Zickzackkurs einer kommunistischen Partei

Von Ossip K. Flechtheim

Leopold Spira, der lange Zeit Mitglied des ZK der KP Österreichs gewesen ist und im Frühjahr 1971 aus der Partei ausgeschlossen wurde, schildert in

„Ein gescheiterter Versuch – der Austro-Eurokommunismus“; Jugend und Volk Verlag, Wien–München 1979; 240 S., 34,80 DM

dokumentarisch die innere Entwicklung seiner Partei von der Mitte der fünfziger bis zum Anfang der siebziger Jahre. Er kann sich dabei nicht nur auf allgemein zugängliche Publikationen stützen, sondern dank einem seltenen Glücksfall auch auf das interne Material, das J. Lauscher, 25 Jahre lang Obmann der Wiener Organisation und Mitglied des Politbüros, ihm und dem Ernst-Fischer-Archiv zur Verfügung gestellt hat.

Die am 3. November 1918 begründete KPÖ blieb im Gegensatz zur KPD während der ersten Republik eine Splitterpartei und ein „fremdbestimmter Außenseiter“ – nicht zuletzt infolge der beträchtlich radikaleren Politik der austromarxistischen SPD. Erst nach deren Zerschlagung 1934 stießen Tausende von Sozialdemokraten und Schutzbündlern zu den Kommunisten: „Es trat der seltene Fall ein, daß eine Partei in der Illegalität wesentlich stärker wurde als sie in der Legalität gewesen war.“ 1945 war sie dann zum erstenmal in Parlament und Regierung vertreten. Sie hatte über 100 000 Mitglieder und starke Positionen in den Betrieben, sie galt sogar als eine der drei demokratischen Parteien und als „österreichische Staatspartei“ (dieses Privileg genießt sie in mancherlei Hinsicht noch heute).

Wendung nach 1965