Die Kunden der Energievorrats-Aktiengesellschaft setzen auf weiter steigende Ölpreise

Seit die Energievorrats-Aktiengesellschaft, kurz EVAG genannt, in großformatigen Anzeigen auf sich aufmerksam macht, wollen täglich 200 bis 250 Interessenten wissen, wie man mit dem Kauf von Öl auch als kleiner Mann das große Geld machen kann. Diese Zahl nennt jedenfalls der Alleinvorstand des in Dortmund residierenden Unternehmens, der gelernte Rechtsanwalt Siegfried P. Bartylla.

Wer an die EVAG schreibt, erhält dreierlei: einen farbigen Prospekt, ein Formular für „Bestellung und Lagerauftrag“, sowie zwei Berechnungsbeispiele, aus denen hervorgeht, wieviel man in der Vergangenheit mit Öl hätte verdienen können. Diese Beispiele sind dazu angetan, den Interessenten gleich zum Ausfüllen des Bestellscheins zu veranlassen – weisen sie doch traumhafte Renditen nach.

Hätte man Mitte 1978 zu den Konditionen der EVAG für 20 000 Mark Rohöl eingelagert, so hätte man bis Mitte dieses Jahres – nach Abzug aller Kosten – einen Wertzuwachs von 21 000 Mark erzielt. Diesem entgangenen Gewinn nachzutrauern, ist allerdings müßig. Er wäre nicht zu erzielen gewesen, weil es 1978 weder die EVAG noch vergleichbare Gesellschaften gegeben hat.

Vielmehr mußten die Preise erstin den Himmel klettern, ehe es den Anstoß zur Gründung der EVAG im November 1979 gab. Das Motiv war, wie Bartylla es ausdrückt, „eine Mißstimmung darüber, daß man den Heizölpreisen erbarmungslos ausgeliefert ist“. So taten sich fünf Rechtsanwälte, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer zusammen und gründeten mit einer Million Mark Kapital die EVAG.

Ein einfaches Prinzip

Das Geschäftsprinzip ist denkbar einfach. Der Kunde bestellt Rohöl oder leichtes Heizöl, die EVAG kauft es für ihn ein und deponiert es in Tanks großer Lagergesellschaften. Anschließend wird dem Kunden ein Lagerschein ausgehändigt, der ihn als Eigentümer ausweist und zum Bezug der Ware berechtigt. Die Lieferung frei Haus ist in den Gebühren bereits enthalten.