Hamburg

Die „sieben Heiligen des 20. Jahrhunderts“ ließ das Hamburger Deutsche Allgemeine Sonntagsblatt von seinen Lesern küren. 432 Leser spielten für die, evangelische Wochenzeitung Juroren und kürten in dieser Reihenfolge: den ermordeten Führer der schwarzen Emanzipationsbewegung in den USA, Martin Luther King (354 Stimmen); die letztes Jahr mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnete gute Nonne von Kalkutta, Mutter Teresa (340); den von den Nazis 1945 hingerichteten bekennenden Theologen Dietrich Bonhoeffer (298); den Arzt und Lambarene-Gründer Albert Schweitzer (198); den Prior der ökumenischen Begegnungsstätte Taizé, Roger Schutz (102); den polnischen Kinderarzt Janus Korczak (98), der ein jüdisches Kinderheim in Warschau leitete und seinen Schutzbefohlenen 1942 freiwillig ins Todeslager Treblinka folgte; schließlich den polnischen Pater Maximilian Kolbe (88), der im Konzentrationslager Auschwitz an Stelle eines dazu verurteilten Mitgefangenen in den Tod ging.

Sonntagsblatt-Redakteur Wolf gang Teichen, der zur Abstimmung über die modernen Heiligen aufrief, will das Ergebnis nicht als „eine Hitliste auf kirchlich“ verstanden wissen, sondern eher als „Entmythologisierung dieser Menschen“. In einer Artikelfolge wird er nun der Frage nachgehen, „wie wirkten die auf ihre unmittelbare Umgebung“, also das Unbekannte in den Biographien der berühmten Edlen präsentieren: „dann werden die Leute ein Stück menschlicher“.

Bei der Umfrage hat Teichert überdies eine „Tendenz zum ,unbekannten‘ oder anonymen Heiligen“ festgestellt; viele Sonntagsblatt-Leser nannten nämlich den „Heiligen um die Ecke“ als ihren Favoriten, besonders engagierte oder couragierte, dafür aber auch unbekannte Personen ihrer näheren Umgebung. Unter den 117 verschiedenen Heiligen-Namen, die insgesamt zusammenkamen, fehlen prominente einheimische Zeitgenossen nicht: die Theologen Heinrich Albertz, Kurt Scharf und Martin Niemöller ebenso wie die „Politiker“ Herbert Wehner, Erhard Eppler und Rudi Dutschke. K. P.