Vier Minister im Kabinett – das ist Werbung; die CDU/CSU ist da im Nachteil. Aber die FDP hat auch Glück verdient; sie hat gute Minister.

Innenminister Baum: Seine Methoden schienen mir anfangs nicht immer ganz offen. Seine guten liberalen Grundsätze hat er manchmal zu dogmatisch angewandt; zuletzt in der Asylfrage, in der er die Opposition (voran die Bayern und Strauß) zuerst heftig der Illiberalität schalt, nach wenigen Wochen aber ihre Vorschläge zu den seinen machte. – Aber die Praxis hat ihn diszipliniert; er verwaltet klug und gewissenhaft das (nach dem Kanzler) schwierigste Amt.

Irtl (brillant, aufrichtig, beste bayerische Liberalität, mit Strauß auf gutem Fuß) ist als Minister für Ernährung, Landwirtschaft und Posten nicht gefährlicher als andere Ernährungsminister: Sie sind alle kostspielig bis zur Katastrophe.

Lambsdorff, Wirtschaftsminister, ist ein Glücksfall. Er kommt „aus der Wirtschaft“, steht ihr aber kritisch gegenüber. Er hat Stil in Schreiben und Sprechen. Er ist bescheiden, deshalb wirkt seine Leistung um so deutlicher.

Genscher spielt seine ausgleichende, links und rechts besänftigende Rolle virtuos – aber die ist dem intelligenten, bedeutenden Mann eben auf den Leib geschrieben. Man würde ihn vermissen.

Wird man Genscher seinen Stellungswechsel verübeln? Bei den Wahlen um Düsseldorf hatte der geniale Wahlkämpfer Helmut Schmidt auch mit Bahrs „Entspannung ist teilbar“ operiert. „Wir haben die Schnauze voll“ von den Welthändeln (Schmidt am 11. April 1980). Da wurde – Bündnis hin, Bündnis her – den Wählern gesagt: Die Lage ist gefährlich, aber für die anderen; die Amerikaner sollen sehen, wie sie mit Teheran und Afghanistan fertig werden. Genscher hat bis Düsseldorf kräftig gegengehalten. Schmidt gewann, Genscher verlor. Seitdem hat Genscher seine (für uns Deutsche allein richtige) Position nicht widerrufen, aber doch zurückgestellt, Inzwischen hat er zur alten Meinung zurückgefunden.

Damals hatte Schmidt unterlaufen, was wir für ein Gesetz halten: daß in einer Krise Strauß siegen würde. Die Krise kam, aber Schmidt versicherte den deutschen Wählern: die geht uns nichts an – und aufatmend wählten sie SPD. Das war gefährlich für das Bündnis, aber (mußte Genscher, sehen) gut für die Wahlen. Mehr: Der Staatsmann – das Prädikat wollen wir Genscher geben – muß oft gegen die Sehnsüchte der Nation handeln. Adenauer hat da nie gezögert. G. B.