Die Halbjahresberichte der Commerzbank und der Dresdner Bank lösten bei den Aktien beider Institute Kursstürze aus. Dabei hätten die Aktionäre auf den in diesen Berichten gemeldeten Ertragsschwund vorbereitet sein können. Auf den Hauptversammlungen im Mai hatten die Vorstandssprecher keinen Zweifel am Ernst der Lage gelassen. Dresdner Bank-Chef Hans Friderichs stellte damals schon die Beibehaltung der 1979er-Dividende von neun Mark in Frage und rührte damit an ein bisher bei Banken als tabuisiert geltendes Thema.

Daß die kritische Ertragslage zu einem wesentlichen Teil von den Banken durch eine falsche Geschäftspolitik selbst verschuldet und längst nicht in vollem Umfang der Stabilitätspolitik der Bundesbank anzulasten ist, wird kaum noch bestritten. Die gemachten Fehler resultieren aus der Ansicht, steigende Kosten könnten ausschließlich durch eine rücksichtslose Expansionspolitik überspielt werden. Zu spät merken viele Bankvorstände, daß auch für sie Qualität vor Quantität zu gehen hat. Das heißt: Gewinn vor Umsatz – auch wenn dies Geschäftsvolumen kostet.

Ein Grund zur Panik besteht für die Bankaktionäre indessen nicht. Das zweite Halbjahr bringt Lichtblicke. Die Milliarden-Abschreibungen auf die Wertpapierbestände der Banken haben sich durch die Rentenhausse in Luft aufgelöst, die Zinsspannen sind in den letzten Wochen besser geworden und das Wertpapiergeschäft lebhafter. Allerdings wird wohl die Dresdner Bank in diesem Jahr auf Sondergewinne aus dem Goldgeschäft verzichten müssen.

Wenn die positiven Aspekte in den Zwischenberichten zu kurz gekommen sind, dann nicht zuletzt im Hinblick auf die Kreditzinsen. Mit den Hiobsnachrichten über die Ertragslage soll offenbar jede Diskussion über ihre Senkung so lange wie möglich unterdrückt werden. K. W.