Für Fans

„Groß und Klein“ von Peter Stein, nach dem gleichnamigen Theaterstück von Botho Strauß. – Zum drittenmal (nach Gorkis „Sommergästen“ und der „Trilogie des Wiedersehens“ von Strauß) verfilmt der Theaterregisseur Peter Stein eine seiner berühmt gewordenen Inszenierungen an der Berliner Schaubühne. Die „Sommergäste“ jedoch hatten noch Kino-Format, sowohl ihrer Länge nach als auch in der Choreographie der Spaziergänge und Gespräche im Birkenwald. „Groß und Klein“ sprengt die Kino-Maße in einer Weise, wie es selbst einem Visconti oder Bertolucci nicht gelang und wie es sich vermutlich nur ein von der Publikumsgunst unabhängiger Theatermacher leisten kann: der Film ist mit viereinhalb Stunden genau dreimal so lang wie ein üblicher Spielfilm, und Stein tut wenig, um die Monotonie dessen, was sich auf der Leinwand, (nicht) ereignet, zu mildern. Monologe sind für eine Filmkamera nicht sonderlich ergiebig. Bewundernswert die große Schauspielkunst der Edith Clever, verwundernswert die Sprachbegabung des Botho Strauß. Es ist ein Film für Fans, für die Fans des Autors und der Schaubühnen-Mannschaft. Ich bekenne, daß ich keiner bin und mich oft gefragt habe, was dieses dekadente Stück über die Dekadenz wirklich bedeute. Es meint doch, bei aller Meisterschaft, immer nur sich selbst, ist widerstandslos in sich verliebt. Sogar die Selbstkritik schmeckt so gut, wie kein Selbstlob es könnte. – Mich hat das alles nicht sonderlich interessiert; Ulrich Greiner

Beachtlich

„Tiergarten“ von Lothar Lambert. Auch in seinem siebten Film (nach „Ex und Hopp“, 1972; „1 Berlin-Harlem“, 1975; „Now or Never“, 1979 und anderen) hat sich der Berliner Filmemacher und Filmkritiker Lothar Lambert einer Gruppe von Außenseitern angenommen: exotischen Figuren fast, die den Tiergarten im Zentrum Berlins bei Tag und auch bei Nacht durchstreifen. Dabei ist er nicht dokumentarisch vorgegangen, vielmehr hat er mit Laiendarstellern und professionellen Schauspielern die Realität des Parks nachinszeniert. Neben die alltäglichen Szenen, die man an Sommertagen in jedem Park erleben kann, stellt Lambert die besonderen, die sich nur hier, im Tiergarten, und in den Abend- und Nachtstunden abspielen: Da gibt es die nymphomanische Kabarettistin, die auf Männerfang geht; die Prostituierten, die auf Kunden warten; die versoffene Pennerin, die sich ihr Nachtlager sucht Der Film ist mehr als ein Porträt über einen Stadtteil und seinen Park; er erzählt – in kurzen, oft stummen Szenen – auch die Geschichten seiner Bewohner. Es sind traurige Geschichten, die von Einsamkeit und Verlorenheit zeugen. Wegen der außergewöhnlich geringen Produktionskosten (15 000 Mark!) hat der Film, so Lambert, oft einen „experimentellen Touch“ (die Dialoge, die erst am Schneidetisch entstanden, sind fast nie lippensynchron – was aber nicht stört –; die Ausleuchtung der Nachtszenen ist oft unzureichend, wodurch jedoch das Geheimnisvoll-Obskure der Situationen betont wird). Dennoch oder gerade deshalb wird „Tiergarten“ dem Anspruch des Regisseurs, Verständnis wecken zu wollen, durchaus gerecht. Anne Frederiksen

Empfehlenswerte Filme

„Ein kleines Luder“ von Jacques Doillon. „Die Traumfrau“ von Blake Edwards. „Behinderte Liebe“ von Marlies Graf. „Fabian“ von Wolf Gremm. „Wut im Bauch“ von Jonathan Kaplan. „Lena Rais“ von Christian Rischert. „Ein Mann für gewisse Stunden“ von Paul Schrader. „Paul Jacobs und die Atombande“ von Jack Willis und Saul Landau.