Im Albert-Schweitzer-Hospital kam es zum Eklat: Die Ärzte gehen

Von Günter Haaf

"Geh jetzt, und tue das gleiche..."

(Albert Schweitzer, 1875-1935)

Albert Schweitzer, Urwalddoktor und Friedensnobelpreisträger, praktizierte in einer Ära der Menschenverachtung und -vernichtung tätige Nächstenliebe, getreu seinem Leitsatz "Ehrfurcht vor; dem Leben".

In den 15 Jahres, seit dem Tod dieses Giganten der Menschlichkeit machte sich in seinem Namen vor allem Krämergeist breit. Das Ideal erstarrte zum Idol. Und ähnlich den 50 Jahre alten Hütten Schweitzers, deren Holz die Termiten zerfressen, ist auch der vielgerühmte "Geist von Lambarene" ausgehöhlt. Heute herrscht dort, wie 26 ehemalige Mitarbeiter des "Albert-Schweitzer-Hospitals" vom Arzt bis zum Klempner jetzt in einem gemeinsamen Brief klagen, "ein Ungeist der gegenseitigen Anfeindung und des Mißtrauens, der Kommerzialität und der Rentabilität, der nach außen durch eine groß aufgemachte ’Propaganda verdeckt wird".

Unbemerkt von der Öffentlichkeit durchläuft die Klinik seit April die vermutlich schwerste Krise ihrer Geschichte. Nicht Geldmangel – wie noch Mitte der siebziger Jahre – gefährdet die Institution am Ogowe in der heutigen Republik Gabun. Im Gegenteil: Mit einem Aufwand von rund neun Millionen Schweizer Franken entstand in den letzten Jahren das eben fertiggestellte neue Spitaldorf "Lambarene 2" auf einer Anhöhe oberhalb der geschichtsträchtigen Hütten. Weder Mangel an Patienten – trotz eines zweiten, staatlichen Krankenhauses in Lambarene – noch fehlende medizinische Kapazität oder gar mangelndes ärztliches Können bedrohen den Nachlaß Albert Schweitzers.