Von Horst Bieber

Profis der Feder waren sie alle schon, bevor sie sich „von der Kurzstrecke“ an die „Langstrecke“ wagten, „gestandene Handwerker“ und „beruflich vorbelastet“: drei Schreiber, die den Sprung in die kleine Riege der deutschen Kriminalroman-Autoren geschafft haben. „Nicht das Schreiben ist schwer in der Bundesrepublik“, spottet der Älteste des Trios, „sondern das Gedrucktwerden.“

Das sagen alle, und das erklärt vielleicht, warum auf dem sich ausweitenden Krimimarkt nur ein knappes Dutzend deutscher Namen fest etabliert ist, zumeist Männer, Juristen, Ärzte, Lehrer und eben auffällig viele Journalisten. Daß Morde nebenan passieren (können), weiß man ja; aber ist der Superdetektiv in Oberhausen oder Miesbach tätig? – Nein, dann doch lieber London oder Paris oder New York: Ein Hauch Exotik muß sein, und Kojak darf sich die selbsthaftende Sirene aufs Autodach pappen, wenn’s zum Tatort geht. Wie bescheiden nimmt sich dagegen die Anfahrt deutscher Kriminalbeamter aus – still, im zivilen Wagen. Spannung aus action läßt sich schwer schreiben, wenn der Leser die undramatische Wirklichkeit selber kennt.

Dennoch: „Es ist ein Vorurteil, daß Deutsche keine guten Krimis schreiben können“, sagt Friedhelm Werremeier, Jahrgang 1930. „Das ist ein Verlagsurteil.“

Er hat es überwunden. Sein Paul Trimmel, Hauptkommissar in Hamburg, ist ein Begriff geworden, gedruckt und auf der Mattscheibe in der „Tatort“-Reihe, gespielt von Walter Richter. Ein zum Brummein neigender Bulle mit Herz, der sich über die Dienstvorschriften, scheint’s, genauso gründlich ärgern kann wie über die Kollegen. Ein Kumpel, der mit gelinder Fassungslosigkeit die Verbürokratisierung und Schreibtisch-Polizei beobachtet, lieber auf die Straße geht und sich – selten genug – Trauer darüber erlaubt, daß der alte Ton der alten Kripo fast nur noch in einigen 1. K.s existiert, in den Mordkommissionen (die nur in Großstädten eine feste Einrichtung sind).

öfters sauer ist auch Ernst Bienzle vom Landeskriminalamt in Stuttgart, Querkopf mit Vorliebe für die guten Weine des Ländles, aufbrausend und launisch, raunzig und intuitiv, mit seinen Vorgesetzten in einem spannungsreichen Freund-Feind-Verhältnis verbunden; Sein Vater Felix Huby (amtlich: Eberhard Hungerbühler, Jahrgang 1938) gönnt ihm bei der Arbeit weibliche Bekanntschaften zum Ausgleich für die etwas schwierige Ehefrau, mit der sich Bienzle auseinandergelebt hat. Ernst der Erfolgreiche hat ein zweites Ich, Kriminalmeister Gächter, norddeutsch und kaltschnäuzig; nicht Freundschaft, aber Loyalität verbindet sie, und Gächter wird seinen Chef eines Tages übertrumpfen, ausstechen, überleben.

Michael Molsner, Jahrgang 1939, hat keinen Helden. Sein Oberinspektor Veigl, Kripo München, braucht den erfahrenen Kollegen Brettschneider und den jungen, unerfahrenen und deswegen verkrampften Lenz, um eine ganze Figur zu sein („Das zweite Geständnis des Leo Koczyk“), und für ihre Teilrolle spricht, daß alle drei ohne Vornamen agieren: Un-Personen in einem Trio, das zusammen „die Polizei“ ergibt.