Als er als jüngstes von sieben Kindern auf die Welt kam, war sein Vater siebenundfünfzig Jahre alt – ein recht wohlhabender Mann, der sich aus eigener Kraft emporgearbeitet hatte und Häuser und einiges Vermögen besaß, wovon er gut leben konnte. Viele Jahre lang herrschte zwischen. Vater und Sohn ein sehr gutes Verhältnis. Der Sohn überließ sich ganz dem Einfluß des Vaters und hielt alles, was jener sagte und tat, für richtig, ja für bewundernswert.

Aber: Der Vater als der liebe Gott, der Sohn als sein Liebling – ein solches Verhältnis muß irgendwann schiefgehen. Und auch hier ging es nicht gut. Zwar sagte er später: „Meine Kindheit ist glücklich gewesen ...“ Aber inzwischen glaubte er herausgefunden zu haben, daß mit dem Vater irgend etwas nicht so war, wie es sein sollte, daß – so schrieb er – „hinter der Schwermut des Vaters eine verborgene Schuld“ stecken müsse. Und schließlich war er zutiefst überzeugt, daß infolge jener Schuld die ganze Familie dem Untergang geweiht sei. Nachdem von seinen sechs Geschwistern fünf gestorben waren, schrieb er:

„Eine Schuld mußte auf der ganzen Familie lasten, eine Strafe Gottes mußte über ihr hängen; sie sollte verschwinden, ausgestrichen werden von Gottes gewaltiger Hand, ausgelöscht als ein mißlungener Versuch ...“

Aber da er noch jung war, wollte er nicht grübeln, sondern wollte leben und das Leben genießen. Und da er nicht gezwungen war, Geld zu verdienen, sondern vom Vater unterstützt wurde, saß er tagelang mit Freunden in Cafés und Kneipen. Dort war er gern gesehen, denn er machte durchaus nicht den Eindruck eines verschrobenen Sonderlings, ganz im Gegenteil, er war schlagfertig und amüsant, an allem interessiert und konnte gut Witze erzählen.

Und doch täuschten sich alle; in Wahrheit war er bei weitem nicht so lustig, wie er sich gab. Einmal schrieb er: „Ich komme jetzt eben aus einer Gesellschaft, wo ich die Seele war, die Witze strömten mir aus dem Munde, alle lachten, alle bewunderten mich – aber ich... ging fort und wollte mich erschießen.“

Ihm ging es nicht nur darum, seine Mitmenschen durch Witze zu erheitern. Er wollte – so sagte er einmal – die Welt durch die Sünde kennenlernen.

Deswegen saß er weiter in Kneipen und betrank sich. Deswegen ging er auch in ein Bordem Aber nur ein einziges Mal. Denn Sexualität war und blieb für ihn Erbsünde. Hinzu kam die Furcht, von Frauen zu der Erbsünde verführt zu werden.