Nun haben wir uns gerade daran gewöhnt, daß der Plüsch-Seehund aus Stephenville, dem trübsten Nest im hintersten Neufundland, ein „Product of Denmark“ ist und die Indio-Puppe aus dem guatemaltekischen Hochland aus Hongkong kommt: „handmade“. Die fernreisegeübten deutschen Urlauber wissen doch längst, daß sie beim Kauf eines Reiseandenkens. nicht nur der regionalen Wirtschaft nutzen, sondem gleichsam Handelsströme zwischen ganzen Kontinenten unterstützen. Schert uns denn wirklich, wenn der hübsche Amethyst-Anhänger aus Uruguay ein „Product of Malaysia“ ist, du Muschelkette aus Jamaika in Florida, USA, aufgereiht wurde oder – viel pikanter – der ägyptische Kaftan, im brodelnden Basar von Kairo mühevoll ergattert, das Schildchen „Product of Israel“ trägt?

Nun, in Deutschland, da wenigstens, kommt langsam Ordnung ins Souvenir-Wirrwarr. Wir zeigen der Welt wieder, was ein echtes Andenken ist. Eine bayerische Lederhose als Geldbeutel – made in Italy? – Eine Schwarzwälder Uhr als Schlüsselanhänger Swissmade, nein, mit diesem Souvenir-Sodom und Andenken-Gomorrha ist nun endgültig Schluß. Der „Bundesverband der Reiseandenken-Branche“ hat beschlossen, Mitbringsel, die in der Bundesrepublik hergestellt werden, besonders zu kennzeichnen. Und zwar „erfolgt die Kennzeichnung durch ein Etikett oder durch einen Anhänger in Form einer Siegelmarke, die außen rot umrandet ist; der Mittelteil zeigt auf mattgoldenem Untergrund den Umriß der Bundesrepublik Deutschland und Westberlins in schwarzer Umrandung mit der Inschrift: „Ein Deutsches Souvenir“.

Damit, so betont der Reiseandenkenverband, sind die Farben Schwarz-Rot-Gold der Flagge der Bundesrepublik Deutschland in dem Zeichen enthalten, und dem kann schlechterdings nicht widersprochen werden. Wir fragen uns nur einigermaßen ratlos, ob in der Industriegesellschaft das „echte“ Souvenir nicht ohnedies schon verschüttgegangen ist.

Oder ist es „echt“, wenn eine Marzipanfabrik in Lübeck, doch eigentlich dem Holstentor verpflichtet, Hofbräuhaus-Bierhumpen aus Marzipan herstellt? Und wird der norddeutsche Biergruß bodenständiger, wenn da eine Plakette in deutschen Farben dranhängt? Wir haben unsere Zweifel und sind längst dazu übergegangen, von Souvenirs allein zu verlangen, daß sie gewisse Preisvorstellungen nicht über- und gewisse ästhetische Minimalanforderungen nicht allzu heftig unterschreiten. Schließlich machen den Eiffelturm – als Briefbeschwerer – inzwischen doch auch die deutschen Fabrikanten schon ganz hübsch. syz