„Strauß kann man doch nicht wählen“.

Verbreitetes ethisches Urteil

*

„In der Tat scheint es so zu sein, daß die Furcht zu mißfallen und der Wunsch nach Beifall die mächtigste und beinahe ausschließliche Motivierung für ethisches Urteilen ist.“

Erich Fromm in „Psychoanalyse und Ethik“

Als die FDP in Düsseldorf mit nur 1709 Stimmen unter fünf Prozent blieb (4,98 Prozent), nahm jedermann an: Jetzt werden die Wähler aufwachen und am 5. Oktober die FDP vor dem Untergang bewahren.

In der Tat: Die (potentiellen) FDP-Wähler kalkulieren genau. Aber: Noch auf dem Wege zum Wahllokal überlegen sie: Wird die FDP auch ganz sicher fünf Prozent bekommen? Geht meine Stimme nicht verloren, wenn ich sie der FDP gebe? Oder soll ich doch lieber (je nachdem) SPD oder CDU wählen? Das wird für die FDP gefährlich, wenn bei den Befragungen CDU und SPD sich nähern; da wächst die Neigung, sich gleich für die Partei zu entscheiden, die nach Meinung des Wählers den Kanzler stellen soll. Deshalb sagt es noch nichts, wenn sich heute 7,3 Prozent. der Befragten zur FDP bekennen; im Mai 1980 waren es sogar 7,6 Prozent, und doch haben in Düsseldorf nur 4,9 Prozent FDP gewählt. Man muß hinnehmen: Erst am Wahlsonntag entscheidet sich das Schicksal der FDP. Sie kann in Bonn genauso ausfallen wie in Düsseldorf.