Kiel

Die sechzig Bewohner des privaten Alten- und Pflegeheims Laboe haben Angst um ihre Zukunft. Sie sind die Leidtragenden einer Auseinandersetzung, die sie weder verantworten noch durchschauen, die aber für viele von ihnen schon bald im Verlust des Heimplatzes gipfeln könnte. Die Hauptakteure dieser Auseinandersetzung sind: ein gutwilliger, aber kaufmännisch unbedarfter Pächter, der Eigentümer, der 40 000 Mark Pacht im Monat kassiert, und das Kieler Sozialministerium, das nicht länger zusehen will, wie staatliche Sozialhilfe unnötig hohe Pflegesätze subventioniert und so die Privatschatulle des Verpächters füllt.

Der Geschäftsmann Rolf Pohl hatte sich schon mehrfach Ärger mit den Behörden eingehandelt. Ein Bauernhaus, das er als Altenheim nutzte, war baufällig und genügte den Brandschutzbestimmungen nicht. Sein neues Altenheim in Laboe hatte Pohl überbelegt – alte Leute wohnten in Kellerräumen.

Die Zustände besserten sich, als Anfang 1980 der examinierte Krankenpfleger Wolfgang Pedersen das Heim pachtete. Der hohe Pachtzins, den er an den Geschäftsmann Pohl zu zahlen hatte, zwang ihn allerdings bald, beim Kieler Sozialministerium die Erhöhung der Pflegesätze um elf Prozent zu beantragen.

Zu Pohls Zeiten waren die alten Pflegesätze von den Sozialämtern anstandslos bezahlt worden. Erst durch den Antrag des Pächters wurde das Ministerium als verantwortliche Kontrollinstanz darauf aufmerksam, daß hier jahrelang private Geschäftemachern unterstützt worden war. Statt die Pflegesätze zu erhöhen, strich es sie nun kräftig Zusammen: von 55,60 Mark pro Tag für Pflegefälle und 39,70 Mark für die übrigen Heimbewohner auf einheitlich 31 Mark. „Die Verpachtung verbessert die Leistungen des Heims für die Heimbewohner in keiner Weise“, lautete die Begründung.

Wolfgang Pedersen bat daraufhin den Eigentümer, der sich inzwischen ein Hotel am Kellersee gekauft hatte, die Pacht entsprechend zu verringern. Doch Pohl blieb hart. Die Pachthöhe entspreche der marktüblichen Verzinsung des Kapitals. Für den Kapitaldienst jedenfalls, so berechnete dagegen das Kieler Sozialministerium, seien nicht 40 000, sondern höchstens 15 000 Mark pro Monat anzusetzen.

Der Antrag auf Erhöhung der Pflegesätze erwies sich noch in einer zweiten Beziehung als verhängnisvoll: Aus den noch von Pohl stammenden Angaben über Personalkosten (72 160 Mark im Jahr) schloß das Ministerium, das Heim sei personell unzureichend ausgestattet. Es konnte nicht wissen, daß Pohl bis zu sechs Zivildienstleistende beschäftigt hatte, die ihn keinen Pfennig kosteten. Plöner Aufsichtsbeamte erschienen unangemeldet im Heim und registrierten eine Reihe von Mängeln – im Grunde Lappalien: ein vereister Kühlschrank, halbvolle Müllkübel, das Fehlen von Insektengittern vor den Küchenfenstern. Pedersen erfuhr die Details des behördeninternen Untersuchungsberichts aus der Lokalpresse. Doch er hatte schon vorher resigniert und den Pachtvertrag gekündigt.