DIE ZEIT

Der grüne Lack beginnt zu blättern

Die Auflösungserscheinungen bei den Grünen schreiten fort. Parteiaustritte mehren sich. Das hat gewiß mit der Überfrachtung der Ökologiebewegung durch marxistische Trittbrettfahrer zu tun, die den Protest gegen die technische Umwelt in einen Aufstand gegen die bestehende Gesellschaft umzufunktionieren suchen.

Jimmy und Billy

Bahnt sich für Jimmy Carter eine politische Tragödie an? Dem Präsidenten, dem in letzter Zeit das Glück nur selten hold war, droht nun ein verheerender Schlag.

Nahöstliche Betriebsamkeit

Die Europäer, zumal die Bonner, lassen keine Möglichkeit mehr aus, um den einmal gefaßten Entschluß zur Initiative in der Nahostpolitik auch in die Tat umzusetzen.

Geschwächter Terrorismus

Der Tod von Juliane Plambeck und Wolfgang Beer bei einem Autounfall in der Nähe von Stuttgart markiert ziemlich genau das Ende des Jahrzehnts, mit dem der Terrorismus in der Bundesrepublik begonnen hatte: Baader-Befreiung in Berlin, erste Banküberfälle, Morde an Polizisten, Menschenraub zunächst mit der erfolgreichen Freipressung von Häftlingen, die später wieder mordeten, zuletzt die Entführung von Hanns Martin Schleyer, für den der erpreßte Staat nichts gab und der deshalb sterben mußte – am Ende eine Serie von Verhaftungen und in den letzten drei Jahren relative Ruhe.

Zeitspiegel

Die Menschheit geht einer düsteren Zukunft entgegen. Zu diesem – wahrhaftig nicht neuen – Ergebnis kommt nach dreijähriger Arbeit der amerikanische Rat für Umweltschutz.

Worte der Woche

"Der Schah hat das große Glück gehabt, Chomeini zum Nachfolger zu haben. Denn man wird vergleichen können und, was immer man dem Verstorbenen – mit gutem Recht – vorwerfen kann, man wird die Ergebnisse der Regierung Chomeinis sehen.

Aufstieg und Fall des Schah: Maßlos, ehrgeizig und blind

Der Shayade-Turm, dieses gewaltige Bauwerk an der Einfahrt zum Flughafen von Teheran, zeugt von vergangener Pracht. Der Shah-in-Shah, der König der Könige, der Aryamer, das Licht der Arier, Kaiser Mohammed Reza Pahlavi, hatte ihn 1971 auf dem Höhepunkt seiner Macht zum 2500jährigen Bestehen des persischen Imperiums errichten lassen.

Amerikas Sorge: Der Zerfall seiner Gesellschaft

Ob den Amerikanern die frustrierende Alternative Carter/Reagan nun doch erspart bleibt? Man möchte es ihnen wünschen, denn diese große Nation hätte wirklich Besseres verdient und könnte auch überzeugendere Kandidaten präsentieren.

Wolf gang Ebert: Kanal voll

Böse Zungen behaupten, unser Fernsehen zeige darum so gut wie nichts von den Olympischen Spielen in Moskau, weil den Russen damit gezeigt werden soll, daß wir nichts von ihrer Afghanistan-Expedition halten.

Ein Gegengeschäft Bonn-Moskau

Die über die Moskauer Gespräche Helmut Schmidts mit Breschnjew bekanntgewordenen Fragmente mit den Details östlicher Vorschläge für einen beiderseitigen Truppenabbau in Mitteleuropa ähneln einem jener Porträts der abstrakten Malerei, auf denen das rechte Auge hinter dem linken Ohr sitzt.

Kanzler-Besuch in der DDR: Vermarktung einer Reise

Große Dinge werfen ihre Schatten voraus. Aber die Forderungen, Wünsche und Erwartungen, mit denen sich das Treffen zwischen Bundeskanzler Schmidt und SED-Generalsekretär Honecker Ende August in der Nähe von Rostock ankündigt, ergeben schon einen besonders bizarren Umriß.

Europa zwischen allen Stühlen

Die jüngste Nahost-Erklärung der Staats- und Regierungschefs der Europäischen Gemeinschaft hat niemand befriedigt, weder die Araber noch die Israeli, weder die Amerikaner noch die Europäer selbst.

Afghanistan: Sacharows Ruf

Am vierten Tag der Olympischen Spiele gab es einen traurigen Rekord. Ein sowjetischer Kämpfer für Frieden und Ausgleich zwischen den Völkern, der Nobelpreisträger Andrej Sacharow, saß ein halbes Jahr in der Verbannung.

Streitpunkte

Die 1973 begonnene Seerechts-Konferenz befindet sich in ihrer entscheidenden Endphase. Nach gescheiterten ersten Bemühungen um eine umfassende Seerechts-Konvention 1958 und 1960 geht es bei dem jetzt siebenjährigen Verhandlungsmarathon um eine Neuverteilung von rund 70 Prozent der Erdoberfläche.

Iran: Tauziehen um den neuen Ministerpräsidenten

Der Tod des ehemaligen Schah verändert die politische Situation im Iran ebensowenig wie Spekulationen im Ausland über eine mögliche Freilassung der amerikanischen Geiseln durch das neugewählte Parlament.

Wer will noch unter die Soldaten?

Ich sehe den 18jährigen vor dem Plakat, den Einberufungsbefehl in der Tasche. Da wird ihm gesagt: Deine Waffen dienen nicht der Verteidigung des Landes, sie morden unsere Mütter und Kinder.

Da lag Strauß richtig

"Es kann doch heute von europäischer Sicherheit keine Rede mehr sein, wenn um uns herum die ganze machtpolitische Landschaft sich ändert.

Glück für die FDP

Innenminister Baum: Seine Methoden schienen mir anfangs nicht immer ganz offen. Seine guten liberalen Grundsätze hat er manchmal zu dogmatisch angewandt; zuletzt in der Asylfrage, in der er die Opposition (voran die Bayern und Strauß) zuerst heftig der Illiberalität schalt, nach wenigen Wochen aber ihre Vorschläge zu den seinen machte.

Die Entführungs-GmbH

Der "Fall Kronzucker": Menschenraub ist eine italienische Industrie mit Zukunft

Räuber ohne Furcht

Barzini: Kidnapping ist eigentlich ein Phänomen, das zuerst in ländlichen Bereichen auftrat, in Sardinien, Sizilien und Kalabrien.

Die Mordbuben von Sardinien

Sie sind keine auch nur scheinbar "ehrenwerte Gesellschaft" wie einst die sizilianische Mafia, auch keine Kommandotruppe mit ideologischer Fassade wie heute die Terroristen der "Roten Brigaden", ja es ist fraglich, ob sie überhaupt eine einheitliche organisierte "Anonima", eine "Aktiengesellschaft" für Entführung und Erpressung sind, wie sie in der italienischen Presse seit langem genannt werden.

Die Wut der Hilflosen

Der Zusammenhang zwischen den italienischen politischen, sozialen und ökonomischen Verhältnissen einerseits und italienischen Formen der Kriminalität andererseits wurde von dem englischen Wirtschaftshistoriker Eric Hobsbawm ( Industrie und Empire, Frankfurt 1969) in einer einflußreichen Studie unter dem Titel Sozialrebellen vorgeführt.

Damenwahl: Literarisches Kränzchen

Ein Traumjob, dachte Günther Emig: Die württembergische Kreisstadt Schorndorf suchte einen neuen Bibliotheksleiter. Er sollte den Buchbestand der Stadtbücherei verdreifachen und zu diesem Zweck auch eine Reihe neuer Mitarbeiter einstellen.

Privates Altenheim: In die eigene Tasche

Die sechzig Bewohner des privaten Alten- und Pflegeheims Laboe haben Angst um ihre Zukunft. Sie sind die Leidtragenden einer Auseinandersetzung, die sie weder verantworten noch durchschauen, die aber für viele von ihnen schon bald im Verlust des Heimplatzes gipfeln könnte.

Asylsuchende: Bitte nicht bei uns!

Geschockt von dem Schicksal jener deutschen Emigranten, die dem Terror der Hitler-Diktatur entronnen, aber im Ausland nicht selten vor verschlossenen Türen standen, schrieben die Väter des Grundgesetzes ein Recht auf Asyl in die Verfassung.

King und Dutschke

Die "sieben Heiligen des 20. Jahrhunderts" ließ das Hamburger Deutsche Allgemeine Sonntagsblatt von seinen Lesern küren. 432 Leser spielten für die, evangelische Wochenzeitung Juroren und kürten in dieser Reihenfolge: den ermordeten Führer der schwarzen Emanzipationsbewegung in den USA, Martin Luther King (354 Stimmen); die letztes Jahr mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnete gute Nonne von Kalkutta, Mutter Teresa (340); den von den Nazis 1945 hingerichteten bekennenden Theologen Dietrich Bonhoeffer (298); den Arzt und Lambarene-Gründer Albert Schweitzer (198); den Prior der ökumenischen Begegnungsstätte Taizé, Roger Schutz (102); den polnischen Kinderarzt Janus Korczak (98), der ein jüdisches Kinderheim in Warschau leitete und seinen Schutzbefohlenen 1942 freiwillig ins Todeslager Treblinka folgte; schließlich den polnischen Pater Maximilian Kolbe (88), der im Konzentrationslager Auschwitz an Stelle eines dazu verurteilten Mitgefangenen in den Tod ging.

Wo Hilfe sich verheddert

Den Ländern der Dritten Welt droht durch Entwicklungshilfe politische Entmündigung – Wie kann dem abgeholfen werden?

Ende der Post-Allmacht?

Niedersachsens Wirtschaftsministerin Birgit Breuel fand erst vor wenigen Tagen wieder: "Die Post, das ist ein Ärgernis in der Marktwirtschaft.

Nicht mit Fleiß allein...

Otto Graf Lambsdorff, Bundeswirtschaftsminister und prominenter FDP-Politiker ist ein fleißiger Mann. Schon früh am Morgen ist er bereit, Journalisten zu empfangen, um zwischen Butterbrötchen und Frühstücksei Interviews zu geben.

Banken: Weniger Ertrag

Die Halbjahresberichte der Commerzbank und der Dresdner Bank lösten bei den Aktien beider Institute Kursstürze aus. Dabei hätten die Aktionäre auf den in diesen Berichten gemeldeten Ertragsschwund vorbereitet sein können.

US-Autoindustrie: Mehr Verlust

Jetzt hat es selbst General Motors erwischt. Zum erstenmal seit 1946 schließt der größte Autokonzern der Welt ein Halbjahr mit Verlust ab.

Bonner Kulisse

Mit dem Slogan "Deutsche kauft deutsche Bananen" veralberte der SPD-Abgeordnete Nils Diederich einen Vorschlag seines CSU-Kollegen Matthias Engelsberger.

Zum Gasgeben ist es noch zu früh

Immer mehr Wirtschafts-Propheten blasen Trübsal. Und immer deutlicher wird die Kritik an der vermeintlichen Untätigkeit der Bonner Konjunkturpolitik und an der angeblichen Unvernunft der Bundesbank-Geldpolitik.

Aufsteiger im Blaumann

Das Fabrikgebäude, in dem Bruno La Marca arbeitet, gleicht all den anderen Häusern, die in dem strikten Raster des Leverkusener Bayerwerks endlos Reihe auf Reihe stehen.

Spekulation: Im Schlepp der Scheiche

Seit die Energievorrats-Aktiengesellschaft, kurz EVAG genannt, in großformatigen Anzeigen auf sich aufmerksam macht, wollen täglich 200 bis 250 Interessenten wissen, wie man mit dem Kauf von Öl auch als kleiner Mann das große Geld machen kann.

Aufsteiger: Die Rechnung ging auf

Bei einem Eiskaffee im Münchner Nymphenburg-Viertel besiegelten an einem Sommertag des Jahres 1966 zwei mittellose Olivetti-Vertriebsleute einen folgenschweren, für sie goldrichtigen Entschluß: Der aus der Gegend von Altötting stammende Meß- und Regelmechaniker Lorenz Niederleitner und sein damaliger Vorgesetzter, der Kaufmann Peter Schmidt aus Wetzlar, beschlossen ihre gemeinsame Zukunft als freie Unternehmer.

Münchner Bier: Der Eremit vom Augustiner

In einem großen unzugänglichen und schwer einsehbaren Grundstück in München, in der Nähe des Hauptbahnhofs zwischen der Spatenbrauerei und dem Augustinerkeller gelegen, steht die Villa eines der reichsten Männer der Stadt – und nur wenige Eingeweihte wissen davon.

Börsen-Report: Kursstürze

Obwohl die Zinssenkung Fortschritte macht, hat der Aktienmarkt in den letzten Tagen davon kaum profitiert. Die Aktien der Banken, die als Hauptnutznießer des billigeren Geldes gelten, tendierten sogar ausgesprochen schwach.

Autos: Schiefes Bild

Auf den ersten Blick scheint die Automobilkonjunktur in der Bundesrepublik schlechter zu sein, als die ohnehin zurückhaltenden Prognosen der Autoindustrie zum Jahresbeginn erwarten ließen: Zehn Prozent weniger Neuzulassungen wurden damals für 1980 prognostiziert, im ersten Halbjahr fehlten den Verkäufern aber schon über zwölf Prozent der Kunden.

BUCH DER WOCHE

Breitenstein schreibt dem Kanzler nicht nur Reden, sondern auch interessante Bücher für jedermann. Sein achtes Buch setzt sich mit der Krise der Wachstums- und Wohlfahrtsgesellschaft auseinander.

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