Der Tod von Juliane Plambeck und Wolfgang Beer bei einem Autounfall in der Nähe von Stuttgart markiert ziemlich genau das Ende des Jahrzehnts, mit dem der Terrorismus in der Bundesrepublik begonnen hatte: Baader-Befreiung in Berlin, erste Banküberfälle, Morde an Polizisten, Menschenraub zunächst mit der erfolgreichen Freipressung von Häftlingen, die später wieder mordeten, zuletzt die Entführung von Hanns Martin Schleyer, für den der erpreßte Staat nichts gab und der deshalb sterben mußte – am Ende eine Serie von Verhaftungen und in den letzten drei Jahren relative Ruhe.

Es wäre voreilig, zu glauben, die Terroristen vermöchten nichts mehr in unserem Land, sie könnten sich gleichsam nur noch selbst zu Tode bringen. Doch darf die Voraussage wohl gewagt werden, daß ihnen im neu angebrochenen Jahrzehnt wenig Hoffnung bleibt. Die Sympathisanten-Szene schwindet: Es gibt kaum mehr junge Leute, die bereit sind, ihre Abneigung gegen das „System“ mit einem Untergrund-Dasein zu bezahlen, in dem der Mord zur Pflicht gemacht und aus dem eine Rückkehr deshalb unmöglich wird.

Gegen den Staat zu sein, ist zwar noch immer Mode, aber so schrecklich, daß man seine Repräsentanten umbringen müßte, stellt er sich nur noch wenigen Irregeführten dar. Das Potential von Attentätern beschränkt sich offenbar wieder auf die seit jeher übliche Quote. Schlimm ist dies nur für die politischen und publizistischen Scharfmacher, die ein allmähliches Abklingen terroristischer Aktivitäten fürchten müssen, weil diese ihnen seit zehn Jahren den Vorwand dafür geliefert hatten, einen weiteren Abbau der freiheitlichen Ordnung in der Bundesrepublik zu fordern. Ihnen wird nun die Einsicht nahegelegt, daß es auch mit rechtsstaatlichen Mitteln geht, obgleich sie bis an die Grenze strapaziert wurden.

Mehr ist nicht nötig gewesen, mehr wird wohl nicht nötig sein. Der Rechtsstaat braucht sich nicht aufzugeben, um mit seinen Feinden fertig zu werden. H. Sch.