Slowenien ist für viele Touristen nur ein Durchgangsland zu den Badestränden an der Adria oder nach Griechenland. Abseits der Hauptdurchgangsstraßen jedoch findet der Reisende, der es nicht eilig hat, noch heute die letzten Reste einer tausendjährigen deutschen Kultur in Jugoslawien.

Nur wenige Kilometer neben der Hauptstraße (E 94) von Klagenfurt über den Loibl und Kranj (Krainburg) nach Ljubljana (Laibach) liegt die Stadt Skofja Loka, die man ein slowenisches Rothenburg ob der Tauber nennen könnte. Die romantische Stadt verrät noch im slowenischen Namen die deutsche Gründung: der Ort heißt deutsch „Bischofslack“. Der „skoof“ (= althochdeutsch Bischof) war der Fürstbischof von Freising, dem die Stadt am 30. Juni 973 von Kaiser Otto II. geschenkt wurde. Bis zur Säkularisation 1803 behielten die Freisinger Bischöfe ihren Besitz in Oberkrain. Eine tausendjährige Zehentscheuer und zahlreiche Gebäude der Stadt tragen noch das Wappen Freisings.

Das Tal der Selzacher Zeier (Sora), das hier beginnt, wurde, im Mittelalter von den Freisingern besiedelt: Heute aber wird nur noch im obersten Ort des Tales, in Zarz (Sorica) die altdeutsche Mundart mit mittelhochdeutschen Elementen gesprochen, hauptsächlich in dem malerischen Weiler Huben (Danje). 1283 wurde der Ort von Bischof Emicho von Freising mit Bauern aus dem Südtiroler Pustertal besiedelt. Eine besondere Spezialität der Bäuerinnen ist das Klöppeln. Am Sonntag nach Mariae Himmelfahrt (15. 8.) wird in Eisnern (Zelezniki), einem alten freisingischen Bergwerksort, ein Klöpplerjahrmarkt abgehalten, auf dem man die wertvollen Handarbeiten billig kaufen kann.

Von Zarz kommend verlassen wir kurz hinter der Wasserscheide zur Adria die Straße und zweigen zum acht Kilometer nördlich gelegenen Rat (Deutschruth) ab, das 1218 vom Patriarchen Berthold von Andechs gegründet wurde. Auch hierher kamen die Gründungsbauern aus dem Pustertal. Wie in Zarz zahlte man noch bis in unser Jahrhundert eine jährliche Spende an das Stift Innichen, das sogenannte „Käfergeld“, das die Felder vor dem Insektenfraß schützen sollte. Unter der mächtigen Dorflinde saßen die freien Bauern und hielten Gericht. Noch bis ins vergangene Jahrhundert bewahrten sie den Privilegienbrief des Patriarchen Bertrand aus dem Jahr 1346 auf. Wer übernachten möchte, muß freilich bis Tolmein (Tolmin) oder Karfreit (Kobarid) weiterfahren, oder er sucht sich ein privates Quartier.

Die Landschaft nördlich von Zarz ist die Wochein, die von 1004 bis 1803 zum Fürstentum Brixen gehörte. Die deutschen Sprachinseln sind heute verschwunden. Der Hauptort des Brixner Besitzes war Veldes (Bled), das später den jugoslawischen Königen und Tito als Sommerresidenz (heute Hotel „Vila Bled“) diente. Auf einer Insel im Wocheiner See liegt ein barockes Marienheiligtum. 1458 reiste der streitbare Philosoph und Kardinal Nikolaus, von Kues, zu der Zeit Fürstbischof von Brixen; in die Wochein, denn man versuchte damals, dem Tiroler Bistum seinen Besitz in Slowenien streitig zu machen. Der wackere Philosoph hielt vor den Bauern ein eingehendes Referat über die historischen Rechte Brixens auf die Wochein.

Die Adelsberger Grotte in Postojna und das berühmte Gestüt in Lipica sind den meisten Reisenden ebenso bekannt wie die Quecksilberbergwerke von Idrija Nur wenige aber wissen, daß man in den Dorfkirchen zu Velesova bei Krainburg und in Gornijgrad Fresken des österreichischen Barockmalers Kremserschmidt findet. Und wenig bekannt ist auch, daß die ältesten slowenischen Sprachdenkmäler, die „Freisinger Denkmäler“ aus dem 11. Jahrhundert, Predigten und Gebetsformeln zur Bekehrung der Slawen in Krain, noch heute in München liegen. Wilhelm Baum