Obwohl die Zinssenkung Fortschritte macht, hat der Aktienmarkt in den letzten Tagen davon kaum profitiert. Die Aktien der Banken, die als Hauptnutznießer des billigeren Geldes gelten, tendierten sogar ausgesprochen schwach. Eine Reaktion auf die Zwischenberichte der Commerzbank und der Dresdner Bank, in denen deutliche Ertragsrückgänge gemeldet werden.

Zu einem Kurssturz kam es bei Neckermann, ein Papier, das in diesem Jahr schon mit 152 Mark gehandelt worden war und jetzt deutlich unter 100 Mark abgerutscht ist. In Börsenkreisen kursieren Gerüchte über einen notwendig werdenden Kapitalschnitt. Sie wurden zwar von Karstadt als Großaktionär in Abrede gestellt, doch ist man angesichts der sich bei Neckermann offensichtlich verschlechternden Ertragslage mißtrauisch geblieben.

Daß die Autoaktien eher rückläufig sind, ist verständlich. Die rückläufigen Absatzziffern der deutschen Automobilhersteller sprechen für sich. Dabei haben sich Daimler vergleichsweise noch gut behaupten können, am schlechtesten BMW-Aktien, die im Vorjahr in der Spitze noch 242 Mark kosteten, heute lediglich 142 Mark.

Verstärkt hat sich das Interesse für die Papiere der Großchemie. Bei ihnen kommen nun tatsächlich Zinsgesichtspunkte zum Zuge. Bei Bayer und Hoechst liegen die Renditen bei einer Bardividende von sieben Mark unter Einschluß des Steuerguthabens zur Zeit bei 9,23 Prozent, also erheblich über denen, die sich mit festverzinslichen Papieren erzielen lassen. K. W.