Diese starke Vokabel lehnt der jetzige Direktor des Max-Planck-Instituts für Sozialwissenschaften in Starnberg zwar ab, erklärt sie zum unpassenden und politisch inopportunen Begriff. Allein, wenn die Universität München und das trotz aller Dementis offensichtlich doch in das ungute Spiel wieder einmal verwobene Kultusministerium sich nicht eines besseren besinnen, dann stehen wir bald vor einem irreparablen Scherbenhaufen. Jürgen Habermas, weit über die Grenzen der Bundesrepublik hinaus Deutschlands renommiertester Sozialwissenschaftler, hält es in einer für ihn typischen Formulierung für „einen bildungspädagogischen Imperativ“, daß er neben seiner Tätigkeit am Max-Planck-Institut die Möglichkeit behält oder erhält, wissenschaftlichen Nachwuchs auszubilden (was auch heißt, Promotions- und Habilitationsverfahren zu betreuen). Diese Möglichkeit hat er im Augenblick nur an der Universität Frankfurt, damit also rein technisch-räumlich stark reduziert. Sein in vielen inoffiziellen Gesprächen manifest gewordener Wunsch war es, eine Gast- oder Honorarprofessur an der Universität München zu erhalten – dem Hauptgebäude gegenüber steht das des von Starnberg in die bayerische Metropole umgesiedelten Max-Planck-Instituts. Allein, der Senat, durch Nikolaus Lobkowicz, in Personalunion auch Präsident der Universität München, repräsentiert, gab nach monatelangen Verhandlungen und Überlegungen jetzt zu Protokoll, daß sich eine Mehrheit im Senat für einen möglichen Antrag des Fachbereichs nicht finden würde; woraufhin der Fachbereich, so freundlich abgewarnt, einen Antrag gar nicht erst einreichte. Nicht als Erpressungsmanöver, sondern als sehr einleuchtenden Beweis, daß eine solche Entscheidung nicht auf irgendeiner Fragwürdigkeit seiner wissenschaftlichen Qualifikation beruhen kann, erklärte Habermas nun, daß er, der eben die Ehrendoktorwürde der New School for Social Research in New York erhalten hat, dann einen Ruf an die University of California in Berkeley/USA annehmen würde.

Das Wort Skandal ist hier wohl nicht zu schrill: Das hieße zu gut Deutsch, daß der bedeutendste Kopf seiner Disziplin für Jahre, ja wohl Jahrzehnte nach Amerika auswandern wird, weil wieder einmal das unter dem sprichwörtlichen Mittelmaß unserer Universitäten hier wenig verborgene politische Mißtrauen siegt; denn, natürlich: der Name Habermas steht für eine intellektuell – nicht aktionistisch – militante Linke. Große Gelehrte, deren Denken und Schriften Generationen von Studenten und Lesern entzündeten, galten früher als Zierde einer Universität. Daß einem Mann vom Range Habermas’, als sei er ein junger Privatdozent, eine Honorarprofessur verwehrt wird, wird als besondere Preziose in die Geschichte der Ludwig-Maximilians-Universität eingehen. F. J. R.