Hamburg darf von sich mit Fug und Recht behaupten, mit seiner „Szene“ einst allenthalben für Aufmerksamkeit gesorgt zu haben.

Die Zeiten, als in den Musickneipen der Stadt noch Originale wie Udo Lindenberg oder Otto Waalkes vom Publikum entdeckt wurden, sind freilich längst vorbei. Geblieben ist ein „Szene-Bewußtsein“, das neue Selbstbewußtsein der Hanseaten.

„Szene“ ist in Hamburg nicht mehr Subkultur, sondern ein Herzeig-Artikel für imagebewußte Stadtväter, für konservative Bürger und Schickeria gleichermaßen. Das neue Wissen um den Wert einer bunten Kulturszene rief entsprechend viel Hamburg-Hefte auf den Markt.

Der Besucher kann unter insgesamt acht Stadtillustrierten oder Terminheftchen wählen. Oxmox (1,80 Mark) erscheint monatlich und nennt sich munterdreist das „Durchblick-Blatt“. Das handliche Heftchen strotzt nur so von einem beharrlichen Alternativ-Willen („Hascher gehören nicht in eine Schublade mit Fixern und Alkoholikern“); es steckt voller Kritzel-Cartoons, einschlägiger Kneipen- und Lädchenanzeigen, Rock-Konzert- und Plattenbesprechungen. Es besitzt den reichhaltigsten und originellsten Kleinanzeigen-Teil von allen, nicht aber den besten Programmteil. Oft fehlen die Anfangszeiten und die „bürgerlichen“ Kulturereignisse in Theater, Oper oder Galerien kommen in diesem flippigen Heft zu kurz.

Seriöser, aufwendiger und gewissenhafter ist die Szene (3 Mark, monatlich). Es mauserte sich vom Freak-Blatt zu einer ernsthaften, kritischen Hamburg-Zeitung mit fachkundigen Schreibern über Theater, Musik, Kunst, Film oder „Was sonst noch so läuft“ in Hamburg. Keine Allgemeinplätze, ein sehr guter Programmteil, ausführlich und mit Adressenhinweisen.

Seit kurzem gibt es neben diesen beiden populären Stadt-Blättern noch das In-Magazin (2 Mark, monatlich). Ein übermunteres Hochglanz-Heft, das sich mit Bürgersorgen und Trends beschäftigt, aber keinen Programmteil bietet.

Hanseatisch dezent, kritikfrei, rundherum adrett und gebildet gibt sich Via Hamburg (1,50 Mark), ein Blatt der Stadt und auch nur bei deren Informationsstellen erhältlich. Ab und zu liest man da fast Literarisches von erwählten Stadtteilschreibern, aber kaum Tips, mehr Atmosphäre und Hintergrund-Informationen über das, was der Senat gerade so treibt.