werden konnte, nachdem er ein besonderes "Kolloquium", bestehend aus drei von Stimpfle ausgewählten Theologieprofessoren, hinter sich gebracht hatte, weil der Bischof die für das Promotionsverfahren nötige Unbedenklichkeitserklärung, das "nihil obstat", nicht ausstellen mochte.