Der Tod des ehemaligen Schah verändert die politische Situation im Iran ebensowenig wie Spekulationen im Ausland über eine mögliche Freilassung der amerikanischen Geiseln durch das neugewählte Parlament.

Die Probleme, die die Herrschenden im Iran derzeit beschäftigen, sind ganz anderer Art: neuerdings das Wissen um einen Rückgang der Staatseinnahmen im laufenden Etatjahr auf knapp zehn Milliarden Dollar gegenüber vierfach höher geplanten Ausgaben und nach wie vor unverändert der zunehmend erbitterte Streit zwischen Mullahs und Reformern über ein politisches Konzept für die kommenden Jahre.

In den vergangenen Wochen schien es nun, als würde sich die von den Geistlichen beherrschte Islamische Republik-Partei“, die stärkste parlamentarische Kraft im Land, mit ihren an den Prinzipien des Korans orientierten totalen Machtansprüchen durchsetzen. Als Verlierer galten die eher liberalen Politiker um Präsident Bani-Sadr, die sich auch mit ihrem Kandidaten für das Amt des Ministerpräsidenten auf eine Art revolutionären Kompromiß einlassen mußten: Mustafa Mirsalim, ein politisch weithin unbekannter Mann, dem nachgesagt wird, lange Zeit im Kielwasser des radikalen Ajatollah Beheschti gesegelt zu sein.

Mirsalim ist 33 Jahre alt, hat in Frankreich ein Ingenieurstudium absolviert und wird von Beobachtern gern als Mitläufer der Revolution bezeichnet. Er gilt als Mann ohne eigenes politisches Profil. Mirsalim war zuletzt stellvertretender Innenminister und Polizeichef, allerdings ohne Befugnisse gegenüber den militanten Revolutionsgarden.

Dennoch erschien dieser Mann allen Beteiligten als letzte Chance für einen nationalen Kompromiß im neuen Kabinett. Bani-Sadr präsentiert ihn denn auch fast mit Glacehandschuhen. Seine Akkreditierung im Parlament trug Bani-Sadr nicht persönlich vor, sondern unterstrich seine Distanz zu dem Kandidaten dadurch, daß er ihn der Nationalversammlung brieflich vorstellte. Mirsalim sollte nicht schon vor der möglichen Amtsübernahme der Gefahr ausgesetzt sein, von allen Seiten politisch angeschossen zu werden.

Einen weiteren Rückzieher gegenüber den Mullahs machte Bani-Sadr zu Wochenbeginn, als er das Parlament bat, mit der Akkreditierung des designierten Premiers noch zu warten und die parlamentarische Abstimmung darüber vorläufig zu verschieben.

Mit dieser Verzögerung will Bani-Sadr verhindern, daß das noch unentschiedene machtpolitische Ringen zwischen den streng religiösen, konservativen Mullahs um Ajatollah Beheschti und den liberaleren Kräften um Bani-Sadr in einem mit allen Mitteln in der Öffentlichkeit geführten Kampf explodiert, bei dem der Kompromißkandidat Mirsalim auf der Strecke bleiben müßte und damit ein letzter Versuch zu nationalem Ausgleich zunichte gemacht würde.