Die Überlebenschancen der größten Bewohner der Meere sind abermals gesunken. Letzte Woche scheiterte auf der Jahrestagung der Internationalen Walfang-Kommission (IWC) im englischen Seebad Brighton der dritte – und bisher aussichtsreichste – Versuch, jede Art von kommerziellem Walfang einzustellen: „Nur“ 13 der 24 IWC-Mitglieder stimmten für ein totales Fangverbot, so daß die erforderliche Dreiviertel-Mehrheit nicht zustande kam.

Ähnlich erging es dem Antrag, wenigstens die Jagd auf den Pottwal zu beenden. Dieser größte Zahnwal „ist der letzte der großen Wale, von dem noch genügend Exemplare übriggeblieben sind, um überhaupt von gewissem wirtschaftlichen Interesse zu sein“, argumentierte der Delegierte der Seychellen, Lyal Watson, vor der Kommission. „Alle anderen sind verschwunden, sind für die wirtschaftliche Nutzung ausgestorben.“

Vierzehn Nationen wollen die letzten Nachfahren Moby Dicks schützen, vier enthielten sich der Stimme, doch die sechs Befürworter verhinderten eben noch eine Dreiviertel-Mehrheit: Neben den Hauptfangnationen Sowjetunion und Japan stimmten Korea, Island, Chile und – zur allgemeinen Überraschung – auch Kanada gegen ein Moratorium. So geht der Vernichtungsfeldzug gegen Pott- und Zwergwale mit legalen Mitteln und kaum gekürzten Fangquoten weiter – ebenso wie die illegale Wal-Piraterie.

Am 6. Februar dieses Jahres explodierte frühmorgens eine Haftmine an der „Sierra“, die im Hafen von Lissabon lag, und versenkte das Schiff. Die „Sierra“, ein von der internationalen Walfang-Kommission nicht „legalisierter“ Umbau, Fangboot und Verarbeitungsschiff in einem, war als Piraten-Walfänger verrufen – zu recht, wie britische und amerikanische Walschützer in detektivischer Kleinarbeit recherchierten und belegten: Ohne jede Beschränkung schoß das Schiff selbst Wale geschützter Arten, Jungtiere und säugende Muttertiere ab, teilweise in fremden Hoheitsgewässern. Seine Besatzung schnitt nur die erstklassigen Rückenfleischpartien heraus und warf den Rest des Kadavers (70 bis 90 Prozent) wieder ins Meer. Hinter den Piraten standen südafrikanische, japanische und wohl auch norwegische Firmeninteressen, die sich in Briefkastenfirmen verbargen. Die „Sierra“ lief nacheinander unter den Billigflaggen der Bahamas, Somalias und zuletzt Zyperns; ihre Besatzung bestand aus Japanern, Norwegern, Südafrikanern, Portugiesen und Briten.

Bereits einen Monat nach der Vorlage des Detektivberichts, der dies offenlegte, reagierten Walschützer. Privatleute richteten einen alten Trawler her, packten 18 Tonnen Beton in den Bug und lauerten in Portugal der „Sierra“ auf.

Am 17. Juli 1979 kam es vor Porto zum Zusammenstoß: Die Walpiraten wurden von der „Sea Shepherd“, so der Name des präparierten Trawlers, zweimal gerammt. Nach dieser ebenfalls piratenhaften Aktion mußte die „Sierra“ für mehrere Monate in ein Reparaturdock. Als die „Sierra“ im Februar gesprengt wurde, ließ der Eigner der „Sea Shepherd“ durchblicken, daß dies kein Unfall gewesen sei. Seinen Trawler hatte er bereits vorher selbst versenkt – nach eigener Aussage, um ihn vor Übergriffen der „Sierra“-Mannschaft zu schützen.

Am 27. April 1980 ereignete sich ein weiterer Sprengstoffanschlag, diesmal in dem kleinen spanischen Hafen Marin, nahe Pontevedra. Dort lagen drei von vier Fangdampfern der einzigen spanischen Walfanggesellschaft Industria Ballenera S. A. Die vier Schiffe, „IBSA I“ bis „IBSA IV“, lieferten ihre Beute (1979: mehr als 400 Wale) an zwei Landstationen bei Vigo und Corcubión zur Verarbeitung ab. „IBSA I“ und „IBSA II“ fielen dem Sabotageakt zum Opfer. Die „IBSA III“ wurde unter Militärschutz gestellt. Glücklicherweise kamen bei all den Anschlägen keine Menschen zu Schaden.