Jetzt hat es selbst General Motors erwischt. Zum erstenmal seit 1946 schließt der größte Autokonzern der Welt ein Halbjahr mit Verlust ab. Das verdeutlicht, wie hart die gegenwärtige Rezession in den USA ist und wie schwer es selbst einem Goliath wie GM fällt, sich der japanischen Konkurrenz zu erwehren. Natürlich bringt das Minus von 257 Millionen Dollar in den zurückliegenden sechs Monaten den finanzstarken GM-Konzern nicht um. Aber wegen des gewaltigen Kapitalbedarfs für die Neuentwicklung benzinsparender Modelle ist dieser Aderlaß besorgniserregend genug.

Verglichen mit seinen Detroiter Konkurrenten steht der GM-Konzern allerdings immer noch glänzend da. Die gesamte US-Autoindustrie wird in diesem Jahr Verluste von über vier Milliarden Dollar hinnehmen müssen, den größten Teil davon werden Ford und Chrysler tragen. Noch ein so schlimmes Jahr, und Chryslers Schicksal ist besiegelt, und Ford wird zum nächsten Fürsorgezögling Washingtons.

Alle Hoffnungen Detroits richten sich nun auf das baldige Ende der Rezession und auf einen umwerfenden Markterfolg der neuen Modelle. GM-Boß Murphy sieht den nächsten Aufschwung bereits bevorstehen. Damit hält sich Murphy offensichtlich an die altbewährte Devise, wonach nichts ansteckender ist als Optimismus. Bislang ist von der Wirkung rosiger Prognosen allerdings noch nichts zu spüren.

Es fragt sich zudem, inwieweit die US-Autohersteller in der Lage sind, beim nächsten Anstieg des Konjunkturpegels das Wasser auf ihre Mühlen zu lenken. Wegen der gestiegenen Autopreise betrachten die Amerikaner Autos mehr und mehr als persönliches „Investitionsgut“. Qualität, Lebensdauer und vor allem Benzinverbrauch sind die entscheidenden Kaufkriterien geworden. Und hier sind die Japaner meilenweit voraus.

Zwar bringen Ford und Chrysler in diesem Herbst nun endlich Modelle auf den Markt, die in Preis, Größe und Benzinverbrauch direkt auf den Kampf gegen die japanischen Konkurrenten abgerichtet sind. Damit ist aber die bisherige Aufteilung in Marktnischen beendet. Und Detroits Produkte müssen sich nun noch mehr dem Vergleich mit den Fahrzeugen Nippons stellen.

Es ist zu bezweifeln, daß dieser Vergleich günstig für Detroit ausfallen wird und die Japaner zurück ins Meer gedrängt werden können, wie es einst Henry Ford II. versprach. Wahrscheinlich kann die US-Autoindustrie froh sein, wenn sie ihren geschrumpften Marktanteil in den USA halten kann. jr