Die Lehrer und die Ferien

„Vorzüglich“ fand ganz spontan ein hoher Funktionär der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) den Vorschlag des niedersächsischen Kultusministers Werner Remmers, die Lehrer künftig auch in den Ferien zur Weiterbildung zu schicken. Dies wolle er, so der GEW-Mann, allerdings nur „inoffiziell“ sagen. Schließlich befinde sich die Lehrergewerkschaft mitten in einer Kampagne für die Verkürzung der Arbeitszeit. Der Gedanke jedoch, den Remmers vortrug, ist so neu nicht. Der Kultusminister will, daß sich ganze Kollegien gemeinsam fortbilden. Alle Lehrer einer Schule sollen an einem Wochenende oder auch mal zwei Tage zum Ferienanfang ein Seminar besuchen. Ein sinnvolles Unternehmen – auch aus der Sicht der Lehrer. Die GEW hat schon vor langer Zeit Fortbildungsveranstaltungen dieser Art verlangt. Doch wäre die GEW keine Vereinigung von Lehrern, hätte ihr Funktionär nicht stöhnend hinzugefügt: „Warum mußte Remmers seine Ankündigung ausgerechnet am letzten Tag vor den großen Ferien machen?“

Arbeit adelt

Otto Graf Lambsdorff, Japangeschädigter, fürchtet um die Arbeitsmoral seiner deutschen Mitbürger. Genauer – seiner westdeutschen. Denn predigte er im anderen Teil Deutschlands, fände er offene Ohren. Im Sonntag, der kulturpolitischen Wochenzeitung der DDR, wird ein Gedicht von Georg Maurer abgedruckt, „Arbeit“, das Graf Lambsdorff uns allen sicher am liebsten ins Stammbuch schriebe: Arbeit ist die große Selbstbegegnung des Menschen, / Wüßte er sonst, wer er ist? / Sammelt er das Wasser am Staudamm, / so sammelt er sich. / Läßt er sich gehen, / so ist er nur Wasser, das verrinnt. / Pacht er das Feuer an im gemauerten Ofen, / so ist er es, der wärmt. / Wütet er, ist er nur Feuer, / das Städte und Länder frißt. / Geht er nicht die Bahnen der Sterne,/bleibt er das grasende Vieh. / Fühlt er nicht die Sehnsucht der Menschheit, / ist er der Stein, der erschlägt.

Reichlich Schläger

Es ging nicht nach Moskau, sondern nach Frankfurt, nicht zur olympischen Eröffnungsfeier, sondern zur Einkleidung. Bestellt und geschneidert war die Ausstattung für die Damen der bundesdeutschen Hockey-Nationalmannschaft natürlich schon lange vor dem Olympiaboykott – während die potentiellen Gegner ins Stadion einzogen, wurde sie nun verteilt. Zunächst ein großer Koffer, Leinen mit Lederecken, dezenter Braunton, dazu passend Reisebeutel, Umhänge- und Handtasche. Dazu die Garderobe für feierliche Empfänge: ein Faltenrock aus Trevira, taubenblau, zwei gemusterte Blusen, ein kurzärmeliger Blazer und Wildlederpumps mit „modischem Absatz“. Für den Einmarsch war verhaltenes Beige geplant: Rock, Bluse, Blouson mit Adler und Collegeschuhe. Außen hui und darunter pfui, das sollte den sauberen deutschen Mädels doch keiner nachsagen! Zwei Sportbüstenhalter, Marke Triumph, farbige Slips und zwei Unterhemden. Für das eigentliche Training war nicht viel dabei. Ein Hemd von Adidas, zwei T-Shirts, ein Paar Schuhe namens „Montreal“ und ein normaler Trainingsanzug, Hockeyschläger gab es immerhin acht pro Person. Auch für die, Wechselfälle des Wetters wurde vorgesorgt: Sonnenbrille, Regenschirm und Hut. Alles in allein: ein tragbarer Trost fürs entgangene; Turnier.

Die Republik Wendland lebt

Die „Freie Republik Wendland“ gibt es schon lange nicht mehr. Sie würde mit einem 6000 Mann starken Polizei- und Bundesgrenzschutz-Einsatz geräumt, von Bulldozern niedergewalzt. Die „Freien Wenden“ zogen ab, nachdem sie zwei Wochen lang in ihren selbstgezimmerten Holzpalästen (ZEIT Nummer 23/80) gegen die Bohrstelle 1004 bei Gorleben, die Erkundung des Salzstocks zur Endlagerung von Atommüll, friedlich protestiert, hatten. Seither tragen viele den Wendenpaß in der Tasche – „als Bürger der ersten repressionsfreien Republik auf Erden und im Universum“. Ein Dokument, dem kürzlich die Weihen internationaler Legitimation zuteil wurden. Ganz selbstverständlich ließen griechische Polizisten einen Hamburger Taxifahrer, mit dem schönen grünen Wendenpaß in ihr Land hinein – und auch wieder heraus. Seither, so vermeldet die Tageszeitung, steht für den, Hamburger fest: „Als erster Staat hat Griechenland die ‚Freie Republik Wendland‘ offiziell anerkannt.“ Die amtlichen Stempel mit den kyrillischen Buchstaben lassen keinen Zweifel zu. Doch die Welt wird es schnöde ignorieren – genauso wie die Botschaft der Freien Republik im Herzen der Hansestadt Bremen. Kürzlich war dort Richtfest. Der Bremer Bausenator überließ den Gorleben-Gegnern den Kennedyplatz 1004. Natürlich wird hier alternativ gebaut: Mit Holz, Abfallflaschen, Windmühlen. Die Freien Wenden: Kein Volk ohne Raum.